Herzlich willkommen, wilde Biene

Naturschutz Die unscheinbaren Bestäuber sind nützlich und bedroht. Nisthilfen und dazu pollenreiche Blumen locken die fleißigen Insekten in den Garten.
  • In ihrer Nachbarschaft lieben Wildbienen pollenreiche Blumenarten. Die einfachste Form der Nisthilfe für bestimmte Wildbienen sind mit Bohrlöchern versehene Hartholzblöcke.
    Fotos i. U. pixabay; HelgaSchneller; pixabay

Sie sind optisch unscheinbar, völlig harmlos und sehr nützlich: Wildbienen, die kleinen Insekten mit der großen Bedeutung. Denn wie Honigbienen sind auch Wildbienen unverzichtbare Helfer bei der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. Im Garten tragen Wildbienen beispielsweise dazu bei, dass aus Himbeer- und Johannisbeerblüten köstliche Beeren wachsen. Meist erledigen die wilden Bienen ihre Arbeit inkognito, weil sie weder summen noch Honig produzieren und viele Arten auf den ersten Blick eher wie kleine Fliegen scheinen.

Fast unbemerkt ist auch die Welt der kleinen Hautflügler aus den Fugen geraten. Das dramatische Insektensterben macht auch vor Wildbienen nicht Halt. Mehr als die Hälfte der deutschlandweit 561 Arten sind mit steigender Tendenz in ihrem Bestand bedroht, meldet der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Ein Wildbienen-Hilfsprogramm kann jeder Garten- und Balkonbesitzer mit einfachen Mitteln starten. Die Nützlinge brauchen lediglich pollenreiche Blüten, eine giftfreie Umgebung und geeignete Nistmöglichkeiten. Die Winterwochen kann man prima dazu nutzen, Nisthilfen für Wildbienen zu bauen – auch für Kinder eine sinnvolle Beschäftigung.

Bereits ab März unterwegs

Die Frühaufsteher unter den Wildbienen sind bereits ab März unterwegs. Je nach Art nisten wilde Bienen in morschem Holz, Lehmwänden und Mauerspalten, in Sandboden, hohlen Pflanzenstängeln oder leeren Schneckenhäusern. Die einfachste Form der Nisthilfe sind mit Bohrlöchern versehene Hartholzblöcke aus Buche, Eiche oder Esche für holzbewohnende Wildbienen wie Scheren- oder Löcherbiene. Ins Holz werden Löcher mit einer Länge zwischen 5 und 10 Zentimetern und einem Durchmesser von 2 bis 10 Millimetern gebohrt. Nach Süden ausrichten

Wichtig: Das Holz muss abgelagert sein, damit es bei Feuchtigkeit nicht quillt und reißt. Abstehende Holzfasern werden anschließend abgeschliffen, damit sich die Insekten nicht verletzen. Für die Bewohner von Pflanzenstängeln eignen sich ca. 10 Zentimeter lange, hohle oder markhaltige Stängelstücke, zum Beispiel von Holunder, Heckenrose, Sommerflieder oder Brombeeren. Auch Schilfrohre und Strohhalme nehmen Wildbienen gerne an. Die Stängel werden mit Draht gebündelt und waagerecht oder leicht schräg schaukelfrei an einem Baum oder Strauch befestigt oder senkrecht in eine saubere Konservendose gesteckt. Bambusrohre von 3 bis 10 Millimeter Innendurchmesser sägt man hinter dem Knoten ab. Mit den stabilen Bambusstücken können beispielsweise auch die Hohlräume eines Lochziegels bestückt werden.

Kleines Appartementhaus

Die Ausrichtung der Nisthilfen sollte immer nach Süden oder Süd-Osten erfolgen. Bastelfreudige Gartenbesitzer können durch die Kombination verschiedener Nisthilfen ein kleines Wildbienen-Appartementhaus errichten. Dazu genügt ein stabiler Holzrahmen mit Dach und einigen Etagen, auf denen die diversen Wohnmöglichkeiten angeboten werden. Wer keinen Garten hat, platziert mobile Nisthölzer und Stängelbündel an einem geschützten Platz auf dem Balkon. Mit untrüglichem Instinkt finden die Wildbienen den Weg auch in den zweiten Stock. Dass alle Nisthilfen schon im ersten Jahr belegt werden, sollte man allerdings nicht erwarten.

Warten bis erste Bienen einziehen

Von käuflichen Billig-Wildbienenhotels ist eher abzuraten. Das Holz solcher Produkte ist oft gerissen, die Löcher unsauber gebohrt, und die obligatorischen Zapfen erfüllen nur dekorative Zwecke. Ist die Nisthilfe draußen platziert, heißt es abwarten, bis die ersten Wildbienen einziehen. Eine mit Eiern belegte Brutröhre verschließt das Bienenweibchen artabhängig mit Steinchen, Harz oder Lehm. Drinnen ruht jedes Ei auf einem Polster aus energiereichem Pollen, dem Kraftfutter für die schlüpfenden Larven. Wochen oder Monate später, wenn sich die Larven verpuppt und weiterentwickelt haben, knabbern sich die Jungbienen in die Freiheit.

Keine Angst vor Stichen

Angst vor Stichen braucht bei Wildbienen übrigens Niemand zu haben. Die Weibchen besitzen zwar einen Stachel, sind aber völlig friedfertig. Damit sich die emsigen Bestäuber im Garten wohlfühlen, sollte das Umfeld möglichst naturnah sein. Ein wildbienenfreundlicher Garten oder Balkon wartet mit verschiedenen pollenreichen Blumenarten auf. Unter den Frühblühern sind beispielsweise Blausternchen, Winterlinge, Märzenbecher und Primeln beliebt. Später locken Glockenblumen, Gilbweiderich, Fetthenne, Distelarten, Malven und blühende Wildpflanzen wie Hahnenfuß, Natternkopf, Königskerze und Wegwarte die Hautflügler an. Auch pollenreiche Gehölze wie Weide und Spitzahorn sind ein Tischlein-deck-dich für unermüdlich sammelnde Wildbienen. Wer dann noch auf Pflanzenschutzmittel gänzlich verzichtet, trockene Staudenstängel als Quartier über den Winter stehen lässt und eine unaufgeräumte Ecke im perfekten Garten toleriert, praktiziert Naturschutz direkt vor der Haustür.

Wildbienen sind emsige Einzelgänger

Unterschied: Im Gegensatz zu Honigbienen bilden wilde Bienen keinen Sozialstaat. Sie verbringen ihr Leben als Einsiedler und werden daher auch Solitärbienen genannt. Jede Biene ist selbst für Futtersuche und Nachkommenschaft verantwortlich. Zu den häufigsten Arten bei uns zählen Mauerbiene, Scherenbiene, Löcherbiene und Sandbiene.

© Schwäbische Post 02.02.2018 15:09
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