„Frauen erlauben, sich zu bewegen“

„Coco“ Chanel sang zunächst in Cafés und revolutionierte nach dem Ersten Weltkrieg die weibliche Kleidung.
  • Die Designerin Coco Chanel 1969, zwei Jahre vor ihrem Tod. Foto: Upi/dpa
Bis zum „Ritz“ waren es nur 100 Meter. Jahrzehntelang lebte Gabrielle „Coco“ Chanel in dem Hotelpalast im Herzen von Paris – von ihrem Modehaus in der Rue Cambon aus brauchte sie nur die Straßenseite zu wechseln. Die Modeschöpferin blieb dem „Ritz“ treu. Sie starb dort vor 50 Jahren, am 10. Januar 1971, in ihrer Suite. Frankreichs Modelegende wurde 87 Jahre alt.

„Chanel“ ist ein großer Name in der Luxus- und Modewelt geblieben. In Paris, wo die Designerin große Erfolge feierte, gibt es im Modemuseum Palais Galliera erstmals eine Ausstellung über die Stilikone, die die Damenmode radikal umgekrempelt hat.

Markenzeichen ihres Hauses wurden das Chanel-Kostüm, ein schlichtes und elegantes Kleid („Kleines Schwarzes“) und die gesteppte Lederhandtasche mit Goldkette. André Malraux, ein Autor und ein berühmter Kulturminister, war überzeugt davon, dass vom Frankreich des 20. Jahrhunderts nur drei Namen übrig bleiben werden: Charles de Gaulle, Picasso und Chanel.

Man muss Chanel sehen, in einem gefilmten Interview aus dem Jahr 1959, stehend, mit Hut, Perlenkette und Zigarette in der Hand. „Können Sie uns sagen, wie die Mode dieses Jahr aussehen wird?“, lautete eine Frage. „Nein“, entgegnete sie. „Warum?“ „Weil ich es nicht weiß. Und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen.“

Gabrielle Chanel war 1883 in ärmlichen Verhältnissen in Saumur in Westfrankreich geboren worden. Von 1907 an sang sie in Cafés, aus dieser Zeit soll der Spitzname „Coco“ stammen.

1909 begann Chanel mit einem Hutatelier in Paris, es folgte eine Hutboutique. 1915, während des Ersten Weltkriegs, eröffnete sie das erste Modehaus im Seebad Biarritz an der Atlantikküste.

Sie schaffte es bis in die High Society und revolutionierte die Mode. Dem vorherrschenden Korsett setzte sie lässige, maskulin geschnittene Jersey-Kleider entgegen. Ihre schwierigste Aufgabe? „Frauen zu erlauben, sich mühelos zu bewegen.“

1921 schuf sie das „Parfum No.5“. Es war das erste Parfüm einer Modeschöpferin, wie das Haus Chanel berichtet.

1940, im Zweiten Weltkrieg, wurde das „Ritz“ als Residenz für Marschälle, Admirale und Minister aus Nazi-Deutschland beschlagnahmt. Sein Dauergast Chanel hatte laut Biografen damals eine Liebschaft mit dem deutschen Diplomaten Hans Günther von Dincklage. Das hat zahlreiche Autoren dazu verleitet, Chanel als Nazi-Agentin oder Kollaborateurin darzustellen.

Chanel war bereits gut 70 Jahre alt, als sie nach einer langen Pause ihre zweite Karriere lancierte. Ihr Tweed-Kostüm feierte insbesondere in den USA große Erfolge. Sie starb 1971. Das Haus Chanel verpflichtete Karl Lagerfeld als Kreativdirektor. dpa
© Südwest Presse 09.01.2021 07:45
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