Madeira – Die vielen Gesichter Funchals

Die Hauptstadt der portugiesischen Insel bietet viel Sehenswertes.
  • Mit dem Korbschlitten ins Tal Foto: Ekaterina Pokrovsky/AdobeStock

Die Insel Madeira liegt näher an Afrika als an Europa. Das subtropische Klima mag neben der artenreichen Flora und Fauna und der gastfreundlichen Bevölkerung ein Hauptgrund sein, der Madeira zu einem beliebten Urlaubsziel macht.

Funchal, die Hauptstadt des Archipels, das vulkanischen Ursprungs ist, allein hat schon vieles zu bieten. Jede Sehenswürdigkeit für sich genommen würde den Besuch des Ortes mit 111 000 Einwohnern (Stand 2011) rechtfertigen.

Das Photographie-Museum in der Rua Petras stellt eine umfangreiche Sammlung von optischen Geräten aus. Für Ältere ist der Besuch wie ein Streifzug durch die Vergangenheit, aber auch Jüngere können hier die technischen Ausstattungen im Lauf der vergangenen Zeiten bewundern. Das Museum entstand nicht ohne Grund auf der Insel: In Funchal entstand 1856 Portugals erstes Fotostudio.

Der tropische Garten

An tollen Motiven mangelt es den mit mittlerweile sehr modernen Kameras ausgestatteten Besuchern nicht. So warten im tropischen Garten Monte Palace auf 70 000 qm nicht nur interessante Pflanzen, sondern auch Kunstobjekte, Mineralien und Kachelbilder darauf, entdeckt zu werden. In einer Voliere vertreiben sich Wellensittiche munter die Zeit, und im Orientalischen Garten mit Koi-Teich entführen asiatischen Figuren und Bauwerke den Besucher in noch exotischere Welten. Zum Jardim Tropical gelangt man komfortabel mit dem Bus. Außergewöhnlicher ist die Anreise von Funchal-City in die Berge zum Ort Monte. Per im Jahr 2000 eingeweihter Luftseilbahn geht es auf 3,2 Kilometern satte 560 Höhenmeter nach oben. Unterwegs kann man den wunderbaren Ausblick auf die Bucht von Funchal genießen. Auf Madeira sind insgesamt fünf Seilbahnen in Betrieb. Eine davon verbindet auch den Botanischen Garten Jardim Botanico mit Monte. Die malerische Strecke verläuft über das Tal Vale da Ribeira de João Gomes.

Auf den Knien zur Kirche

Doch zurück zum Örtchen Monte: Einen Abstecher wert ist die 1741 erbaute Wallfahrtskirche „Nossa Senhora do Monte“, deren Hochaltar ein Bild der Heiligen Jungfrau birgt. Alljährlich findet hier zu Ehren der Heiligen Jungfrau am 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt, eine Wallfahrt zu dieser Kirche statt. Die Gläubigen legen dabei die 68 Stufen der Freitreppe zur Kirche auf den Knien zurück. In einem Seitenflügel befindet sich zudem der Sarg des letzten österreichischen Kaisers Karl I. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde Madeira für ihn 1921 zum unfreiwilligen Exil. Dort lebte er in einem Haus oberhalb der Kirche bis zu seinem Tode 1922.

Am Fuße der Treppe zur Kirche Nossa Senhora do Monte warten die traditionell in weißer Leinenkleidung und Strohhut bekleideten Männer darauf, Passagiere mit zweisitzigen Korbschlitten ins Tal zu fahren. Die „Carros des Cesto“ waren das erste öffentliche Verkehrsmittel auf der Insel. Mit hoher Geschwindigkeit lenken die Fahrer die Schlitten durch die engen, kurvigen Straßen. Die Gummisohlen ihrer Stiefel dienen dabei als Bremsen. Auf der über zwei Kilometer langen Strecke können Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometer erzielt werden.

Anschließend kann sich der Besucher in eines der fast 1 000 Restaurants setzen. Madeira war einst ein wichtiger Umschlagplatz für Zucker und Wein. Der Geschmack ist bis heute geblieben. Dank der vulkanischen Böden ist die Insel äußerst fruchtbar und die Lage am Meer sorgt immer für frischen Nachschub an Fisch. So finden sich auf den Speisekarten das schwarze Degenfischfilet, Thunfischsteak und der eingelegte Escabeche-Thunfisch sowie Wolfsbarsch. Dazu ein leckerer Madeira-Wein im Freien. Das Klima auf der Insel erlaubt es, bis in den späten Abend die frische Luft zu genießen.

Wer mehr von den lokalen Leckereien kosten möchte, der macht einen Abstecher in die Markthalle „Mercado dos lavradores“. Dort wird auf zwei Stockwerken fast alles angeboten, das Madeira kulinarisch zu bieten hat. Unten verkaufen die lokalen Bauern ihre Früchte, oben werden exotische Früchte feilgeboten. Schmecken, staunen, sehen und riechen ist das Motto, das jeden Anwesenden in seinen Bann zieht. Man probiert die Frucht der Monstera-Pflanze, die aussieht wie ein grüner Kolben Mais und schmeckt wie eine Mischung aus Ananas und Banane. Beachten sollte man allerdings, dass schon das Probieren schnell teuer werden kann. Im hinteren Teil der Halle verkaufen die Fischer ihren Fang der vergangenen Nacht. Auf der Dachterrasse befindet sich ein Café. Hier lässt sich bei einer Tasse Kaffee herrlich entspannen.

Langsame Entwicklung zum Touristenort

Madeira wurde in früheren Zeiten von Kreuzfahrtschiffen angesteuert. Während die Besucher auf der Insel Ausflüge machten, wurde im Hafen Kohle für die Maschinen geladen. Der nach Madeira eingewanderte Schotte William Reid eröffnete im Jahre 1894 in der Bucht von Funchal das erste Luxushotel für vermögende Gäste, das nach und nach immer mehr Prominente nach Funchal lockte. Heute gehört das Fünf-Sterne-Haus „Reid’s Palace“ zu den Leading Hotels of the World. George Bernard Shaw kam zum Tanzen, Winston Churchill zum Malen auf die Insel.
Mit der Eröffnung des Flughafens im Jahr 1963 kam der Tourismus in Schwung. Die meisten Besucher kommen aus Deutschland, Skandinavien und Großbritannien. Mittlerweile legen auch Passagierschiffe wieder an. Funchal ist ein bevorzugter Hafen für Atlantikkreuzfahrten. Auch in den ländlichen Gebieten nimmt der Tourismus zu. Outdoor-Aktivitäten wie Lavawanderungen, Surfen und Hochseefischen ziehen die Menschen an. Doch die meisten suchen hier Ruhe und Frieden, den sie auch finden. Michael J. Scheidle

© Schwäbische Post 07.02.2020 15:28
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