Heimatliebe auf Bierflaschen und Grabsteinen

Nordsee Auf den Friedhöfen der Insel Föhr sind viele alte „sprechende Grabsteine“ zu finden.

Lange geheim halten konnte Volker Martens sein Hobby nicht. Als der gelernte Tischler damit anfing, Bier zu brauen, sprach sich das auf Föhr rasch herum. Nur 82 Quadratkilometer groß ist die Insel vor Schleswig-Holsteins Westküste – und im Winter, wenn der pfeifende Wind von der Nordsee die Menschen näher zusammenrücken lässt, verbreiten sich Neuigkeiten wie ein Lauffeuer.

„Zunächst wollten Freunde mein Bier testen, dann kamen Anfragen von Gastronomen und Hofläden“, erzählt Martens. Anfang 2019 ging sein „Biar Brauhüs“ an den Start. „Regionalität und lokale Produkte werden den Menschen immer wichtiger, Einheimischen und Touristen“, sagt er.

Seine Heimatverbundenheit drückt Martens schon auf dem Etikett aus. „Hünjmots“ soll sein Bier heißen, friesisch für Pilz. Ein Bild zeigt den Strand im Südwesten Föhrs: die Wellen der Nordsee, den Himmel, an dem sich Wolken zusammenbrauen, Dünengras im Wind.

Südlich von Süderende, im Schatten der backsteinernen St. Laurentii-Kirche, stehen „sprechende Grabsteine“, wie Markus Thiessen sie nennt. „Schon vor Jahrhunderten war es üblich, in Inschriften und symbolischen Motiven etwas über den Verstorbenen zu erzählen“, sagt der Steinmetz, der an diese Tradition anknüpft. „Wer etwas von sich hielt, gab schon zu Lebzeiten Grabsteine in Auftrag, die prächtigsten hatten den Gegenwert eines ganzen Hauses.“ Auch neue symbolträchtige Grabsteine schmücken deshalb nun die alten Friedhöfe. dpa

© Schwäbische Post 19.07.2019 16:30
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