Der Krypto-Markt ist im Mainstream angekommen – Bitcoin-Zahlungen im Supermarkt lassen aber auf sich warten

  • Bild: unsplash, André François McKenzie

Noch bis vor wenigen Jahren wusste nur eine Handvoll von Computernerds, was die Blockchain-Technologie ist und welche Bedeutung sie für das Finanzwesen der Zukunft haben könnte. In den Medien war von Kryptowährungen vor allem im Zusammenhang mit Cyberkriminalität die Rede. Spätestens seit dem spektakulären Kursanstieg der bekanntesten Währung Bitcoin Ende 2017 hat sich das geändert. Digitales Geld ist in das Bewusstsein der Öffentlichkeit vorgedrungen und ist von der Weltbühne nicht mehr wegzudenken. Während die technischen Details hinter den Kryptowährungen für viele schwer zu verstehen ist, weiß eigentlich jeder: Bitcoin ist eine Form des Geldes, und mit Geld kann man bezahlen. Das geht bislang allerdings nur bei einer Handvoll Unternehmen. Eine weit größere Bedeutung haben die verschieden Coins als Anlageobjekt erreicht. Wird ihr Siegeszug weiter anhalten oder sind die Hürden für eine flächendeckende Akzeptanz einfach zu groß?

Kryptohandel für jedermann
Immer mehr Menschen besitzen eine oder mehrere Kryptowährungen. Längst sind professionelle Investoren nicht mehr die einzigen, die den Überblick auf dem Kryptomarkt behalten können. Denn eine Vielzahl von kleinen und größeren Fintech-Unternehmen arbeitet daran, Handelslösungen für Kleinanleger auf den Markt zu bringen. Dazu gehört etwa Bitcoin Trader, eine Software die den Handel mit Kryptowährungen automatisiert. Ihr Algorithmus basiert auf künstlicher Intelligenz und berechnet die voraussichtlichen Veränderungen der Wechselkurse. So ist sie den eigentlichen Veränderungen auf dem Markt um Sekundenbruchteile voraus und kann rechtzeitig Kauf oder Verkauf von Coins durchführen. Krypto-Neulingen und Kleinanlegern stehen auf diese Weise ähnliche Tools zur Verfügung wie Investmentfirmen. In Anlegerkreisen ist eine Investition in digitale Währungen daher nichts ungewöhnliches mehr.

Fehlende Alltagstauglichkeit von Bitcoin
An der Supermarktkasse sieht das noch ganz anders aus. Hier kann niemand seinen Einkauf per Bitcoin-Transaktion bezahlen. Das würde auch ganz schön komisch aussehen: Schließlich müsste er mehrere Minuten abwarten, bis seine Zahlung in der Blockchain bestätigt worden ist. Die Warteschlange an der Kasse dürfte sich darüber freuen. Aber nicht nur die fehlende sofortige Zahlungsverarbeitung steht einer größeren Akzeptanz von Bitcoin im Weg. Auch die ständig schwankenden Wechselkurse machen die Verwendung für Händler unattraktiv. Sie müssten ständig mit dem Risiko leben, bei einem Kursverlust Geld zu verlieren. Schließlich dürften sich auch die Banken gegen den Einsatz von Bitcoin als universales Zahlungsmittel wehren. Denn sie würden bei dieser Entwicklung außen vor bleiben und große Teile ihres Umsatzes einbüßen.

Der Libra – ein hoffnungsvoller Kandidat?
Die Ankündigung des Internetgiganten Facebook, eine eigene Kryptowährung einführen zu wollen, hat die Branche in Aufruhr versetzt. Der Libra könnte tatsächlich das Potential haben, sich im Alltag als Zahlungsmittel zu etablieren. Denn im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen soll sein Wert stabil sein. Auch der Aufbau der notwendigen technischen Infrastruktur ist dem Betreiberkonsortium zuzutrauen, denn an Reichweite und finanziellen Mitteln dürfte es ihm nicht fehlen. Auch ein nutzerfreundliches Design dürfte für eine Firma wie Facebook eine Selbstverständlichkeit darstellen. So könnte diesem Projekt gelingen, was bisher allen anderen digitalen Zahlungsmitteln verwehrt blieb: Der Einsatz im täglichen Leben. Uninteressant dürfte der Libra hingegen für Anleger werden, denn ein fester Kurs bietet keine Möglichkeit zur Gewinnerzielung.

Bildquelle: unsplashAndré François McKenzie 

© Schwäbische Post 08.10.2019 08:02
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