Mit Licht schreiben und zeichnen

Göppinger Kunsthalle zeigt Arbeiten aus dem Nachlass des in der Stadt geborenen Künstlers Klaus Heider.
  • Klaus Heiders „Dunkle Energie“ von 2009 auf Schloß Filseck. Foto: Gerda Meier-Grolman
Obwohl er rund um seine Geburtsstadt Göppingen bis zuletzt richtig gut geerdet war, hat der Künstler Klaus Heider (1936-2013) schon in seinen Studienjahren – sicher da schon unter dem speziellen Einfluss des Stuttgarter Philosophen Max Bense – beschlossen, das Terrain der Kunst experimentell umzupflügen, es zu entgrenzen und bis in den kosmischen Raum voranzutreiben.

Aus seinem Nachlass hat jetzt die Göppinger Kunsthalle für die Obere Galerie auf Schloss Filseck eine kleine, aber feine Ausstellung seiner Arbeiten präpariert, die belegt, wie er seine Ausflüge in die Weiten des Universums angegangen ist. Die Begeisterung für ins All hinein wachsende Raumkonzepte und anders geartete Flächendimensionen beginnt spätestens bei Heiders Flirt mit dem Spanier Antoni Tàpies und auch bei seiner Auseinandersetzung mit der aus den USA nach Europa herübergeschwappten Pop Art.

Da lässt er Fußgänger in den Himmel marschieren, seine Flaniermeilen schießen reihenweise über den Bildrand hinaus, Festkörper geraten plötzlich ins Schweben. Später baut er eigenhändig im Garten der Villa Romana in Florenz eine gläserne Treppe, die sein Streben nach künstlerischer Überhöhung irdischer Verhältnisse dokumentiert.

Klaus Heider ritzt seine heiß geliebten „Körperprojektionen“ auch mal in den Sand der französischen Atlantikküste, auf Sizilien entdeckt er am Strand den „Schatten der Unendlichkeit“ und via Fotografie und Neon-Installation macht er deutlich, wie man sogar mit dem Licht wunderbar zeichnen und schreiben kann. Die Kuppel des Pantheon in Rom mit der in den Raum schießenden Lichtfülle hatte ihn derart fasziniert, dass er ihm eine ganze Werkreihe gewidmet hat. Und hier auf Schloss Filseck merken wir, dass Klaus Heider den Kunsthorizont des Betrachters tatsächlich um ein gutes Stück erweitert. Burkhard Meier-Grolman

Info : „Klaus Heider – Imagination und Intuition“ bis 8. November in der Oberen Galerie auf Schloss Filseck; Öffnungszeiten: Mi-So 13-17 Uhr; www.schloss-filseck.de.
© Südwest Presse 14.10.2020 07:45
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