Fußball-Golf, Kamele und ganz viel Familienspaß

Schwarzwald Mit viel Herzblut hat ein Ehepaar einen neuen Freizeitpark errichtet.
  • Foto: Freizeitpark

Bravo!“, ruft der Großvater vergnügt und gönnt sich einen Schluck aus dem Bierglas – alkoholfrei natürlich, denn nachdem der Enkel gekonnt eingelocht hat, ist jetzt seine Treffsicherheit gefragt. Er legt sich den Fußball zurecht, holt mit dem Fuß aus und bugsiert das runde Leder mit der Innenkante sanft über den Rasen ins Erdloch.

Fußball? Loch? Sie haben schon richtig gelesen! Was Klein und Groß, was Jung und Alt hier mit viel Gaudi spielen, nennt sich Fußballgolf, kurz Fugo. Die Ballsportart, die Elemente von Fußball und Golf miteinander kombiniert, wurde in Schweden erfunden. Auf deutschem Boden wurde die erste Anlage im Juli 2006 in Dirmstein in Rheinland-Pfalz eröffnet. Dort hat auch Bernd Sennert das erste Mal Fugo gespielt. „Das hat so viel Spaß gemacht. Da hab’ ich mir gedacht, so was müsste man hier bei uns im Ländle haben“, erzählt der 50-Jährige, der damals noch Geschäftsführer eines mittelständischen Industriebetriebs in Karlsruhe war. Doch die Suche nach einem geeigneten Grundstück sei schwierig gewesen. So gingen Jahre ins Land, bevor sich Bernd Sennert seinen Traum verwirklichen konnte.

Heute laden auf dem Fußballgolf-Platz 18 Bahnen, gespickt mit Hindernissen verschiedenster Art, dazu ein, die Geschicklichkeit im Einlochen und Fußball gleichermaßen zu üben. So muss der Ball durch Reifen, über Hügel oder Baumstämme geschossen oder um knifflige Kurven herum manövriert werden. Spielregeln und Vokabular gleichen denen des klassischen Golf-Spiels – nur dass eben mit einem Fußball statt mit einem Golfball gespielt wird. Und anstelle eines Schlägers benutzt man den eigenen Fuß.

Abgebrannter Kamelhof

Das passende Gelände fanden Sennert und seine Frau Simone letztlich am Rande des Schwarzwalds in der Gemeinde Rotfelden bei Nagold, wo Ende Januar 2013 ein verheerendes Feuer eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region in Schutt und Asche gelegt hatte: den Kamelhof. Zum Entsetzen aller Kamelhof-Fans und der Einwohner des Dorfes kamen dabei fast alle der rund 100 Dromedare, Trampeltiere und Lamas ums Leben. „Es war uns ein Herzensanliegen, die überlebenden Tiere in unser Konzept zu integrieren“, sagt Simone Sennert (46). Und tatsächlich: Im Herzen des Freizeitparks dösen nun neun Trampeltiere in den Sandkuhlen des weitläufigen Geheges unter den Strahlen der Mittagssonne. Nesthäkchen ist Kamelhengst Pino, der diesen Februar das Licht der Welt erblickte. „Wir wollen auf zehn bis maximal 15 Tiere aufstocken“, erzählt Simone Sennert.

Alles für jedes Wetter

Die Kamele sind jedoch nicht die einzigen Tiere im Freizeitpark Rotfelden: Hühner, Gänse, Meerschweinchen, Kaninchen, Ziegen, Schafe, Lamas und Alpakas tummeln sich hier. Die Sennerts, die selbst Eltern von vier Kindern sind, wissen ganz offensichtlich, was die Herzen kleiner Tierfreunde höherschlagen lässt! Im Streichelzoo können die Ziegen und Schafe geherzt, gestreichelt und gestriegelt werden. Im Haupthaus der Anlage gibt es außerdem eine Spielscheune mit einem Bällebad, einer Rutsche, Bauklötzen und Puppenhäusern für die kleinen Gäste sowie Tischtennis und Tischkicker für die größeren. „Hier könnten die Kinder auch bei schlechtem Wetter toben, spielen, sich verstecken oder einfach nur chillen“, erklärt Bernd Sennert. Zum Outdoor-Spielgelände gehört ein großer Kinderspielplatz mit einer Matschanlage, einem Barfußpfad, einer Boulebahn, Hufeisenwerfen und einem Kletterparcours – zum Balancieren, Schaukeln, Hangeln, Wippen und Springen. „Ganz nah an der Natur sollte alles sein“, betont Bernd Sennert. Deshalb seien in der gesamten Anlage – wo immer das möglich war – Naturmaterialien wie Naturstein, Sand und natürlich jede Menge Holz verbaut worden.

Natürliches statt Fertiges

„Wir wollen, dass die Kinder sich bei uns mit natürlichen Dingen anstatt mit vorgefertigtem Spielmaterial beschäftigen können“, sagt der Freizeitpark-Chef. „Denn nur so lernen sie auf spielerische Art, mit der Natur umzugehen und sie wertzuschätzen.“ Und das sei ihm sehr wichtig. „Denn nur das, was man kennt, liebt und schützt man.“

„Und wir wollten mit unserem Freizeitpark ein Angebot schaffen, das für alle etwas bietet – von den Kleinsten bis zu den Großen, von Jung bis Alt, für aktive und für Erholung suchende Gäste“, fügt seine Frau hinzu. Insgesamt ist tatsächlich so viel geboten, dass man gut einen ganzen Ausflugstag im Freizeitpark Rotfelden verbringen kann, ohne dass Langeweile aufkommt.

Wem ein Tag nicht genug ist, der kann sogar über Nacht bleiben – in einem der Gruppen- und Familienzimmer in der Übernachtungshütte, im Heuhotel oder in einem der Familienzimmer im Haupthaus.

Was Familien glücklich macht

Unterdessen haben Opa und Enkel auf dem Fugo-Rasen zu spüren bekommen, dass diese etwas andere Art des Golfspiels nicht nur durstig, sondern auch mächtig hungrig macht. Für den kleinen Appetit gibt es direkt in der Fußballgolf-Anlage einen Imbiss mit einem kleinen Biergarten. Die Gaststätte Zur Eule mit Terrasse und Außengrill am Haupthaus des Freizeitparks rundet das Angebot gastronomisch ab. Die Sitzplätze der Gastwirtschaft liegen so, dass die Eltern oder Großeltern den Spielplatz im Auge haben, und auch die Spielscheune ist nur einen Steinwurf entfernt. Auch diese Weitsicht zeigt, dass die Sennerts wissen, was Familien glücklich macht. Christiane Neubauer

© Schwäbische Post 09.08.2019 15:56
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