Erlebniswanderung über das Härtsfeld

Tipp Atemberaubende Landschaft, weltberühmte Architektur und viele spannende Geschichten: Das Alles kann einem bei einer abwechslungsreichen Wanderung mit Alb-Guide Guido Wekemann erleben.
  • Fotos: Juana Röder
  • Ein unterschätzter Leckerbissen: Im Naturschutzgebiet Zwing entdeckt der Alb-Guide einen Schopftintling. In jungem Zustand zählt er zu den Superlativen der Pilze.
  • Nadja Kienle zieht eine persönliches Fazit über die Wanderung.

Startpunkt der Wandertour mit dem Alb-Guide war auf dem Ulrichsberg. Redakteurin Nadja Kienle hat ihre Erlebnisse während der Tour festgehalten – und was in den acht Etappen der Wanderung alles erlebt und gesehen hat, erfahren Sie hier:

  • Station 1: Das Härtsfeld sei immer ein Genuss, erklärt Guido Wekemann. Mir wird schnell klar, was der Alb-Guide meint: Die Wanderung führt auf einem Rundweg durch den Neresheimer Klosterwald. Warme Lichtstrahlen fallen durch das herbstliche Laub, während ich mit dem Landschaftsführer in Richtung Tiefental marschiere. Immer wieder zeigt sich zwischen den Bäumen die Weite der Landschaft. Der Marsch ist kurzweilig, da ich viel Spannendes erfahre – beispielsweise, dass der Wald einst dem Kloster gehörte, bevor er im 19. Jahrhundert in den Besitz des Fürstentums Thurn und Taxis überging. Der Alb-Guide zeigt mir einen alten Grenzstein: Er wirkt unscheinbar, ist aber ein stummer Zeitzeuge aus dieser bewegten Zeit.
  • Station 2: Als ich mit dem Alb-Guide den Wald verlasse, bietet sich mir ein herrlicher Ausblick: Zu meinen Füßen liegt Neresheim, dahinter sehe ich bis nach Ebnat. Mit jedem Schritt scheint zudem das Klostergut ein Stück „aus der Landschaft zu wachsen“. Die Abteikirche aus der Zeit des Spätbarocks mit dem weltbekannten Deckenfresko gelte als europäisches Kulturgut, erzählt mir Guido Wekemann. Das Klostergelände ist von einer Mauer umgeben. „Dahinter liegt der Klostergarten und Stallungen“, verrät mir Wekemann. Die frischen Produkte würden im Hofladen des Klosters verkauft und in Form von gut bürgerlichen Gerichten auch in der Klostergaststätte aufgetischt.
  • Station 3: Vom Kloster marschieren wir bergab in Richtung Neresheim. Linker Hand entdecke ich plötzlich einen Lokschuppen und Gleise. „Hier ist der Startpunkt der Schättere“, erzählt mir der Alb-Guide. Auf meine Frage, was das genau sei, erklärt er mir, dass das eine der spektakulärsten Bahnlinien Deutschlands gewesen sei und von Aalen bis nach Dillingen geführt habe. Ich erfahre, dass in Neresheim der Betriebsmittelpunkt – die „Centralstation“ – der Bahn lag. Die Eisenbahn wurde 1972 stillgelegt, rattert aber seit rund 14 Jahren dank des Vereins Härtsfeld-Museumsbahn wieder durch die schöne Landschaft zwischen Neresheim und der Sägmühle.
  • Station 4: Da die Museumsbahn ab Oktober Betriebsferien macht, marschiere ich mit Guido Wekemann zu Fuß weiter und plötzlich stehen wir erneut auf einer wichtigen Strecke: der einstigen Lorentrasse, auf der Gestein vom Steinbruch ins Kalkwerk befördert wurde. „Härtsfelder Marmor“, sagt Wekemann mit einem Schmunzeln. Bei den Steinen, die er in Händen hält, handelt es sich aber um Kalksteine, die durch polieren wie Marmor wirken. Im Naturschutzgebiet Zwing offenbart sich mir ein weiteres Kuriosum: Der Trockenrasen ist mit Hügeln übersät. Bei näherer Betrachtung steigt mir der Duft von Küchenkräutern in die Nase. „Wilder Thymian“, erklärt mir der Alb-Guide. An dessen Wurzeln tummeln sich Läuse – die Nahrung der verborgenen Lebewesen in den kleinen Hügeln: den Wiesenameisen.

Eine kleine oder große Wanderung auf dem Härtsfeld ist zu jeder Jahreszeit ein Genuss.

Guido Wekemann
Alb-Guide
  • Station 5: Nach einigen hundert Metern tauchen wir wieder in die Wälder des Härtsfeldes ein. Dort zeigt mir Wekemann einen Platz, auf dem der Köhler Marcus Waldinger an einigen Tagen im Jahr für Wanderer und Spaziergänger ein altes Handwerk wieder aufleben lässt – die Kunst der Kohleherstellung. Ich erfahre, dass für die Herstellung von Holzkohle geschnittenes Holz zu einem Meiler aufgestapelt wird, der mit einer Schicht aus Heu, Gras, Laub und Erde abgedeckt wird. Auf einer Schautafel am Rande des Platzes kann ich nachlesen, dass der Kohlemeiler vier bis fünf Tage brennt, bevor die Holzkohle erkaltet und in Säcke verpackt werden kann.
  • Station 6: Unsere Wanderung führt uns auf dem Rundweg Egau-Zwing weiter bis zu einem Hochplateau. Eine alte Baumallee führt dort auf ein herrschaftlich wirkendes Anwesen zu: den Hochstatter Hof, dessen Geschichte über 1200 Jahre in die Vergangenheit reicht und der sich einst ebenfalls im Besitz des Klosters Neresheim befand.
  • Station 7: Um das nächste Ziel unserer Tour zu erreichen, wandern wir auf einem Etappenstück des Albschäferwegs. Und dann haben wir ihn vor Augen: Idyllisch eingebettet in die herrliche Landschaft glitzert die Wasserfläche des Härtsfeldsees im Herbstlicht. An Schwimmen ist um die Jahreszeit nicht zu denken. Generell sei der See in den Sommermonaten aber ein beliebtes Ausflugsziel für die ganze Familie, berichtet Wekemann. Kein Wunder: Mit dem Mehrgenerationenspielplatz, dem Matschbereich und dem Naturlehrpfad ist er ein Eldorado für Wassersportler und Naturliebhaber.
  • Station 8: Steil bergauf führt mich Guido Wekemann schließlich in die Zeit des Mittelalters. Wir erreichen über den Albschäferweg die Stauferburg Katzenstein aus dem 12. Jahrhundert. Als ich durch das Tor schreite, gelange ich in den Innenhof einer der ältesten Burgen Süddeutschlands. Ich erfahre, dass in der historischen Kulisse das ganze Jahr etwas geboten ist: Von Mittelaltermärkten über Ritterturniere bis zu einem romantischen Weihnachtsmarkt. Bevor ich mich mit Guido Wekemann auf den Rückweg mache, werfe ich auch noch einen Blick in die urgemütlichen Stuben des Burgrestaurants. Kulinarische Köstlichkeiten werden dort – wie sollte es anders sein – unter mittelalterlichen Bezeichnungen aufgetischt.

Ausflugsziele im Ostalbkreis

Unvergessliche Erlebnisse für die ganze Familie: Im neuen Magazin „Hier. Unterwegs.“ für 2017 können sich Gäste, Urlauber und Ostälbler über spannende und einzigartige Ausflugsziele informieren. Egal ob malerische Städte, märchenhafte Schlösser oder hochkarätige Veranstaltungen - der Ostalbkreis bietet große kulturelle Vielfalt für Jedermann. Die Region ist zudem ein Paradies für alle, die sich aktiv erholen oder sportlich betätigen möchten. Etliche gut ausgebaute Wander- und Radstrecken führen durch die reizvolle Kulturlandschaft der Schwäbischen Ostalb. Zu entdecken gibt es bei vielen Touren auch kleine und große heimatkundliche Schätze am Wegesrand, die teils längst vergangene Jahrhunderte wieder lebendig werden lassen. Erfahren Sie mehr im aktuellen „Hier. Unterwegs.“ Es ist im Landratsamt, den Rathäusern und Tourist-Informationen der Kommunen im Landkreis sowie auf der CMT in Stuttgart kostenfrei erhältlich.

Online ist das Magazin abrufbar unter:
www.bit.ly/hier-unterwegs

Ein unvergessliches Erlebnis

Auf dem Härtsfeld gibt es mehr als nur Steine zu entdecken. Das führte mir die Wandertour mit dem Alb-Guide Guido Wekemann deutlich vor Augen. Sicherlich sind die Kalkfelsen ein markantes Element des reizvollen Härtsfelds. Mit Wacholderheiden, Mischwäldern und der weiten Kulturlandschaft bilden sie jedoch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, die einen wertvollen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten darstellt.

Zugleich lassen sich bei Spaziergängen und Wanderungen viele große und kleine Schätze am Wegesrand entdecken, die die bewegte Geschichte des Härtsfelds erzählen. Von den Überresten des Steinbruchs im Naturschutzgebiet Zwing bis zu weltberühmten Kulturdenkmälern wie dem Kloster Neresheim – zum Staunen und Entdecken gibt es viel. Was das Härtsfeld ebenfalls zu einem beliebten Ausflugsziel macht, ist auch die Herzlichkeit der Menschen, die in der Region zuhause sind. Diese erfährt man als Wanderer ebenso wie als Gast in den gut bürgerlichen Gasthöfen und Restaurants. Daher lautet mein Fazit: Das Härtsfeld ist immer einen Besuch wert!

© Schwäbische Post 13.01.2017 14:56
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