Alleskönner mit so viel Heilkraft

Wildkräuter Der sonnengelbe Huflattich ist eine altbewährte Hustenpflanze. Seine großen Blätter können sich aber auch anderweitig als nützlich erweisen.
  • Als eine der ersten Blütenpflanzen des Jahres setzt der Huflattich seine gelben Kleckse in die Landschaft.
    Fotos: Pixabay

Man spürt es deutlich: Die Tage werden wieder länger. Seit Maria Lichtmess, dem katholischen Kerzenfest am 2. Februar, dürfen wir uns, verglichen mit der Wintersonnenwende, über eine zusätzliche Tageslichtstunde freuen. Das Leben im Boden steht bereits in den Startlöchern. Als eine der ersten Blütenpflanzen setzt der Huflattich seine gelben Kleckse in die Landschaft.

Ein paar Streicheleinheiten der erstarkenden Sonne genügen, um die Pflanze aus dem Winterschlaf zu wecken. Ihre sonnengelben, feinstrahligen Blüten wirken wie das Abbild des großen Himmelskörpers. Von Februar bis April säumt der 10 bis 20 Zentimeter hohe Korbblütler Straßen- und Wegränder, platziert sich auf Brachflächen oder an trockenen Stellen im eigenen Garten.

Die ersten pollensuchenden Insekten lassen sich vom leuchtenden Gelb des Huflattichs gerne anlocken, und als Zeigerpflanze ist der Huflattich Botschafter des Vorfrühlings.

Sie liebt sonnige Plätze und durchlässige Böden und besiedelt Berghänge bis über 2000 Meter Höhe. Aus seinem Wurzelstock schickt der Huflattich bis zu zwei Meter lange Ausläufer auf Wanderschaft, um neues Terrain zu erobern.

Pionierpflanze in Steinbrüchen

Wo er optimale Bedingungen findet, können sich flächendeckende Huflattichteppiche bilden. Das Wildkraut gilt als typische Pionierpflanze auf Schutthalden und in Steinbrüchen und bereitet den Weg für nachfolgende Pflanzenarten. Seit Alters her bekannt ist der Huflattich als Heilpflanze. Ihr lateinischer Name Tussilago farfara weist auf die Heilkraft bei Bronchialleiden hin: „Tussis“ bezeichnet den Husten und „ago“ steht für vertreiben.

Huflattich gut für Bronchen

Hildegard von Bingen, Paracelsus und viele andere mittelalterliche Heilkundige empfahlen Huflattichtee, Inhalationen und Verräuchern der getrockneten Pflanze bei allen Atemwegserkrankungen. In der Volksheilkunde gilt der „Brustlattich“ als eines der ältesten Hustenmittel, das ebenso bei Mund- und Halsentzündungen, Fieber und Magenbeschwerden zum Einsatz kam. Auch heute noch wird die Pflanze in Hustensäften oder zu Presssaft und Tees verarbeitet.

Daneben wartet Huflattich mit einer ganzen Reihe gesunder Inhaltsstoffe auf, beispielsweise Mineralien, Kalzium, Kieselsäure und Vitamin C. Nicht unumstritten ist Huflattich wegen seines Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden. Diese toxischen Stoffe können in größeren Mengen leberschädigend und krebsfördernd wirken.

Nothelfer für Wanderer

Erst nach der Blüte kommen die großen Laubblätter zum Vorschein. Ihre herz- oder hufeisenförmige Gestalt verhalf dem Huflattich zu seinem Namen. Die Blätter fühlen sich weich an und sind auf der Unterseite mit dichtem, weißem Flaum bedeckt. Aufgrund dieser lappenähnlichen Konsistenz können sie einem sehr nützlichen Zweck dienen: Bei pflanzenkundigen Outdoorfans sind Huflattichblätter auch als „Klopapier des Wanderers“ bekannt.

Große Huflattichblätter eignen sich zum Füllen und können wie Kohlrouladen zubereitet werden. Und die honig ähnlich duftenden gelben Blüten sind eine hübsche essbare Dekoration für leckere, frühlingshafte Suppen und Salate.

Phänologischer Kalender zeigt zehn Jahresphasen

Jahreszeiten Der so genannte „phänologische Kalender“ gliedert das Jahr nicht in vier Jahreszeiten, sondern in zehn Phasen.
Beginn und Ende werden dabei zum Beispiel durch die Blütezeit bestimmter Gewächse, der „Zeigerpflanzen“ signalisiert.
Für die Phase des sogenannten Vorfrühling stehen unter anderem Schneeglöckchen, Huflattich, Haselblüte und Winterlinge.

© Schwäbische Post 16.02.2018 17:57
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