Tausende tote Heimkinder in Irland

Skandal in kirchlich betriebenen Unterkünften für unverheiratete Mütter aufgedeckt.
Ein jetzt veröffentlichter Untersuchungsbericht über den Tod tausender Babys und Kinder in Mutter-Kind-Heimen sorgt in Irland für Aufsehen und wirft ein Schlaglicht auf die sehr katholisch geprägte Gesellschaft Irlands im 20. Jahrhundert.

Demnach starben etwa 9000 Kinder in Heimen, die von der Regierung kontrolliert und von religiösen Organisationen, oft von der katholischen Kirche, geleitet wurden. Das waren rund 15 Prozent aller Kinder in den untersuchten Heimen für unverheiratete Mütter.

Als Haupttodesursachen wurden Atemwegserkrankungen sowie Magen-Darm-Entzündungen festgestellt. In den Heimen lebten unverheiratete Frauen mit ihren Kindern.

In der 2865 Seiten umfassenden Studie geht es unter anderem um ein vom Orden der Bon-Secours-Schwestern betriebenes Heim in Tuam. Auf dessen Gelände waren „erhebliche Mengen“ unmarkierter menschlicher Überreste in Gewölben gefunden worden. Die Lokalhistorikerin Catherine Corless hatte ermittelt, dass zwischen 1925 und 1961 in dem Heim 796 Totenscheine für Babys ausgestellt worden waren. Im gleichen Zeitraum gab es aber lediglich eine einzige beurkundete Bestattung.

Eine eingesetzte Untersuchungskommission arbeitete seit Anfang 2015 Vorgänge aus Mutter-Kind-Heimen auf. dpa/kna
© Südwest Presse 14.01.2021 07:45
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