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Zinsen unten, Preise oben?

Was die Käufer von Immobilien voraussichtlich im Jahr 2021 erwartet.
  • Immobilienpreise werden vermutlich nicht sinken in naher Zukunft. Wer kauft, sollte genügend Eigenkapital mitbringen - das macht die Finanzierung günstiger. Foto: Florian Schuh/dpa

- Wer sich im Laufe des neuen Jahres eine Immobilie zulegen will, beschäftigt sich schon jetzt mit der Finanzierung. Im Blickpunkt stehen dabei Eigenkapital für das Eigenheim und klassisch die Zinsen, verbunden mit der Frage, gehen sie 2021 rauf oder runter? Genau weiß das keiner. Fachleute erkennen zumindest zwei Trends: Baufinanzierungen bleiben günstig, die Immobilienpreise steigen weiter an.

Beides hat auch, aber nicht nur mit den Folgen der Corona-Pandemie zu tun. Sie bringt viele Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Um den konjunkturellen Totalabsturz zu vermeiden, hat der Staat milliardenschwere Hilfspakete aufgelegt. Zugleich überschwemmt die Europäische Zentralbank (EZB) den Markt weiterhin zusätzlich mit billigem Geld.

Keine Veränderung im kommenden Jahr

Daran wird sich voraussichtlich 2021 wenig ändern. Es „zeichnet sich keine Veränderung der expansiven Geldpolitik der EZB ab“, sagt Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp), dem große Immobilienfinanzierer angehören.

Das günstige Geld sollen Banken zu akzeptablen Konditionen an Verbraucher weitergeben, damit diese Kredite aufnehmen. Das viele Kapital drückt nicht nur die Sparzinsen, sondern hält auch die Bauzinsen unten. Diese „dürften deshalb auf absehbare Zeit niedrig bleiben“, stellt Tolckmitt fest. Dass die Darlehenszinsen auf zwei Prozent klettern, halten Finanzierer für so gut wie ausgeschlossen. Diese Einschätzung teilt Stephan Tietz von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock. „Es ist am Markt nicht erkennbar, dass die Zinsen nach oben gehen“, sagt Tietz. Er rechnet allenfalls mit leichten Schwankungen, wie es sie ebenfalls 2020 gab.

Mehr Eigenkapital hilft

Einerseits ist dies für angehende Bauherren beruhigend. Andererseits bedeutet es nicht, dass sie mit allzu lockeren Kreditvergaben rechnen sollten. Ein sicherer Job, etwa als Beamter, wird in Corona-Zeiten wieder stärker berücksichtigt. Die größere Hürde heißt Eigenkapital. „Den Zugang steuern die Baufinanzierer eventuell über höhere Eigenkapitalquoten, um Risiken zu reduzieren“, vermutet der Verbraucherschützer.

Wer an billiges Baugeld will, wird wohl deshalb als Sicherheit mehr Eigenkapital mitbringen müssen.

Preise werden kaum sinken

Experten gehen nicht davon aus, dass Immobilien 2021 billiger werden. Von Problemen wie bei Büro- oder Hotelbauten in Corona-Zeiten blieb der Wohnungsmarkt verschont. Die Eigentumsmärkte zögen unverändert Eigennutzer und Anleger an, konstatiert der vdp. Die Nachfrage nimmt der Einschätzung nach zu, weil Menschen wegen des Homeoffice größere Wohnungen suchen. Für Reiner Braun heißt das im Umkehrschluss: Wenn eine Familie aktuell ein Eigenheim brauche, sollte sie weder auf Zinssenkungen noch auf Preisdellen warten, sofern die übrigen Bedingungen stimmen. dpa

© Schwäbische Post 23.12.2020 16:07
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