Der Tote vom Zürichsee

Bei ihrem ersten Einsatz bekommen es die neuen „Tatort“-Ermittlerinnen aus der Schweiz mit alten Sünden und gleich zwei Morden zu tun.
  • Die neuen Ermittlerinnen aus Zürich: Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zürcher, links) und Tessa Ott (Carol Schuler), hier mit der Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig, rechts). Foto: Sava Hlavacek/ARD Degeto/SRF/dpa
  • Foto: Honorarfrei
Zum Reiz des „Tatort“ gehört, dass nicht nur Fälle aus mehreren Städten und Regionen Deutschlands, sondern auch aus dem deutschsprachigen Ausland gezeigt werden. Während die österreichischen Krimis mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser in den vergangenen Jahren meist sehr ansehnlich waren, lässt sich das für die Beiträge aus der Schweiz leider nicht sagen.

Viele Filme mit Stefan Gubser und Delia Mayer als Luzerner Ermittler Flückiger und Ritschard waren von bescheidener Qualität, manche sogar richtig schlecht. Das soll sich jetzt ändern: Mit einem reinen Frauenduo, das in Zürich auf Mörderjagd geht, will der am „Tatort“ beteiligte Schweizer Sender SRF Akzente setzen und beweisen, dass auch die Schweizer Krimi können.

Im ersten Fall mit dem Titel „Tatort: Züri brännt“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) gelingt das leider nicht, der Film wirkt über weite Strecken statisch und behäbig, da kommt kaum Spannung auf.

Zudem war es keine besonders clevere Entscheidung, mit den Jugendunruhen 1980 in Zürich, auf die immer wieder mit Rückblenden eingegangen wird, ein Thema in den Mittelpunkt zu stellen, mit dem deutsche Zuschauer eher weniger anfangen können. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die beiden ungleichen „Tatort“-Ermittlerinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) von der Abteilung „Leib und Leben“ der Zürcher Kantonspolizei sind interessante Figuren, die auch noch viel Entwicklungspotenzial haben.

Die eigenwillige Tessa Ott ist in vornehmen Zürcher Kreisen aufgewachsen und blitzgescheit. Ihre aus der Westschweiz stammende Kollegin Isabelle Grandjean hat zwar einen charmanten französischen Akzent, ist aber knallhart, wenn es ans Eingemachte geht.

Die beiden stehen vor einem Rätsel, als sie zum Fundort einer Brandleiche am Ufer des Zürichsees gerufen werden. Das männliche Opfer hat eine Kopfschusswunde und eine auffällige Rückentätowierung – ein erster Anknüpfpunkt für die Kommissarinnen, die es schon bald mit mehreren Verdächtigen zu tun bekommen, die vor 40 Jahren an den zum Teil gewalttätigen Jugendkrawallen in Zürich beteiligt waren und mittlerweile zum Establishment zählen.

Als dem Vorgesetzten der beiden, Polizeikommandant Peter Herzog (Roland Koch), per Fahrradkurier ein Päckchen mit einem Totenschädel zugestellt wird, haben es Ott und Grandjean plötzlich mit zwei Mordfällen zu tun – denn der Schädel stammt von einer Frau, die damals brutal erschlagen wurde.

Keine schlechte Plot-Entwicklung eigentlich, die von den Machern dieses „Tatorts“ allerdings verschenkt wird, weil der Krimi danach in zahlreichen Gesprächen, Befragungen und Rückblenden versandet, die nur mäßig spannend sind. Der von der Schweizer Regisseurin Viviane Andereggen inszenierte Krimi nimmt leider erst gegen Schluss noch einmal Fahrt auf.
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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