Ein kunstvolles Panorama zum Staunen

Heimatgeschichte Im Kloster Lorch steht eines der weltweit größten Kunstwerke. Das Staufer-Rundbild von Hans Kloss zeigt Aufstieg, Ruhm und Fall des Staufergeschlechts.
  • Foto: J.-P. Strobel
  • Das Licht richtet sich ausschließlich auf das Rundbild. Dadurch entsteht eine Art Kinosaal-Atmosphäre. Foto: kust
  • Geschichtsträchtige Mauern: die Klosterkirche in Lorch. Die einstige Benediktinerabtei stammt aus dem 12. Jahrhundert. Foto: Pixabay

Sage und schreibe zwei Millionen Besucher haben es schon gesehen: Das Staufer-Rundbild von Hans Kloss im Kloster Lorch ist bis heute Anziehungspunkt für alle Geschichtsfreunde und für kunstinteressierte Ausflugsreisende aus dem Land. Für sie hat der Künstler so manche Superlative bereit: „30 Meter im Kreis, viereinhalb Meter hoch, das gibt es so weit und breit nicht“, sagt er.

Monatelange Arbeit

Aufstieg, Glanz und Untergang des größten deutschen Kaisergeschlechts, der Staufer, haben ihn immer fasziniert. „Vor 20 Jahren hatte ich die Vision, das mal alles im Bild festzuhalten.“ Er machte sich ans Werk, fand Sponsoren, allen voran Hermann W. Sieger. „In monatelanger Arbeit entstand die größte Bleistiftzeichnung der Welt.“ 1.400 Menschen sind zu sehen, 400 Tiere gezeichnet. Jetzt konnte man erkennen, wie die Geschichte später in bunten Bildern aussehen wird.

Das Staufer-Wissen holte sich Hans Kloss aus Büchern, „ich habe dazu 60 Werke studiert, auf jedes Detail geachtet“. Deshalb betrachtet er das Werk auch als „historisch fundiert“. Das Bild zieht sich mit fließenden Übergängen vom heimischen Hohenstaufen bis Neapel. Am Ende steht die Enthauptung des letzten Stauferkaisers Konradin 1268 in der süditalienischen Stadt.

Vom Maler zum Experten

Drei Jahre hat Hans Kloss gemalt, zur 900-Jahr-Feier des ehemaligen Benediktinerklosters und Grablege der Staufer fiel der Vorhang. „Ich konnte nicht ahnen, auf welches Echo dieses Rundbild stößt“, sagt er heute. 1.000 Mal hat er persönlich Interessierten das Werk erläutert. Mit unterschiedlichen Erfahrungen. „Da kommen viele Hobbyhistoriker, manche meinen, sie müssten mir die Geschichte erklären.“ Bis sie merken, dass der Künstler nicht nur mit Stift und Farbe umgehen kann, sondern selbst Hohenstaufen-Experte ist.

Nicht umsonst erhielt er von Karl-Heinz Fuchs, dem Vorsitzenden des Göppinger Freundeskreises Irene Maria von Byzanz, auf dem Hohenstaufen die Irenenmedaille. Manche Besucher versöhnen Hans Kloss: „Da kommen Fachleute, die den Ablauf auf dem Rundbild für stimmig halten.“

Immer wieder kommen amerikanische Gäste.

Hans Kloss
Staufer-Fachmann und Künstler

Eine Kinosaal-Atmosphäre

Und was sehen Besucher? Die Protagonisten ihrer Zeit, Fürsten, Bischöfe, Ritter, Mönche und Gesinde, blicken den Betrachter nicht selten frontal an. Durch die Kinosaal-Atmosphäre des Rundbilds – das Licht richtet sich ausschließlich auf die Leinwand – wird der Effekt verstärkt. Nach kurzer Zeit fühlt man sich in die Zeit zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert versetzt, wird Teil der Szenerie. Kunstkritiker bescheinigen Kloss Meisterleistungen in der Tierdarstellung. Seine Pferde im Schlachtgetümmel erreichten renaissancehafte Qualitäten. Dazwischen immer wieder Landschaftsdarstellungen, auf denen Burgen und Landsitze zu erkennen sind.

International angesehen

Die Wirkung des Bildes hat sich herumgesprochen. „Bis heute ist das Kloster Lorch wegen des Rundbilds beliebtes Ziel vieler Reisegruppen aus dem Land und darüber hinaus“, sagt Kloss. Mit dem Staufer-Werk tritt er sogar auf internationalem Parkett auf.

Der in der Schweiz ansässige International Panorama Council widmet sich historischen und auch zeitgenössischen Panorama-Werken. Hans Kloss ist in diese Runde aufgenommen worden, konnte sogar beim Treffen in Shenyang in China im Jahr 2005 das Lorcher Werk vorstellen. Manchmal wird Kloss, der das Bild in die Obhut der Abteilung Schlösser und Gärten des Landes Baden-Württemberg übergeben, das Urheberrecht aber behalten hat, um eine Führung gebeten.

„Immer wieder kommen amerikanische Gäste, die sich an die Zeit ihrer Stationierung in Schwäbisch Gmünd erinnern. Dann bringen sie ihre Freunde und Verwandten mit, um sich das Bild erklären zu lassen.“

Ein Besuch des Klosters Lorch im Remstal

Das Kloster Lorch wurde im Jahr 1102 von den Staufern auf einer Anhöhe über dem Remstal gegründet. In den geschichtsträchtigen Mauern des Klosters können große und kleine Besucher in die Geschichte des großen, deutschen Kaisergeschlechts der Staufer eintauchen. Spannende Einblicke in längst vergangene Jahrhunderte erhalten Besucher zum Beispiel bei verschiedenen Führungen durch die Klosteranlage, die aus Kirche, Klausur, Wirtschaftsgebäuden und dem Klostergarten besteht.

Das frühere Benediktinerkloster ist die Grabstätte der bekannten Staufer-Königin Irene von Byzanz, die dort nach ihrem Tod im Jahr 1208 begraben wurde.

Das Kloster ist außerdem auch ein Ort für besondere Veranstaltungen. So können dort Hochzeiten, Taufen oder Jubiläen in einem außergewöhnlichen Ambiente gefeiert werden.

In nächster Nähe zum Kloster befindet sich zudem die Stauferfalknerei, bei der Besucher faszinierende Greifvögel hautnah erleben können. nad

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© Schwäbische Post 02.03.2018 16:19
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