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Wenn ein Museum die Zukunft zeigt

Das Futurium in Berlin präsentiert eine ganz besondere Ausstellung. Der Eintritt ist bis auf weiteres frei.
  • Sieht schon nach Zukunft aus: Futurium-Bau neben dem Bundesministerium für Forschung und Bildung.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

In den Monaten kurz vor der Corona-Pandemie ließ sich der Andrang im neuen Museum Futurium in Berlin gut mitverfolgen. An den Wochenenden bildeten sich lange Schlangen vor dem scheinbar schwebenden Metallkoloss, der seinen Platz in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und zum Bundeskanzleramt hat.

Das Thema der Dauerausstellung traf offenbar einen Nerv: «Wie wollen wir leben?»

Doch was genau können Touristen in Berlins neuestem Museum lernen, dessen Eintritt noch bis mindestens 2022 kostenlos ist? Und gibt es dort auch etwas über die Zukunft der Hauptstadt zu erfahren?

Eröffnet wurde das Haus erst vor einem knappen Jahr im September 2019. Ganz am Anfang war es als Showroom der deutschen Wirtschaft gedacht. Gesellschafter sind neben dem Bund mit rund 80 Prozent mehrere große Forschungseinrichtungen und Industriekonzerne wie BASF und Siemens. Doch das mehrfach überarbeitete Konzept geht am Ende deutlich darüber aus: Das Museum will laut seinem Katalog Verständnis schaffen für die wichtigen Fragen der Zukunft, Diskurs ermöglichen und zum Handeln ermutigen.

Wenn Bäume auf Häusern wachsen

Die Ausstellung ist in die drei großen Bereiche Natur, Mensch und Technik unterteilt. Im Bereich Natur geht es zum Beispiel um die Frage, wie Natur in Städten erhalten werden kann. Nicht nur in Berlin ist aufgrund des starken Zuzugs zu beobachten, dass viele freie Brachen für Wohnraum zubetoniert werden. Das Verschwinden der Natur hat Folgen für das Wohlbefinden des Menschen und die Artenvielfalt.

In der Ausstellung ist zum Beispiel das Projekt GraviPlant zu sehen – ein rotierendes Pflanzenversorgungssystem, das es ermöglicht, Bäume auf Häuserfassaden zu pflanzen, wenn auf dem Boden nicht genug Grünfläche vorhanden ist. Die Bepflanzung würde auch verhindern, dass Gebäude sich im Sommer übermäßig stark aufheizen.

Dingen und Theorien, die sich wissenschaftlich nicht belegen lassen, räumen wir hier keinen Spielraum ein.

Stefan Brandt
Museums-Direktor
des Futurium in Berlin

Immer wieder geht es in der Ausstellung um Berlin und seine Zukunft: Wie lässt sich Verkehr anders organisieren? Wie stellt man sich die partizipative Stadt vor? Welche nachhaltigen Baumaterialien gibt es? All das gibt Anreize, über das Berlin und den Städtebau von morgen nachzudenken.

Gedankenexperimente auf Basis der Wissenschaft

Die Ausstellung präsentiert bei wichtigen Fragen Handlungsoptionen – sie gibt aber keine vor. „Wir sagen nirgendwo, wohin die Reise geht“, sagt der Direktor des Futuriums, Stefan Brandt. „Wir sagen nur, was es für Straßen gibt, die man beschreiten kann. Weder wissen wir genau, wo diese Straßen enden, noch können wir heute schon sagen, welche Hürden und Hindernisse sich auf diesen Straßen finden werden.“

Für eines hat das Museum jedoch keinen Platz: „Verschwörungstheorien, Aberglaube, Dinge, die sich wissenschaftlich nicht belegen lassen – solchen Theorien räumen wir keinen Spielraum ein“, sagt Brandt.

Ein mobiles Futurium

Für die Zukunft des Zukunftsmuseums gibt es bereits einige Pläne: Die Dauerausstellung soll bis zum Jahr 2021 um das Thema Mobilität ergänzt und auch danach fortlaufend aktualisiert werden, langfristig sind außerdem Wechselausstellungen geplant. Zudem soll es ein mobiles Futurium geben, das aus Berlin hinaus in die Fläche geht. Ob der Eintritt über 2022 hinaus kostenlos bleibt, steht noch nicht fest. In allzu ferne Zukunft verschieben interessierte Touristen den Besuch also besser nicht. dpa

© Schwäbische Post 14.08.2020 16:35
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