Winterchaos und kein Ende in Sicht

Massenhaft Schnee: Damit müssen die Menschen in Deutschland und Österreich fertig werden. Ein Skifahrer, ein Neunjähriger und zwei Autofahrer sterben. Entwarnung gibt es laut Meteorologen noch nicht.
  • Vorbildlich geräumt. Foto: Egbert Manns

  • Immer mehr Orte sind in Österreich nicht erreichbar. Meteorologen rechnen dort mit weiteren Schneemassen und einer Verschärfung der Lawinengefahr. Foto: Harald Schneider/APA/dpa

  • Auch in Sachsen, dort unter anderem im Erzgebirge, kam es zu starken Schneeverwehungen. Foto: Andre März/dpa

  • Der bayerische Alpenraum – hier ein Wegkreuz im oberbayerischen Wessobrunn – versinkt im Schnee. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Gesperrte Straßen, ausgefallener Unterricht und hohe Lawinengefahr: Vor allem im Süden Bayerns und in Österreich kämpfen die Menschen mit dem Schnee. Auch Baden-Württemberg und Sachsen sind betroffen. Es gibt auch Todesopfer. Ein Überblick.

Tödlicher Schnee in Österreich: In St. Anton wurde ein 16-jähriger Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine verschüttet und starb. Immer mehr Orte sind in Österreich nicht erreichbar, in großen Teilen des Bundeslandes Salzburg gilt die höchste Warnstufe. Aufgrund der Lawinengefahr sind viele Orte nicht erreichbar. Dadurch sitzen auch viele Touristen fest, beliebte Reiseziele sind weiterhin nicht erreichbar. Tausende Haushalte waren ohne Strom, allein in Tirol 1600.

In drei oberbayerischen Landkreisen gilt der Katastrophenfall: Am Donnerstag wurde er für das südliche Berchtesgadener Land ausgerufen und für den Landkreis Traunstein. Das Landratsamt übernehme die Koordination der Einsätze der Rettungs- und Hilfsorganisationen. Im Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe sitzen noch immer rund 350 Menschen fest, weil die einzige Zufahrtsstraße wegen der Schneemassen gesperrt ist. Nur Militärfahrzeuge der Bundeswehr können die Strecke befahren. Bereits seit Montag gilt im Landkreis Miesbach der Katastrophenfall.

Zweithöchste Lawinenwarnstufe im bayerischen Alpenraum: Vorsichtshalber wurde die für Skifahrer und Reisende wichtige Bundesstraße 307 in Oberbayern teilweise gesperrt. Ebenso hat Oberstdorf wegen der Lawinengefahr Zufahrten zu zwei Tälern gesperrt. Rund 65 Anwesen, darunter Hotels, seien davon betroffen, sagte die Pressesprecherin der Marktgemeinde. Auch die Talstation der Fellhornbahn wurde geschlossen. Der Bergbahnbetreiber stellte zudem den Betrieb der Oberstdorfer Nebelhornbahn ein. Die Gebäude in den zwei Tälern sind nach Einschätzung der Experten nicht gefährdet, nur an den Straßen in die Ortsteile drohten Lawinenabgänge.

Schnee und umgestürzte Bäume brachten zahlreiche Menschen in Gefahr. In Aying (Landkreis München) wurde ein neunjähriger Junge von einem umstürzenden Baum erschlagen. Vielerorts herrschte Verkehrschaos – so unter anderem im südlichen Oberbayern. Eine Polizeisprecherin schätzte dort die Zahl der Unfälle auf bis zu 100. In Oberfranken kam der Verkehr auf der Autobahn 72 zum Erliegen. Kilometerlange Staus bildeten sich am Donnerstagmorgen im Berufsverkehr.

Schneefall und Glätte führten dazu, dass hunderte Lastwagen- und Autofahrer in der Nacht zum Donnerstag wegen Schneefalls und Glätte auf der A 8 bis zum frühen Morgen festsaßen. Der Verkehr kam dadurch zwischen Ulm und der Albhochfläche auf einer Länge von 35 Kilometern zum Erliegen. Polizei, Rettungsdienst, das Technische Hilfswerk und die Autobahnmeisterei waren die ganze Nacht im Einsatz. In dem Stau, der sich erst am Donnerstagmorgen wieder auflöste, starb eine 54 Jahre alte Autofahrerin, die allein in ihrem Fahrzeug saß. Ob die Frau an Kälte oder wegen gesundheitlicher Probleme starb, stehe nicht eindeutig fest, sagte ein Polizeisprecher.

Auch in Sachsen hat der Schneefall vielerorts zu Verkehrsbehinderungen und Unfällen geführt. Bei einem Frontalzusammenstoß mit einem Kleintransporter wurde in der Nähe von Wermsdorf im Norden des Bundeslands eine 57-jähriger Autofahrer getötet. Ein weiterer Mann kam schwerverletzt ins Krankenhaus. In der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge machten vor allem umgestürzte Bäume und Schneeverwehungen Probleme. So wurde der Zugverkehr in Teilen Sachsens eingestellt.

Am Flughafen München wurden am Donnerstag ungefähr 50 Flüge wetterbedingt annulliert – allerdings liege das an den Witterungsverhältnissen an anderen Orten und nicht an den Schneeverhältnissen in München, sagte ein Sprecher. Im Berufsverkehr kam es in der Landeshauptstadt bei Bussen, Trambahnen und der S-Bahn zu Verspätungen und Ausfällen. Auch der Regionalverkehr war betroffen.

Städtische Friedhöfe wurden in München bis auf Weiteres für Besucher geschlossen. Die Schließung sei jedoch eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, falls Äste abbrechen und Bäume umstürzen sollten, so die Stadtverwaltung. Im sächsischen Chemnitz wurden sogar Bestattungen verschoben; dort finden bis Montag aus Sicherheitsgründen keine Beisetzungen auf städtischen Friedhöfen statt.

Kinder in Bayern dürfen sich am meisten über den Schnee freuen: In zahlreichen Landkreisen fiel der Unterricht aus. An vielen Schulen im südlichen Oberbayern und Schwaben soll es auch an diesem Freitag noch schneefrei geben. Die Lehrer müssen sich dennoch in der Schule aufhalten, so das Kultusministerium

Entwarnung gibt es noch nicht: In Österreich rechnen Meteorologen in den nächsten Tagen mit weiteren Schneemassen und einer Verschärfung der Lawinengefahr. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist bis mindestens Mitte nächster Woche im gesamten Alpenraum mit starkem Schneefall zu rechnen. dpa
© Südwest Presse 11.01.2019 07:46
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