ZF: Erfolgreich in der Dauerkrise

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ZF hat trotz diverser Krisen seinen Umsatz im ersten Halbjahr um zehn Prozent gesteigert.
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ZF sieht die Gaskrise auf einige nationale Märkte begrenzt. Der deutsche Abgesang auf die Plug-In-Technologie kommt laut Vorstandschef Scheider zu früh.

Alfdorf

An den Krisenmodus hat man sich bei ZF inzwischen gewöhnt. Zwei Jahre Branchenmalaise, Corona-Pandemie und gestörte Lieferketten inklusive Halbleitermangel haben nicht nur die Krise als Dauerzustand etabliert: „Wir haben bereits auf die bisherigen Herausforderungen mit effektiven Krisenmaßnahmen reagiert“, erklärt Vorstandschef Wolf-Henning Scheider. „Auch auf die kommenden Monate sind wir bestmöglich vorbereitet.“ Scheider betont bei der Vorlage der Halbjahreszahlen von ZF jedoch, dass die Energie- und Gaskrise regional begrenzt sei. „Betroffen sind unsere Standorte in Deutschland und in einigen osteuropäischen Staaten.“ Für die deutschen Standorte, darunter auch jenen in Alfdorf, „haben wir eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen“, erklärt Scheider.

Gas spielt als Energieträger für ZF eine wichtige Rolle, der Konzern braucht es unter anderem für seine Härtereien und Gießereien. „Wir konnten bereits bis zu 20 Prozent des Gasverbrauchs reduzieren“, erklärt der ZF-Chef. In einigen Bereichen könne man Erdgas zudem durch Strom oder andere fossile Energieträger ersetzen, zum Beispiel Öl oder andere, per Tank anlieferbare Gasarten. Überdies werde an den betroffenen Standorten die Temperaturen in den Räumen abgesenkt. Bei aus der Gasversorgung resultierenden Engpässen in der Lieferkette, sagt Scheider, könnten Komponenten durch Teile von Standorten auf anderen Kontinenten, in denen es eben keine Energieprobleme gebe, ersetzt werden. Für Scheider ist klar: „Wir sehen uns auf alle Szenarien vorbereitet“, sagt er und fügt an: „Wir müssen mit einer schwierigen Lage rechnen.“

Nicht einstimmen will Scheider in den derzeitigen Abgesang in Deutschland auf die Plug-in-Technologie, in der ZF mit einigen Aufträgen stark involviert ist. „Die Nachfrage nach Hybrid-Fahrzeugen in anderen Märkten ist weiter hoch, in einigen Regionen verzeichnen wir sogar Rückenwind“, erläutert Scheider. Für die nächsten rund zehn Jahre bleibe die Technologie „eine sehr gute Lösung“. Für den ZF-Chef ist deshalb klar: „Die Plug-In-Diskussion ist eine deutsche.“ Langfristig, so prognostiziert Scheider, werde sich jedoch der rein batterieelektrische Antrieb weltweit durchsetzen. In diesem Segment hat ZF zuletzt diverse Erfolge verzeichnet.

So stieg das Auftragsvolumen im Bereich E-Mobilität auf rund 23 Milliarden Euro. „Mit den neuen Aufträgen können wir den Übergang von der Verbrenner- auf die Elektro-Technologie mehr als ausgleichen“, erklärt er. Ebenfalls umfangreich investiert hat der Konzern in Hard- und Softwarelösungen. Dieses Feld will man in der Branche nicht den Tech-Firmen überlassen. Für die Konnektivitätsplattform ZF Pro Connect mit mehreren digitalen Diensten haben die Friedrichshafener bereits einen Großauftrag eines Autobauers erhalten.  

Trotz des herausfordernden Umfelds im Dauerkrisenmodus hat ZF die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres gut bewältigt. Der Umsatz steigt um rund 10 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro, die Hälfte des Wachstums resultiert indes aus Währungseffekten in Folge der Abwertung des Euros gegenüber den Währungen in China, Brasilien, Mexiko und den USA, wie Finanzchef Dr. Konstantin Sauer erläutert. Das operative Ergebnis sinkt um gut 15 Prozent auf 860 Millionen Euro, laut Sauer Folge der massiven Investitionen in Forschung und Entwicklung, die in den ersten sechs Monaten 2022 um 200 Millionen Euro höher lagen im als im Vorjahreszeitraum, sowie der Anlaufkosten für die Fertigung von Komponenten für die Elektromobilität.

Während der Umsatz in Europa und den USA zulegte, kränkelten die Absätze in asiatischen Märkten. Das Minus von 5 Prozent ist vor allem Folge der Null-Covid-Strategie Chinas inklusive diverser Lockdowns.

Dass sich ZF ordentlich geschlagen hat, verdeutlicht auch ein Blick auf die Branchenkennzahlen. Die weltweite Produktion von Pkw ist im ersten Halbjahr um 2 Prozent, die Zahl der hergestellten Nutzfahrzeuge gar um 28 Prozent gesunken. Für das gesamte Jahr 2022 geht Scheider von einer Produktion von 80 Millionen Fahrzeugen aus – trotz weltweit hoher Nachfrage ist das Niveau des Rekordjahres 2017 mit rund 95 Millionen verkauften Einheiten noch immer weit entfernt.

Für Scheider war es die wohl letzte Bilanzpressekonferenz als Vorstandschef von ZF. Er scheidet auf eigenen Wunsch aus. Sein Nachfolger zum Jahreswechsel wird Dr. Holger Klein, der seit 2018 im Vorstand des Zulieferers sitzt und vier Jahre zuvor von der Unternehmensberatung McKinsey zu dem Unternehmen wechselte. Ebenfalls zum Jahresende beendet Finanzvorstand Sauer seine langjährige Tätigkeit für ZF. Über seine Nachfolge will der Aufsichtsrat zeitnah entscheiden. 

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