Nuuk – Stadt in den Felsen gehauen

Grönlands Hauptstadt fasziniert mit rauer Natur und kulturellen Highlights.

Viel wissen wir über Grönland nicht. Dunkel, Eis und Schnee, bitterkalt und Eisbären sind die ersten Gedanken. Doch im Sommer ist 100 Kilometer vom Polarkreis entfernt die Sonne herrlich hell. Selten sieht der Europäer einen solchen blauen Himmel wie in Nuuk.

Nuuk ist die Hauptstadt von Grönland, das eigentlich zu Dänemark gehört, aber doch irgendwie autonom ist. Ein Staat im Staat sozusagen. Grönland ist beispielsweise nicht in der Europäischen Union, nach einem Streit über die Fischerei in dem Gewässer vor der Insel, traten die Grönländer aus. Jedoch ist der dänische König das Staatsoberhaupt und auch in außen- und verteidigungspolitischen Fragen wird Grönland von Dänemark vertreten. In Nuuk leben 18 000 Menschen hauptsächlich vom Fischfang, Verwaltung und inzwischen auch Tourismus. Die gewollte Landflucht in Grönland bringt Nuuk jährlich mehr Einwohner als auf der gesamten Insel dazukommen.

Straßen nur in der Stadt

Bereits beim Landeanflug fällt der felsige Untergrund auf, darauf viel Wasser - das größte „Fjord-System der Welt“ liegt schließlich bei Nuuk. Aber Lust auf Wandern bekommt man nicht, zu felsig und zu bergig. Die Stadt ist weit auseinandergezogen. Vom Hafen bis in den neusten Stadtteil Qinngorput sind es fast acht Kilometer.

Daher ist der Verkehr in der Stadt, gemessen an der Einwohnerzahl, hier relativ stark. Es gibt in Nuuk auch drei Buslinien, die ebenfalls stark frequentiert sind. Der Autoverkehr muss sich auf die Stadt konzentrieren, da es keine Straßen zwischen den Orten in Grönland gibt. Alle weiteren Wege werden mit dem Flugzeug, Hubschrauber oder im Winter mit dem Schneemobil querfeldein absolviert. Die Stadt ist auch auf den nackten Felsen gebaut. Selbst ein Kinderspielplatz hat einige Geräte, die einfach in den blanken Stein gerammt wurden.

Die Häuser wirken wie zusammengewürfelt. Betonhochhäuser, Plattenbauten, Holzhäuser kreuz und quer durcheinander. Alles ist dadurch schön bunt hier. Doch gibt es auch sehr moderne Bauten. Beispielsweise das Kulturzentrum „Katuag“. Der Komplex wird für Kulturveranstaltungen, Konferenzen und als Kino genutzt. Gebaut wurde er 1997 durch die dänischen Architekten Schmidt, Hammer & Lassen. Der Grundriss erinnert an ein rechtwinkliges Dreieck, das wellenartig geschwungen ist und an die Polarlichter erinnern soll. Ausgerüstet ist das Kulturzentrum mit zwei Sälen und einem netten Café. Das Café ist auf zwei Ebenen gebaut und der Kaffee dort ist lecker.

Das einzige Einkaufszentrum

Direkt hinter dem „Katuag“ befindet sich das Nuuk Center, Grönlands einziges Einkaufszentrum. Verglichen mit einem Einkaufszentrum ist dieses überschaubar. Große Markennamen über den Türen sucht man vergeblich. Die Namen der Läden wirken befremdlich. Ein Supermarkt heißt „pissifikk“, aber hier gibt es Bier, wobei Alkoholismus ein großes Problem in Grönland darstellt. Egal ob für das Baby oder Bekleidung für Frauen und Männer, Schuhe und ein Optiker finden sich hier.

Ein weiterer Hingucker ist das Gebäude der Universität von Grönland. Diese wurde 1987 eröffnet. Zuerst hatte sie ihren Sitz in der alten Herrnhuter Mission von 1738. Im Jahre 2009 zog die Universität dann auf den Campus „Ilimmarfik“ in der Nähe von Nuuk. Da es an Wissenschaftlern mit grönländischen Sprachkenntnissen fehlt, werden die Dozenten gerne von der grönländischen und auch dänischen Wirtschaft angestellt.

Die Mumien von Qilakitsoq

Einen Besuch ist auch das, in der Nähe des Kolonialhafens gelegene, Nationalmuseum wert. Es wurde 1966 als erstes Museum in Grönland gegründet. Es deckt die Geschichte des Landes seit der Besiedelung vor 4500 Jahren ab. Hier sind auch die Mumien von Qilakitsoq zu sehen. In der verlassenen Siedlung wurden acht mumifizierte Leichen gefunden. Die 500 Jahre alten Inuit-Mumien geben interessante Einblicke in das Leben aus dieser Zeit.

Hier am Kolonialhafen befindet sich auch die Granitskulptur der „Mütter der Meere“. Diese Granitskulptur von der grönländischen Künstlerin Aka Høegh, bezieht sich auf die Inuit-Sage der Sedna, die noch heute auf dem Meeresgrund sitzen soll. Deshalb wurde die Skulptur so platziert, dass sie nur bei Ebbe zu sehen ist, bei Flut ist sie völlig vom Wasser bedeckt.

Nuuk ist eine wunderbare Stadt, die in den Felsen gehauen wurde. Der Name bedeutet „Kap“, auf Dänisch heißt die Stadt „Godthåb“ – Gute Hoffnung. Bei herrlichem Sommerwetter kann man verstehen, warum. Michael J. Scheidle

© Schwäbische Post 06.03.2020 15:33
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