Cyberkriminalität: Wie man sich am besten schützt.

  • Die Schäden durch Cyberattacken steigen jährlich
Cyberkriminalität kann jeden Internetnutzer treffen und hat viele Gesichter. Selbst wenn die meisten Verbraucher schon von Buzzwords wie Phishing, Hacking und Social Engineering. gehört haben, wissen die Wenigsten, welche Mechanismen wirklich dahinterstecken und wie man sich am besten schützt.

Der Begriff „Cyberkriminalität“ umfasst alle illegalen Tätigkeiten im Internet. Die häufigsten Fälle betreffen Betrug, Fälschung und den unerlaubten Zugriff auf fremde Daten. Doch die Gefahr aus dem Netz wird von den Usern nach wie vor unterschätzt. Das Bundeskriminalamt verzeichnet eine kontinuierlich steigende Zahl im Bereich der Internetkriminalität. Lagen die Schäden 2015 noch bei 40,5 Millionen Euro, so waren es 2016 bereits 51,6 Millionen Euro. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer, welche von den Behörden nicht erfasst werden kann.

Skrupellose Methoden der Kriminellen

Wenn es um die Methoden der Cyberkriminellen geht, ist zunächst „Social Engineering“ zu nennen. Übersetzt heißt das so viel wie „soziale Manipulation“. Die Kriminellen nutzen dabei die Schwachstelle „Mensch“ aus und versuchen mittels Täuschung an vertrauliche Informationen zu gelangen. Die Mehrzahl der illegalen Cybertricks fußt auf diesem Prinzip und nutzt die Gutgläubigkeit der Menschen schamlos aus. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die sogenannten Phishing-Mails.
Die Betrüger verschicken dabei täuschend echt wirkende E-Mails von Banken, Zahlungsdienstleistern (PayPal), Unternehmen oder Versicherungen, welche den Kunden dazu auffordern, auf einen Link zu klicken. Die Mails sind so konzipiert, dass sie eine Dringlichkeit suggerieren und so den User zum Klick auf den Link forcieren. Dieser Link ist jedoch ein Köder und verschafft den Kriminellen schnellen Zugang zu den privaten Daten des Opfers. Durch Betreffzeilen wie „Zahlungsart geändert“, „Identität bestätigen“ oder „Vermuteter unbefugter Loginversuch“ gehört Phishing zu den erfolgreichsten Methoden der Cyberkriminellen, ganze zehn Prozent der manipulierten E-Mails erreichen ihr Ziel.

Fordern Banken oder namhafte Unternehmen per E-Mail dazu auf, ihren Links zu folgen, ist also ein gewisser Grad an Skepsis zu empfehlen. Besonders wenn von einem dringenden Handlungsbedarf, also einer kurzen Frist gesprochen wird, sollte der Empfänger stutzig werden. Auch ein genauer Blick auf den Text oder die Aufmachung der E-Mail gibt meist nähere Aufschlüsse bezüglich der Seriosität. Häufig verstecken sich Grammatik- oder Orthographiefehler in den getürkten Mails, welche als deutlicher Hinweis einer Fake E-Mail gelten. Meist fehlt auch eine persönliche Anrede. Unpersönliche Anreden wie „Sehr geehrter Kunde“ können leicht von Kriminellen erstellt werden.
Mithilfe von Phishing-Methoden können zusätzlich Trojaner auf dem PC des Opfers gespielt werden. Als Trojaner wird ein Computerprogramm bezeichnet, das als nützliche Anwendung getarnt ist, in Wirklichkeit jedoch den Rechner infiziert und einen beträchtlichen Schaden anrichten kann. Hinter einem solchen Trojaner steckt häufig ein manipulierter Link, der sich unbemerkt installiert. Der Trojaner ermöglicht es schließlich, sensible Daten, wie Bankkonten- oder Social-Media-Zugänge (inklusive Passwort!) abzufangen.

Bezahlen im Internet – Kreditkarte eines der unsichersten Zahlungsmittel

Um einen Kaufvorgang im Internet abzuschließen, nutzten einer Statista-Umfrage zufolge rund 26 Prozent ihre Kreditkarte als Zahlungsmittel. Die Zahlungsabwicklung ist einfach und unkompliziert: Der Kunde muss lediglich seine Kreditkartennummer, das Gültigkeitsdatum und den Sicherheitscode auf der Rückseite der Karte eingeben. Doch die Preisgabe von sensiblen Daten im Internet und das Risiko, das damit einhergeht, ist nicht zu unterschätzen. Erneuern die Online-Shops nicht regelmäßig ihre Software, können Sicherheitslücken entstehen und Kriminelle haben leichtes Spiel: Die Software der Shops wird manipuliert und die Daten der Kunden abgefangen. Mit den Daten der Kreditkarten können in der Folge Käufe zu Lasten des Opfers getätigt werden. In der Regel merkt der Kreditkartennutzer dies erst zu spät, nämlich wenn die Kreditkartenabrechnung am Monatsende ins Haus flattert. Die Schäden, die bis zur Sperrung der Karte entstehen können, sind enorm.

Ein häufig unterschätzte Alternative stellt im Hinblick auf sichere Bezahlmethoden im Internet die Prepaid Kreditkarte dar. Diese Kreditkartenart funktioniert auf Guthabenbasis, muss also vor ihrer Benutzung aufgeladen werden. Je nach Bedarf lädt der Kunde den gewünschten Betrag auf die Kreditkarte, um schließlich Zahlungen mit der Karte zu tätigen. Die Akzeptanz der Prepaid Variante steht dabei der herkömmlichen Kreditkarte in nichts nach. Im Fall eines illegalen Datenklaus, können die Cyberkriminellen lediglich über den Beitrag verfügen, der zuvor auf die Karte geladen wurde. Es ist nicht möglich, die Kreditkarte zu überziehen und den Kreditrahmen hemmungslos auszuschöpfen. Somit lohnt sich die Anschaffung einer Prepaid Kreditkarte für mehr Sicherheit beim Online-Shopping.

Sicheres Passwort: Tipps

Nicht oft genug betont werden kann das sichere Passwort. Dabei gilt, je länger desto besser. Es empfiehlt sich eine Kombination von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu verwenden. Besonders wichtig ist es, das Passwort nirgends zu notieren und es nicht an Dritte weiterzugeben. Um sich den Zugangsschlüssel besser merken zu können, gibt es viele Tricks. Möglich wäre beispielsweise die Verwendung von Merksätzen oder das Ersetzen von Buchstaben durch Ziffern. Heißt der Lieblingssong beispielsweise „A Day In The Life“ von den Beatles, kann daraus die Buchstabenkombination „ADITL“ gebildet werden. Das „A“ könnte man außerdem durch eine 4 und das „I“ durch eine 1 ersetzten: 4D1TL. Entscheidend ist jedoch, bei jedem Online-Dienst ein abgewandeltes Passwort zu nutzen und keine persönlichen Daten (Namen, Geburtstag, Haustier) zu verwenden.

Online Einkauf– worauf muss ich achten?

Nicht nur Online-Shops sollten regelmäßige Updates ihrer Software durchführen, auch der private Internetnutzer ist dazu aufgefordert, seine Geräte vor unerlaubten Zugriffen zu schützen. Die Installation eines Antivirus-Programms und einer Firewall schafft hier Abhilfe. Bei Online-Shops lohnt sich ein Blick auf die vorhandenen Vertrauenssiegel, diese bestätigen die Seriosität der Händler. Im Browser lässt sich die Sicherheit der Datenübertragung in der Adresszeile am „https://“ oder dem kleinen Schlosssymbol erkennen. Downloads von unbekannten Quellen sollten gänzlich vermieden werden. Zu beachten gilt es ferner, eine sichere Internetverbindung zu schaffen. Das WLAN muss unter allen Umständen mit einem sicheren Passwort geschützt sein. Ist dies nicht der Fall, können sich Kriminelle schnell in das Netzwerk hacken und Daten abgreifen.

© Schwäbische Post 23.01.2018 12:14
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.