Die Alltagsfinanzen fest im Griff

  • Überschuldung entsteht häufig durch zu hohe Kosten im Alltag. Wer nicht immer mit leeren Taschen durchs Leben gehen möchte, muss an seinem Konsumverhalten etwas ändern.
  • Der erste Blick gilt immer den eigenen Ausgaben im Alltag. Erst danach wird an den passenden Stellen gespart.
  • Schon durch geringe Einsparungen bei den Alltagskosten wird langsam eine Rücklage aufgebaut.

Die Lebenshaltungskosten sind in Deutschland noch immer gering im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Allerdings sind sie in den letzten Jahren deutlich gestiegen und dies merken viele Verbraucher jeden Monat. Wer nicht aufpasst, gerät schnell in eine Spirale der zu hohen Kosten.

Zusatzausgaben sind selten schuld an der Verschuldung
Einer solchen Spirale der zu hohen Kosten liegen meist zu hohe Ausgaben im Alltag zugrunde. In wenigen Fällen sind es unerwartete Ausgaben, die den Beginn einer Überschuldung markieren. Fast alle Menschen kennen diese Zusatzausgaben, die kurz- oder mittelfristig in der Haushaltskasse zu spüren sind. Ob es eine neue Waschmaschine ist, die Panne mit dem Auto oder eine Nachzahlung für die Nebenkosten – mit einem Mal ist da eine nicht geplante Ausgabe. Die wenigsten Menschen haben den benötigten Betrag auf einem separaten Konto bereitliegen. Um die Kosten zu decken, nehmen an dieser Stelle viele Verbraucher einen sogenannten Konsumkredit auf. Tatsächlich gehören die nicht planbaren Ausgaben zu den häufigsten Gründen einen Kredit aufzunehmen. Die guten Konditionen und die Planbarkeit eines Konsumkredits verhindern dabei ein Abrutschen in die Schuldenfalle. Tatsächlich stellt die Schufa fest, dass die Zahlungsmoral in Deutschland so gut ist wie nie, zumindest wenn der Kredit sinnvoll geplant ist. Es lohnt sich für Verbraucher, die guten Angebote vieler Portale in den Blick zu nehmen. Günstige Konditionen und eine passende Laufzeit erleichtern das Überwinden des kurzfristigen Engpasses. Aber was, wenn der Engpass nicht kurzfristig ist, weil die Kosten permanent zu hoch sind? Jeder sollte zunächst seine Einnahmen überprüfen.

Einkommen in Deutschland je nach Region unterschiedlich
Die möglichen Ausgaben des Alltags hängen für jeden Konsumenten an der Höhe des eigenen Einkommens. Dabei ist es in Deutschland nach wie vor nicht egal, in welcher Region jemand lebt. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zieht ein erschreckendes Fazit: In einigen Landkreisen ist das regionale Einkommen in Deutschland höher als in Luxemburg. Gleichzeitig gibt es Landkreise mit einem Einkommensniveau vergleichbar mit dem eher einkommensschwachen Korsika. So seien gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland zwar ein im Grundgesetz festgelegtes Ziel, die Realität sieht jedoch anders aus. Dabei sind die Preise für Lebensmittel und Konsumgüter deutschlandweit weitestgehend einheitlich. So scheint eine Überschuldung in einigen Regionen bereits durch das geringere Einkommen wahrscheinlicher.

Welche Rolle spielt die Miete?
Eine Statistik des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass gerade einmal bei zwei von zehn überschuldeten Personen Mietschulden vorhanden sind. Die Höhe der Miete ist deutlich mehr an die Region gebunden als die anderen Kosten des Alltags. Doch wer merkt, dass die laufenden Kosten das finanzielle Budget dauerhaft sprengen, sollte die eigene Wohnsituation kritisch hinterfragen. Denn auch wenn keine Mietschulden vorliegen, bedeutet das nicht, dass die Mietkosten passend für das eigene Budget sind. Nicht für jeden Single ist es zum Beispiel die ideale Lösung, allein in einer kleinen Wohnung zu leben. Denn bei dieser Lebensform sind die Kosten automatisch am höchsten. Sämtliche Nebenkosten müssen schließlich von nur einer Person getragen werden. Tatsächlich gibt es immer mehr Wohngemeinschaften, die nicht mehr studentisch geprägt sind. Das Leben in einer Wohngemeinschaft hat natürlich nicht nur pragmatische Gründe, sondern ist ebenso eine Entscheidung für ein Leben in Gesellschaft.

Die laufenden Kosten
Wenn es nicht die spontanen Ausgaben sind, was ist dann die Ursache für eine Überschuldung? Bei vielen Verbrauchern ist es tatsächlich das Konsumverhalten, das regelmäßig den finanziellen Rahmen sprengt. Das ist eine Summe aus:

  • Lebensmitteleinkäufen
  • Einkauf von Mode und Kosmetikartikeln
  • Restaurantbesuchen oder bestelltem Essen
  • Abonnements
  • Mitgliedschaften
  • ungünstigen Verträge beispielsweise bei Versicherungen

All diese Ausgaben zusammen ergeben die monatlichen Grundkosten. Und bei diesen sind die Möglichkeiten innerhalb der Bevölkerung in Deutschland sehr verschieden. Finanzexperten raten jedoch zu einem Plus von 10 bis 20 Prozent der Einnahmen am Ende des Monats.

Ausgaben überprüfen
Wer feststellt, dass er am Ende des Monats ohne Plus herauskommt, sollte sofort die eigenen Ausgaben überprüfen. Denn von da an ist es kein so weiter Schritt in den Dispositionskredit des eigenen Kontos und mit diesem fangen bei vielen Verbrauchern die Probleme an. Eine sinnvolle Grundlage bildet ein mindestens drei Monate geführtes klassisches Haushaltsbuch. Dieses kann man tatsächlich als Buch führen oder als App oder am PC anlegen. Wer seine Ausgaben schwarz auf weiß sieht, wird schnell ungute Verhaltensmuster erkennen.

Kaufverhalten verändern
Doch nur wer seine eigenen Stolperfallen bei den Alltagsausgaben erkannt hat, stellt sie leider noch nicht automatisch ab. Mit ein paar Tricks lässt sich das eigene Konsumverhalten langfristig verändern. Ein Einkauf mit einer Liste verhindert unnötige Spontankäufe. Wer sich zusätzlich ein Wunschprodukt erlaubt, verhindert eigenen Frust dabei. Wer gerne online einkauft, kann die Artikel erst einmal im Warenkorb parken. So werden unnötige Online-Einkäufe verhindert. Es zeigt sich, dass ein Aussortieren im Anschluss deutlich leichter ist.

Verträge und Abonnements überprüfen
Nach dem Kaufverhalten sind die Verträge an der Reihe. Hier sollte jeder kritisch schauen, was er tatsächlich benötigt und was seit Monaten nur Geld kostet, ohne einen Gewinn zu bringen. Wer beispielsweise kaum einmal in Fitnessstudio geht, ist mit einer 10er-Karte besser bedient als mit einer Mitgliedschaft. Generell sollte es darum gehen, die Kosten des Alltags abzuspecken. So ist eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel im Winter vielleicht sinnvoll, aber die Wege können im Sommer häufig mit dem Rad erledigt werden.

Rücklagen bilden
Wer im Alltag bei den Kosten aussortiert hat, sollte sich direkt darum kümmern, regelmäßig Rücklagen zu bilden. Das kann zunächst ein separates Tagesgeldkonto sein. Hier sieht ein Verbraucher genau, wie viel tatsächlich jeden Monat übrigbleibt. Je nach Höhe der Rücklage wird im Anschluss eine gute Anlage des tatsächlich vorhandenen Betrags geplant. Auf diese Weise bildet sich langsam ein Polster, was den Alltag leichter macht.

Kosten im Blick behalten
Jetzt gilt es am Ball zu bleiben und die Finanzen beständig zu sortieren. Bei größeren Ausgaben wie der kaputten Spülmaschine ist es sinnvoll, einen cleveren Konsumkredit statt des Dispos zu nutzen und von den niedrigen Zinsen profitieren. Wer die Alltagskosten übersichtlich hält, wird dauerhaft besser mit seinem Geld haushalten.

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© Schwäbische Post 30.09.2019 12:47
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