Zwischen Hoffen und Bangen

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Die Handwerksbetriebe in der Region rechnen mindestens für das erste Quartal 2021 mit einem Umsatzminus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
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Der BaWü-Check, eine gemeinsame Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen, analysiert die wirtschaftliche Stimmung im Land. So ist die Lage in Ostwürttemberg.

Aalen

Die Corona-Krise hat dem längsten Aufschwung der Nachkriegsgeschichte ein endgültiges jähes Ende gesetzt. Doch wie geht's weiter mit der Wirtschaft? Eine gemeinsame Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen hat ergeben, dass die Baden-Württemberger mit einer Mischung aus Skepsis und vorsichtigem Optimismus in die wirtschaftliche Zukunft blicken. Aber wie sehen die Firmen die aktuelle Lage?

  1. 56 Prozent der von Allensbach Befragten rechnen mit "zahlreichen Firmenpleiten" . Das deckt sich mit der Einschätzung vieler Experten – und der Handwerkskammer in Ulm. Zwar seien die Betriebe im Vergleich zu anderen Branchen insgesamt relativ gut durch die Krise gekommen. Aber Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich sagt: "Die Lage ist jetzt für viele Betriebe brisanter und existenzbedrohlicher denn je." Einige Gewerke mussten ihren gastronahen Betrieb schließen. Raumausstatter, Elektriker oder Schuster seien auch betroffen. Zu verhindern ist eine Pleitenwelle nur so: "Die Betriebe müssen arbeiten dürfen, wo immer es der Gesundheitsschutz zulässt. Und die zugesagten Hilfen müssen entbürokratisiert werden und endlich fließen."

Bei der IHK in Heidenheim fürchtet man durch die Lockdown-Verlängerung "eine dramatische Verschärfung der Situation für die Betriebe mit einhergehenden Insolvenzgefahren", wie Markus Schmid, Leitung Gründung & Unternehmensservice der IHK, erklärt. Er fordert, dass Hilfsgelder so schnell und unbürokratisch wie möglich fließen. Die IHK mahnt eine Gleichbehandlung der Branchen an, der Online-Handel habe "enorme Wettbewerbsvorteile". Die aktuell solide wirtschaftliche Situation werde von der Industrie und deren Zulieferern gestützt.

Der Optimismus wird vor allem von der Industrie getragen.

Katrin Mager Referentin der IHK Ostwürttemberg
  1. 59 Prozent sind überzeugt, dass die Firmen beim Thema Digitalisierung noch nicht ausreichend gut aufgestellt sind. Das gilt für die Region nur bedingt, wie eine Umfrage des AAUF-Instituts der Hochschule Aalen im Auftrag des Digitalisierungszentrums zeigt. "69 Prozent der Unternehmen in der Region schätzen deren individuellen Digitalisierungsgrad auf 50 Prozent und mehr. Davon wiederum stufen 38 Prozent den eigenen Digitalisierungsgrad als sehr hoch ein, heißt: Größer als 75 Prozent", sagt Peter Schmidt, Leiter Innovation & Technologie der IHK und Manager des Digitalisierungszentrums. Auch das Handwerk wird immer digitaler. "Die Handwerksbetriebe stehen der Digitalisierung mehrheitlich offen gegenüber und treiben sie bei sich voran", sagt Mehlich. Je größer ein Betrieb sei, desto höher liege der Digitalisierungsgrad. Der Strukturwandel mache insbesondere kleineren, familiengeführten Betrieben zu schaffen. "Es gilt, die kleinen Betriebe noch stärker bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen zu unterstützen und zu fördern."
  2. 28 Prozent der Bürger gehen für 2021 von einem Aufwärtstrend der Wirtschaft aus. "Einen deutlichen Aufschwung in diesem Jahr erwarten wir nur, wenn eine baldige und dauerhafte Lockerung der Einschränkungen möglich ist", erklärt Katrin Mager, IHK-Referentin Standort. Die Stimmung bei den Firmen ist optimistisch, wie die Konjunkturumfrage zeigt: 24 Prozent der befragten Firmen rechnen mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit im ersten Halbjahr. 23 Prozent gehen von einer Rückkehr im zweiten Halbjahr aus. "Dieser Optimismus wird durch die Industrie getragen." Im Handwerk fällt der Ausblick ins erste Quartal "verhalten" aus, 50 Prozent der Betriebe rechnen mit weniger Umsatz als im Vorjahr. "Die erste Jahreshälfte 2021 wird eine große Herausforderung", sagt Mehlich. Allerdings erwartet der Hauptgeschäftsführer lediglich "moderate Auswirkungen der Pandemie auf die Beschäftigung im Handwerk".
  3. 50 Prozent erwarten, dass die Bedeutung der Autoindustrie für die Wirtschaft des Landes sinken wird. Das wäre für Ostwürttemberg ein harter Schlag. Mehr als 1000 Zulieferunternehmen der Autobranche gibt es im Land. Von diesen sind mehr als 250 Firmen mit mehr als 30 000 Arbeitsplätzen als Zulieferer in Ostwürttemberg angesiedelt, so Mager. "Zulieferer, die sich über Jahre nur auf einen Sektor konzentrieren, sind krisenanfälliger als solche, die sich bereits seit Längerem ein zweites oder drittes Standbein außerhalb des Automobilsektors aufbauen. Etwas mehr als die Hälfte scheint gut diversifiziert zu sein", erklärt sie. Die IHK unterstützt die Schlüsselbranchen Automotive und Maschinenbau mit einem neuen Netzwerk.

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