Zinstief kostet weiter Geld

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Der Vorstand der VR-Bank Ellwangen: Bernd Finkbeiner (links) und Jürgen Hornung (Vorsitzender).
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Warum die Zahlen der VR-Bank Ellwangen trotz Corona-Krise und niedriger Zinsen sehr ordentlich ausfallen.

Ellwangen

Dauerhaft niedrige Zinsen, steigende Regulatorik, zunehmende Digitalisierung – und jetzt auch noch die Corona-Krise: Die Zeiten für die regionalen Banken sind kompliziert. Dennoch ist die VR-Bank Ellwangen im vergangenen Jahr gewachsen – und präsentiert durchaus überraschende Zahlen.

So ist das Zinsergebnis trotz des dauerhaften Minuszinses seitens der Europäischen Zentralbank um rund eine Viertelmillion Euro oder 1,7 Prozent gestiegen. Vergleicht man jedoch, wie stark das bilanzielle Geschäft im selben Zeitraum gewachsen ist, nämlich um 20 Prozent, wird deutlich: "Wir gehen davon aus, dass die Zinspolitik der Notenbank den Druck auf das Zinsergebnis, unsere wichtigste Ertragsquelle, in den nächsten Jahren noch weiter belasten wird", sagt Vorstandschef Jürgen Hornung. Heißt: Das Geldverdienen wird trotz zahlreicher Rekord- und Wachstumszahlen immer schwerer.

Die Corona-Krise hat bundesweit für einen wahren Spar-Boom gesorgt. Die bilanziellen Einlagen, also das direkt bei der VR-Bank Ellwangen angelegte Geld, ist um 13,1 Prozent auf nun 771 Millionen Euro gewachsen. "Der überwiegende Teil der Einlagen ist sehr kurzfristig, meist auf Tagesgeldkonten, angelegt", so Hornung.

Das verschärft das Problem der Banken. Sie müssen das Geld in Teilen bei den Zentralbanken parken, die wiederum einen Minuszins von 0,5 Prozent verlangen. Auf einen Betrag im fünfstelligen Euro-Bereich verortet Vorstandsmitglied Bernd Finkbeiner die Kosten für die VR-Bank im vergangenen Jahr. Deshalb komme man in Ellwangen um Minuszinsen respektive dem Verwahrentgelt, wie es jüngst die BW-Bank und die DKB angekündigt haben, nicht herum. Zudem gibt es immer mehr Anfragen von vermögenden Privat- und Firmenkunden aus dem gesamten Bundesgebiet, die auf der Flucht vor den Negativzinsen bei anderen Banken auch Geld in Ellwangen anlegen wollen. Eine fixe Summe, ab wann diese Minuszinsen gelten, gibt es nicht. "Wir suchen für jeden Kunden im persönlichen Gespräch eine individuelle Lösung", so Finkbeiner. Bislang habe das lediglich 30 bis 40 Kunden mit großen Guthaben betroffen.

Einen Teil der Einlagen gibt die VR-Bank über Kredite zurück in den Markt. Hier verzeichnen die Genossen Rekordzahlen. "Die nach wie vor relativ hohe Investitionstätigkeit in unserer Region, die gute Ausgangssituation vieler Firmen und die ungebrochene Nachfrage nach Wohneigentum begünstigten unser Kreditgeschäft sowohl auf privater als auch auf gewerblicher Seite", sagt Finkbeiner. Insgesamt hat die Bank mehr als 200 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben. Die Corona-Krise habe bislang keine größeren negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region. Mit 42 Kunden wurden Tilgungsaussetzungen vereinbart, erklärt Hornung. "Die wirtschaftliche Stärke und der breite Branchenmix der mittelständisch geprägten Unternehmen kommt in der nach wie vor sehr niedrigen Arbeitslosenquote in unserem Geschäftsgebiet zu Ausdruck."

Der gestiegene operative Gewinn von 7,5 Millionen Euro resultiert aus einem Provisionsüberschuss-Plus, was angesichts der Zinsentwicklung immer wichtiger wird. 770 Millionen Euro hat die VR-Bank an Finanzpartner weitervermittelt, etwa Investmentfonds oder Kredite.

Der Großteil des Gewinns wandert in die Rücklagen. "Die Eigenkapitalausstattung bleibt für viele Banken eine Herausforderung", sagt Finkbeiner. Einerseits steigen die Anforderungen seitens der Behören, andererseits ist sie grundlegend wichtig für weiteres Wachstum. Mit einer Gesamtkapitalquote von 16,3 Prozent sind die Genossen aber gut aufgestellt. Die Risikosituation ist laut Vorstandschef Hornung trotz Corona entspannt.

Der Druck auf das Zinsergebnis wird steigen.

Jürgen Hornung Vorstandschef VR-Bank Ellwangen

Die VR-Bank Ellwangen in Zahlen (in Euro, zum 31.12.2020, in Klammern Ergebnis von 2019)

  • Bilanzsumme 1,050 Mrd. (0,882)
  • Kundeneinlagen (bilanziell) 771 Mio. (681)
  • Kundenkredite (bilanziell) 620 Mio. (535)
  • Zinsüberschuss 17,4 Mio. (14,4)
  • Provisionsüberschuss 7,4 Mio. (6,9)
  • Operativer Gewinn 7,5 Mio. (6,8)

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