Leuchtendes Kraut für die Seele

Heilkräuter Johanniskraut kann Licht ins Gemüt bringen, und es hilft bei der Wundheilung. Sogar Tod und Teufel sollen vor der Pflanze die Flucht ergreifen.
  • Seine größte Wirkung soll das Johanniskraut am 24. Juni, dem Johannistag, haben. Aus den frischen Blüten und Knospen der Pflanzen lässt sich ein heilsames Kräuteröl herstellen.
    Fotos: Helga Schneller, Pixabay

Es gehört untrennbar zum Johannistag: das Johanniskraut. Denn am Namenstag des Hl. Johannes, dem 24. Juni, soll das Heilkraut seine größte Kraft entfalten. Der Legende nach ist das Johanniskraut sogar aus dem Blut des enthaupteten Täufers entsprungen. Eine in abergläubischen früheren Zeiten durchaus naheliegende Vorstellung, denn in der Pflanze selbst fließt ebenfalls „Blut“. Es handelt sich dabei allerdings um den rötlichen Pflanzensaft, den Knospen und Blüten beim Zerreiben freigeben. Das Gewächs mit den leuchtend gelben Blüten zählt zu den machtvollsten Heilpflanzen unserer Natur. Seit Jahrhunderten ist die Verwendung des „Sonnwendkrauts“ zum Vertreiben der Melancholie, aber auch als ein Mittel zur Wundbehandlung überliefert.

Die Kombination seiner Inhaltsstoffe aus ätherischen Ölen, Flavonoiden, Gerbstoffen und dem rotfärbenden Inhaltsstoff Hypericin macht das Johanniskraut wertvoll für die innere und äußere Anwendung.

Hilfe bei Depressionen

Johanniskraut saugt die Sommersonne förmlich auf und bringt als Heilpflanze Licht in umwölkte Gemüter. Zahlreiche Studien haben bestätigt, dass Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilft. Als Tropfen, Kapseln oder Tee gehören Johanniskraut-Präparate inzwischen zu den meistverkauften Mitteln bei der Selbstbehandlung anhaltend trauriger Stimmung.

Hellhäutige Menschen sollten bei sehr langem Gebrauch oder hoher Dosierung allerdings vorsichtig sein. Denn während der Behandlung kann die Haut lichtempfindlicher reagieren, die Sonnenbrandgefahr wächst. Äußerlich heilt die Pflanze in Form des sogenannten Rotöls. Dieses rubinfarbene Öl, ein Auszug aus den frischen Blüten, wirkt wundheilend und entzündungshemmend. Einreibungen mit Rotöl sollen Hexenschuss, Rheuma, Nervenschmerzen, Hautverletzungen, Prellungen und Verbrennungen lindern sowie den Heilungsprozess fördern.

Sinnbild der Sonne

Die leuchtend gelben Blüten des Johanniskrauts gelten als Sinnbild der Sonne, und so wundert es nicht, dass dem „Johannisblut“ in dunkleren Zeitaltern auch starke mystische Kräfte nachgesagt wurden. Als Amulett getragen oder in Form blühender Kränze in die Fenster gehängt, sollte es sogar vor Verzauberung, Tod und Teufel schützen – so der einstige Glaube. .

Von Juni bis September steht das leuchtend gelbe, ausdauernde Kraut in voller Blüte an sonnigen Weg- und Wiesenrändern und auf trockenen Brachflächen. An seinen verzweigten, oftmals gut ein Meter hohen Trieben entfaltet es ständig neue Knospen, während die geöffneten Blüten mit den langen Staubgefäßen rasch vergehen.

Austrieb ab Ende März

Im Herbst sterben die oberirdischen Teile ab. Ende März treibt das Johanniskraut frisches Grün. Als Heilpflanze wirksam gilt nur die Johanniskraut-Art Hypericum perforatum, auch als Echtes Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu bezeichnet.

Manchmal siedelt sich Johanniskraut aus der freien Natur ganz von allein im Garten an. Ist der Platz vollsonnig ist das perfekt. Zwar gedeiht das Kraut auch noch im Halbschatten, aber die Konzentration der heilsamen Inhaltsstoffe ist in solchen Pflanzen niedriger. Zum Ernten der Blüten wartet man idealerweise ein paar sommerlich trockene Tage ab. Zwischen 10 und 14 Uhr ist die beste Sammelzeit.

Geerntet werden die oberen, nicht verholzten Triebe mit Blüten und Blättern. Zum Trocknen für den Haustee hängt man die Pflanzen einfach kopfüber an einem warmen, schattigen und luftigen Ort auf, beispielsweise dem Dachboden, und streift später dann die getrockneten Blüten und Blätter vom Stängel ab.

Viel dekoratives Potenzial

Keinen heilkundlichen Wert, dafür aber sehr viel dekoratives Potenzial besitzen die Gartenformen, das Zier-Johanniskraut. Als immergrüne Kleinsträucher für Sonne oder Halbschatten werden die pflegeleichten Johanniskräuter gerne gepflanzt.

© Schwäbische Post 23.06.2017 17:07
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