Strom – Das Recht auf Anbieter-Wechsel

Im Jahr 2020 wollen laut Recherchen mehr als 170 Stromversorger ihre Preise anheben.
  • Strom wird immer teurer. Deshalb kann es sich lohnen, den Anbieter zu wechseln – bei Preiserhöhungen gilt ein Sonderkündigungsrecht. Foto: Kai Remmers/dpa

Zum Jahreswechsel erhöht mehr als jeder zweite Anbieter seine Strompreise. Darüber hinaus rechnen Experten in diesem Jahr mit weiteren Preiserhöhungen.

Nirgendwo in Europa ist der Strom für Privatverbraucher so teuer wie in Deutschland. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im ersten Halbjahr 2019 habe bei einem Jahresverbrauch zwischen 2 500 und 5 000 Kilowattstunden der Preis pro Kilowattstunde 30,88 Cent betragen.

Das sei gut ein Cent mehr als im ersten Halbjahr 2018 gewesen, so die Experten. Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte ist seit der Jahrtausendwende von 13,94 auf 30,43 Cent pro Kilowattstunde in 2019 gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 118 Prozent beziehungsweise 6 Prozent pro Jahr.

Den größten Einfluss auf den steigenden Strompreis haben mehrere Umlagen, die zum Jahreswechsel stiegen: Zum eine legt die Umlage für den Ökostrom um 5 Prozent auf dann 6,76 Cent pro Kilowattstunde zu, nachdem, sie zuletzt zwei Jahre gesunken war. Zudem steigen die Entgelte für die Instandhaltung der Stromnetze. Sie unterscheiden sich je nach Region und steigen im Schnitt um rund sechs Prozent auf etwa 8 Cent pro Kilowattstunde.

Der Wechsel kann sich lohnen

Viele Anbieter haben angekündigt, dass sie diese Erhöhungen an die Kunden weitergeben werden. Doch nicht alle reagieren gleich. Deshalb kann sich ein Wechsel des Energieversorgers lohnen. Bei Preiserhöhungen – etwa aufgrund der EEG-Umlage oder Steuern – haben Kunden auf jeden Fall ein Sonderkündigungsrecht. Stromanbieter dürfen dies vertraglich auch nicht ausschließen. So hat der Bundesgerichtshof bereits in einem früheren Urteil entschieden (Az.: VIII ZR 163/16).

Den Kunden in der Grundversorgung muss die Preiserhöhung mindestens sechs Wochen vorher per Brief angekündigt werden. Andere Stromanbieter müssen ihre Kunden rechtzeitig informieren – also vor Ablauf der Abrechnungsperiode. Dies ist nicht nur per Brief, sondern auch per E-Mail möglich, wenn Kunden dieser Kontaktaufnahme zugestimmt haben. Vorsicht: Nicht immer sind Preiserhöhungen sofort erkennbar. Manchmal sehen die betreffenden Briefe auch wie ein Werbeschreiben aus. Solche versteckten Erhöhungen sind laut Bundesnetzagentur unzulässig.

Es lohnt sich also ein genauer Blick auf die Post vom Stromanbieter – oder eine direkte Nachfrage – ob telefonisch, per Brief oder Mail.

Vergleichen ist sinnvoll

Wer den Stromanbieter wechselt, kann auf jeden Fall sparen. Das gilt besonders für Kunden, die in der Grundversorgung sind. Verbraucher sollten die Konditionen wie Laufzeit und Kündigungsfrist mehrerer Anbieter genau vergleichen. Denn der Preis allein ist nicht entscheidend. Hilfreich sind dabei Vergleichsportale die den für den Kunden günstigsten Anbieter ermitteln und auch eventuell beim Wechsel behilflich sind.

Die Kündigung muss beim alten Anbieter eintreffen, bevor die Preiserhöhung in Kraft tritt. Am sichersten ist es, die Kündigung per Einschreiben zu schicken. Damit ist sicher, dass das Schreiben tatsächlich zugestellt wurde. Sollte es trotzdem Probleme geben, kann man sich an die unabhängige Schlichtungsstelle Energie wenden. Isabelle Modler

© Schwäbische Post 14.02.2020 15:29
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