Die „weiße Stadt“ ist ganz schön bunt geworden

Belgrad Hier ist es günstig. Deshalb kommen viele junge Leute.
  • In der serbischen Hauptstadt Belgrad herrscht eine sehr relaxte Atmosphäre. Foto: Robert B. Fishman

Auf dem zentralen Platz der Republik, dem Zentrum von Belgrad, ist gerade in den Cafés und Restaurants das gezapfte Bier ausgegangen, Fußballfans haben ihre Vorfreude auf ein wichtiges Match ausgiebig gefeiert, während von einer Häuserwand überlebensgroß Tennisstar Novak Dokovic das Treiben zu beobachten scheint.

Die anderthalb Millionen Einwohner zählende Stadt am Zusammenfluss von Donau und Sava vermittelt den Eindruck einer lebendigen Metropole mit mehr als 50 Parkanlagen, die zum Entspannen einladen. In der Hauptfußgängerzone Knez Mihailova, von eleganten Jugendstil-Fassaden ebenso flankiert wie von sozialistischer Einheitsarchitektur, herrscht eine relaxte Atmosphäre.

Serbisch ist Landessprache

„Die Leute sind offen, freundlich und nett“, weiß Simonida Popov-Dihovicni zu berichten, die schon seit vielen Jahren Besucher durch ihre „weiße Stadt“ führt, wie Belgrad übersetzt heißt. Serbisch (kroatisch) sei die offizielle Landessprache, sagt Simonida, aber im Alltag werde auch die lateinische Schrift benutzt. Von der Knez Mihailova ist es nicht weit zum Dom der Heiligen Sava, einem der größten im neobyzantinischen Stil erbauten orthodoxen Gotteshäuser weltweit, das bis zu 10 000 Menschen Platz bietet.

Ebenso spektakulär: die Festungsanlage Kalemegdan, die sich auf einer Anhöhe befindet. Wegen ihrer für ganz Südosteuropa wichtigen strategischen Lage war sie jahrhundertelang immer wieder hart umkämpft – das von den Kelten gegründete Belgrad wurde im Lauf seiner Geschichte 40-mal komplett zerstört. Heute ist die Anlage ein großflächiger Freizeitpark, wo Weidenbäume ihren betörenden Duft über die gepflegten Spazierwege versprühen und wo ein Militärmuseum über die einstigen, historische Zusammenhänge aufklärt.

Dass besonders im Sommer Autos mit deutschen Kennzeichen auf Belgrads Straßen zu entdecken sind, hat weniger mit deutschen Touristen zu tun. Es sind vielmehr serbische Gastarbeiter, die ihre Verwandte besuchen oder ihren Urlaub in der Heimat verbringen.

Ein „Prost“ auf Belgrad

„Welchen Obstbrand soll ich Ihnen bringen?“, fragt der Kellner eines Open-Air-Cafés am Ufer der Sava. „Den Rakija von der Himbeere oder den von der Pflaume?“ Letzteren kennt man bei uns als Sliwowitz. Na dann iveli – ein Prost auf Belgrad! Andreas Jacobsen

© Schwäbische Post 23.02.2018 12:36
876 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.