Folk-Fee der Friedvollen wird 80

Joan Baez hat ihren Idealismus nicht verloren – und macht sich trotzdem keine Illusionen über die Menschheit.
  • Die US-Folksängerin Joan Baez 2017 in New York. Foto: Charles Sykes/Invision/AP/dpa
Joan Baez sang mit glockenheller Sopranstimme gegen den Vietnamkrieg an, sie protestierte mit ihrer Akustikgitarre gegen die Unterdrückung von Afroamerikanern. Im Kampf gegen die Todesstrafe setzte sie sich für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ein. Es ist wohl keine Übertreibung, wenn man diese Sängerin auf der gerechten Seite der jüngeren Geschichte einordnet.

An diesem Samstag wird Baez 80 Jahre alt – und hat nichts von ihrem Idealismus verloren, sich aber auch einen gewissen Pessimismus erhalten. „Als ich damals mit meinen Ideen auf die Straße ging, hatte ich schon ein ziemlich genaues Bild von der menschlichen Natur“, sagte sie 2018 im Deutschlandfunk. „Das menschliche Verhalten ist schlecht.“

„Damals“, das ist sechs Jahrzehnte her. Baez, am 9. Januar 1941 bei New York als Tochter eines Vaters mit mexikanischen Wurzeln und einer Schottin geboren, nahm in der florierenden Folk-Szene eine Pionierrolle ein. In kurzer Zeit wurde sie zum „vermutlich berühmtesten weiblichen Folksänger der Welt“, wie das Internetlexikon Allmusic schreibt.

Schon ihre drei ersten Alben wurden Hits. Plötzlich war Baez das Gesicht der US-Folkmusik – und Aushängeschild der linken und liberalen Bewegungen jener Zeit, mit einem Höhepunkt am 28. August 1963: Auf dem „Civil Rights March“ der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King sang Joan Baez „We Shall Overcome“, bis heute eines der bedeutendsten Protestlieder.

Eine wichtige Begegnung hatte schon zwei Jahre zuvor stattgefunden: Baez lernte 1961 den damals noch unbekannten Bob Dylan kennen, den sie in ihren Konzerten einem größeren Publikum vorstellte. Die beiden Musiker wurden für einige Jahre auch privat ein Paar.

In den 80ern und 90ern brachte Baez regelmäßig Platten heraus und legte auch jenseits der 60 noch beeindruckende Alterswerke vor. Ihren 75. Geburtstag feierten 2016 unter anderem Paul Simon, Jackson Browne und Emmylou Harris mit, im Jahr darauf wurde sie in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen.

Werner Herpell
© Südwest Presse 09.01.2021 07:45
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