ZF gliedert Sparte mit Standort Alfdorf aus

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In Alfdorf bündelt ZF die Entwicklung seiner Insassenschutzsysteme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Airbag- und Sicherheitsgurttechnologien, für die der Konzern am Standort auch Komponenten fertigt.
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Überraschung in Friedrichshafen: Der ZF-Konzern will den Bereich Passive Sicherheitstechnik bis Ende 2023 eigenständig aufstellen.

Alfdorf

Der ZF-Konzern strukturiert um: Wie das Unternehmen mitteilt, habe man beschlossen, die Division Passive Sicherheitstechnik auszugliedern und bis Ende 2023 eigenständig aufzustellen. Zu der Sparte gehört auch der Standort in Alfdorf, wo die Division nicht nur ihren Hauptsitz hat, sondern auch rund 1600 Menschen für ZF arbeiten. „Diese Entscheidung soll neue strategische Handlungsoptionen für das Geschäft eröffnen“, teilt das Unternehmen mit. Dazu könnte der Einstieg eines Investors gehören. Auf eigenen Beinen soll der Bereich in Zukunft weiterwachsen und seine Marktposition ausbauen. Aktuell ist die Sparte die weltweite Nummer Zwei.

„Aufgrund der Transformation des Mobilitätsgeschäfts planen wir eine Neuaufstellung des Sicherheitsgeschäfts“, sagt Wolf-Henning Scheider, Vorstandsvorsitzender von ZF. Die Division sei seit der Übernahme von TRW im Jahr 2015 „eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte des ZF-Konzerns“ gewesen. Anders als der ZF-Konzern sei die Sparte vom aktuellen massiven Strukturwandel in der Automobilindustrie kaum betroffen. Das drückt sich auch in den Zahlen aus.

Der Umsatz der Division lag im Jahr 2021 bei rund 3,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Wachstum von 8,6 Prozent im Vergleich zu 2020, trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie und der rund 10 Millionen Fahrzeuge, die aufgrund von unterbrochenen Lieferketten und Materialengpässen nicht produziert werden konnten. Insgesamt stieg der Auftragseingang von 2018 bis 2021 um 60 Prozent, so ZF. „Strategisch und finanziell befinden wir uns in einer komfortablen Lage mit stabilen und ordentlichen Gewinnen“, erklärt Martin Fischer, Mitglied des ZF-Konzernvorstands und verantwortlich für die Division Passive Sicherheitstechnik. Die Gewinne seien unabhängig von den disruptiven Entwicklungen, die aktuell die Automobilindustrie kennzeichnen. „Gleichzeitig wird dieses Geschäft von den Megatrends der erhöhten Fahrzeugsicherheit und des autonomen Fahrens profitieren“, so Fischer weiter.

Um diesen Wachstumskurs fortzusetzen sind laut des Konzerns allerdings „zusätzliche Investitionsmittel erforderlich“. In einer Ausgliederung sieht das Unternehmen die besten Voraussetzungen, „stärkeres Wachstum und einen nachhaltigen Ausbau der Marktposition der weltweiten Nummer 2 im Geschäft mit passiver Sicherheitstechnik durch Einbezug externer Investoren zu generieren“. Diese Investoren könnten dann das entsprechende Kapital mitbringen. „Diese Möglichkeit wird den Anspruch des Unternehmensbereichs als innovativster und zukunftsorientiertester Akteur im Markt nachhaltig stärken“, heißt es bei ZF weiter.

Bei dem potenziellen Investor könne es sich um eine Minderheits- oder auch eine Mehrheitsbeteiligung handeln, so ein Sprecher des Konzerns. Derzeit fänden aber noch keine Verhandlungen statt. Bis ein etwaiger Verkauf vollzogen würde, bleibe das neue Unternehmen zu 100 Prozent in Besitz der ZF.  

Zu Systemen der passiven Sicherheitstechnik gehören zum Beispiel Airbags, Sicherheitsgurte und Lenkräder. Alfdorf ist der Hauptsitz der Division und wäre daher die logische Wahl für den Hauptsitz des neuen Unternehmens. „Davon gehen wir im Moment aus“, erklärt dazu der Konzernsprecher. In Alfdorf bündelt ZF die Entwicklung seiner Insassenschutzsysteme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Airbag- und Sicherheitsgurttechnologien, für die der Konzern am Standort auch Komponenten fertigt.

Auswirkungen auf die Mitarbeitenden und deren Arbeitsverhältnisse hat der jetzige Schritt keine. Auch etwaige Standortvereinbarungen gelten weiterhin. Neben Alfdorf betreibt die Division noch deutsche Standorte in Aschau am Inn, Aschaffenburg und Lage bei Rostock. Weltweit gehören 40 Standorte zu der ZF-Sparte, die rund 35 000 Menschen beschäftigt. Insgesamt sind im Konzern fast 158 000 Menschen tätig. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 38,3 Milliarden Euro, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 17 Prozent.

Der Standort in Alfdorf gehört seit 2015 zur ZF. Zuvor war er Teil des US-amerikanischen TRW-Konzerns, der einst die frühere Repa übernommen hatte. Gegründet wurde die Repa von Erich Klink im Jahr 1961 als Feinstanz- und Repassierwerk in Lindach. In den 1960er- und 1970er-Jahren war das Unternehmen im Zuge des Automobilbooms rasant gewachsen und stellte für alle namhaften Hersteller Sicherheitsgurte und später Airbags her.

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