Die Tote von Zimmer 311

Im neuen „Tatort“ bekommen es die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk mit einer eiskalten Hotelchefin und alten Stasi-Seilschaften zu tun.
  • Diesmal gezwungenermaßen getrennt im Einsatz: „Tatort“-Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r), Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: Thomas Kost/WDR/ARD/dpa
  • Foto: Grafik: Bock/SWP
Menschen im Hotel: In diesem „Tatort“ schlagen allerlei zwielichtige Figuren in einer Kölner Luxusherberge die Zeit tot, und die obskurste von allen ist die Chefin höchstpersönlich. Die exzellente Schauspielerin Ulrike Krumbiegel verleiht der Inhaberin Bettina Mai, einer eleganten Frau mit Stasi-Vergangenheit, die genau richtige Mischung aus Arroganz und Verschlagenheit – eine Meisterleistung. Leider ist Krumbiegels Rolle das einzig Herausragende an diesem sonst ziemlich schwachen „Tatort“ aus Köln.

Der vom Regisseur Torsten C. Fischer behäbig inszenierte Film nimmt zwar eine vielversprechende Wendung, als die Hotelchefin Mai kurzerhand den völlig überraschten Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) entführt, nachdem in Zimmer 311 eine Tote gefunden wurde. Doch der Krimi „Tatort: Der Tod der Anderen“ (10.1., ARD) macht viel zu wenig daraus und versickert nach und nach in gepflegter Langweile.

In allzu vielen Gesprächen wird ein dunkles Kapitel aus der DDR-Vergangenheit von den Beteiligten umständlich aufgearbeitet. Die Spannung bleibt dabei auf der Strecke.

Die Frau, die in Zimmer 311 des Luxushotels erhängt aufgefunden wurde, hat sich wohl nicht selber getötet – da sind sich Schenk und sein Kollege Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) ziemlich sicher. Weil Kathrin Kampe (Eva Weißenborn) geknebelt und gefesselt war, gehen die erfahrenen Ermittler von einer brutalen Hinrichtung aus und befragen Personal und Hotelgäste.

Die Kommissare wissen, dass die smarte Ost-Berlinerin Mai die ebenfalls aus Ostdeutschland stammende Kampe kannte und ahnen, dass sie irgendetwas mit ihrem Tod zu tun hat. Doch die Hotelchefin, die zu DDR-Zeiten für die Stasi als Agentin und Verführerin aktiv war, gibt sich ahnungslos.

Als sich die Verdachtsmomente gegen sie erhärten, zwingt Mai den verblüfften Schenk mit vorgehaltener Waffe dazu, sich mit ihr auf eine Reise ins Sauerland zu begeben, um den wahren Mörder zu finden, wie sie behauptet. Damit er nicht ausbüxt, hat die eiskalte Ex-Agentin zuvor seinen Kollegen Norbert Jütte (Roland Riebeling) an einem unbekannten Ort in ein Kellerverlies gesperrt, wo sich der tollpatschige Erbsenzähler das zugeteilte Wasser und die mitgebrachten Äpfel zum Überleben einteilt.

Falls Freddy nicht mitzieht, stirbt der arme Jütte im Verlies. Und so sieht sich der schwergewichtige Kommissar gezwungen, der Hotelchefin zu Diensten zu sein. Ballauf versucht derweil, die Fäden der Ermittlungen zusammenzuhalten und findet in der Kriminaltechnikerin Natalie Förster (Tinka Fürst) eine junge Frau, die ihn mit ihrem Knowhow tatkräftig unterstützt.

Wie sich erweist, hat letztlich alles mit den Nachwirkungen diverser Schweinereien in der DDR zu tun, was in zahlreichen Gesprächen akribisch erörtert wird. Leider bremsen die wenig aufregenden Dialoge diesen „Tatort“ immer genau dann ab, wenn er gerade etwas Fahrt aufnimmt.
© Südwest Presse 09.01.2021 07:45
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