Blökende Pfleger auf vier Beinen

Naturschutz 280 Schafe der Familie Grieser weiden im Auftrag des Landschaftserhaltungsverbands auf der Wachholderheide am Pfaffenberg in Lautern.
  • Landschaftspfleger auf vier Beinen agieren jetzt gegen die Verbuschung der Wachholderheide am Pfaffenberg bei Lautern. Das freut (v.li.) Henning Fath, Frederick Brütting, Bernhard Deininger, Dagmar Seibold, Ralf Worm und Erich Grieser. Foto: jan

Heubach-Lautern

Die Schafe sind pünktlich“, witzelt Heubachs Bürgermeister Frederick Brütting, als er gemeinsam mit Ortsvorsteher Bernhard Deininger durchs Tor geht und dieses wieder achtsam verschließt. Doch nicht nur die Schafe erwarten ihn. Auch Ralf Worm und Dagmar Seibold vom Landschaftserhaltungsverband sowie Förster Henning Fath und Schäfer Erich Grieser.

Von allen Seiten kommen die Schafe neugierig die Wachholderheide am Pfaffenberg herunter. Sie stehen auch im Mittelpunkt bei dem Treffen, denn sie haben künftig eine wichtige Rolle. Sie werden sich um die Beweidung des Pfaffenbergs, beziehungsweise einer rund 1,5 Hektar großen Fläche dort kümmern. Eine Arbeit, die für den Mensch kaum zu bewältigen ist. Steil und schlecht zugänglich. „Da müssen die Arbeiter mit ihren Sägen auf den Außenkanten ihrer Schuhe stehen. Das ist nicht nur sehr anstrengend, sondern auch gefährlich“, beschreibt Henning Fath. Umso erfreuter ist Brütting, dass nun Vierbeiner mit viel Geblöke den steilen Pfaffenberg „bewirtschaften“. Daher war es für ihn keine Frage, bestmöglich mit dem Landschaftserhaltungsverband zusammen zu arbeiten, als es um die Vorbereitungen für den Zaun ging. „Die ganze Zauntrasse musste freigelegt werden“, beschreibt Dagmar Seibold. „Und das haben unsere Forstmitarbeiter gemacht“, informiert Brütting. Dabei bedankt er sich bei Förster Fath. Denn durch diese Zusammenarbeit konnte die Zauntrasse auch im Wald erfolgen. Was wiederum gut für die Schafe ist, die dort Schutz vor Witterung und in der Nacht finden.

Schäfer Grieser hat seine Schützlinge fest ins Herz geschlossen. Kaum ruft er melodiös „komm, komm, komm“, nähern sich die Schafe auch schon der Besuchergruppe. Zusätzlich zu der Nahrung, die sie beim Weiden aufnehmen, erhalten sie Wasser, Mineralfutter und können jederzeit zum salzigen Leckstein gehen. Statt eines Stalls, wie im Winter, haben die Merinoschafe jetzt die große Freiheit.

Der Zaun schütz die Tiere und wurde mit Landesgeldern für rund 19 000 Euro installiert. Strom ist drauf. „Muss sein“, betont Dagmar Seibold. Denn es ist zu gefährlich außerhalb des Zauns, wo nur wenige Meter weiter am Fuß des Pfaffenbergs die Straße zwischen Lautern und Lauterburg führt.

Für Menschen ist die Bewirtschaftung anstrengend und gefährlich.

Henning Fath
Revierförster

„Wir haben bereits sehr gute Erfahrung mit der Schafbeweidung am Jägerhaus gemacht“, schildert Brütting das andere Projekt des Landschaftspflegeverbands auf Heubacher Gemarkung. Wie beim Jägerhaus, werden am Pfaffenberg demnächst auch Ziegen zum Einsatz kommen. Sie knabbern mit Vorliebe Wachholderbüsche von unten an. „Dann müssen wir nicht ausschneiden“, erklärt Förster Fath.

Sobald die Schafe und Ziegen am Pfaffenberg abgezogen werden, könne das Tor auch für Spaziergänger geöffnet werden, schildert Ralf Worm. Aber solange die Tiere „bei der Arbeit sind“, ist der Weg nicht freigegeben. Zu groß wäre die Gefahr für die Tiere, wenn das Tor nicht ordentlich verschlossen würde. „Neun Passanten würden es richtig zumachen, der Zehnte würde es offenlassen. Dann hätten wir die Katastrophe“, beschreibt Schäfer Grieser. Und das will er seinen Schützlingen nicht zumuten.

© Schwäbische Post 11.07.2019 20:17
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