Hier schreibt der Freundes- und Kameradenkreis Panzergrenadierbataillon 302

Soldatin - kein Beruf wie jeder andere

Soldatinnen in der Bundeswehr sollten heute eigentlich selbstverständlich sein, immerhin öffnete sich die Tür in eine bis dato reine Männerwelt - zumindest einen Spalt weit - bereits Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts; um genau zu sein: im Jahr 1975, also vor 37 Jahren. Zunächst konnten zwar nur weibliche Ärzte und Apotheker freiwillig der Bundeswehr als Sanitätsoffiziere beitreten, aber damit war der Anfang gemacht. Zu Beginn der neunziger Jahre waren Frauen bereits für alle Laufbahnen des Sanitätsdienstes und des Militärmusikdienstes (waffenloser Dienst) zugelassen. Die letzte Hürde fiel dann Anfang des neuen Jahrtausends, als eine junge Frau unter Berufung auf den Gleichheitsgrundsatz zwischen Männern und Frauen vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich klagte. Seit Januar 2001 können Frauen in allen Teilstreitkräften, in allen Laufbahnen und grundsätzlich bei allen Waffengattungen der Bundeswehr bewaffneten Wehrdienst leisten.

Mit Stand Januar 2012 betrug der Frauenanteil in der deutschen Armee bundesweit durchschnittlich 10 % und soll mittelfristig auf bis 15 % steigen. Am Standort Ellwangen beträgt er im Januar 2013 insgesamt ca. 7 %. Beim Kraftfahrausbildungszentrum ist der Anteil mit ca. 0,5 % sehr gering, beim Transportbataillon beträgt er immerhin ca. 5,5 % und bei den Sanitätseinrichtungen - was nicht verwundert - stattliche 38 %.

Es war also höchste Zeit, dass der Freundeskreis auch mal eine Soldatin zum Vortrag und Gespräch bat. Frau Oberleutnant Moemersheim, Kompanieeinsatzoffizier bei der 1./TrspBtl 465 und derzeit einziger weiblicher Offizier in ihrem Verband, war der Einladung des Vorsitzenden spontan gefolgt und wurde bei dieser Premierenveranstaltung von ihm und den anwesenden Mitgliedern sehr herzlich und mit Beifall im Haus 302 begrüßt.

Frau Moemersheim schilderte in ehrlicher und sehr offener Art, was sie veranlasste, die Offizierlaufbahn einzuschlagen, wie ihr bisheriger militärischer Werdegang verlief und welche Herausforderungen es dabei zu bewältigen gab und gibt. Der Anteil der weiblichen Kameraden war während ihrer bisherigen Dienstzeit äußerst verschieden. Während Oberleutnant Moemersheim in der AGA eine Frauenquote von 30% im Zug hatte und auch im Studium an der UniBw Hamburg eine von vielen Soldatinnen war, gab es auch Lehrgänge, bei denen sie die einzige Frau im Hörsaal war. Auch in ihrer ersten Truppenverwendung bei der 4./TrspBtl 465 war sie die einzige Soldatin. Inzwischen, so sagt sie, verliert der Unterschied zwischen Männern und Frauen immer mehr an Bedeutung, da aus Vorgesetzensicht das Geschlecht der unterstellten Soldaten kaum von Belang ist. Eine oder mehrere Offizierkameradinnen wären – so der Wunsch von Frau Moemersheim – trotzdem auch wünschenswert. Ein besonderes Augenmerk legt Oberleutnant Moemersheim auf ihren Umgang mit Kameraden. So kann es passieren, dass bei einem sehr innigen Umgang zwischen Soldat und Soldatin der Eindruck eines über Kameradschaft hinausgehendes Verhältnis entsteht. Mit ausreichend Selbstreflexion findet sich aber gut ein Mittelweg um solche Gerüchte gar nicht erst aufkommen zu lassen, so Oberleutnant Moemersheim.

Nachdem Frauen seit inzwischen mehr als 10 Jahren in allen Bereichen der Bundeswehr Dienst leisten können, gehören sie inzwischen fest in das Bild der deutschen Streitkräfte. „Zwar gibt es nach wie vor Männer, die gegen Frauen in der Bundeswehr sind, aber gerade im Umgang mit solchen Charakteren liegt auch eine der Herausforderungen, wenn man sich als Frau für einen „Männerberuf“ entscheidet.“

Die meisten älteren Kameraden beim Freundeskreis akzeptieren mittlerweile, dass Frauen in der Bundeswehr dienen, verneinen dies aber aufgrund des männlichen Beschützerinstiktes für einen Einsatz bei den Kampftruppen und würden das dort eher als hinderlich ansehen. Der Vorsitzende meinte hingegen, dass mittlerweile durchaus Soldatinnen als Fahrerin oder Richtschützin denkbar sind und verwies diesbezüglich auf das Österreichische Bundesheer.

Zur Erinnerung an ihren Besuch beim Freundeskreis überreichte Vorsitzender Jovanović Frau Moemersheim ein Bild und wünschte ihr für ihre weitere militärische Laufbahn alles Gute.

© Freundes- und Kameradenkreis Panzergrenadierbataillon 302 04.02.2013 19:19
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