Null-Prozent-Finanzierung bei Laptops häufig teurer als erwartet

  • Die vermeintliche Null-Prozent-Finanzierung ist oft teurer als erwartet.| Bild: pixabay, kaboompics

Immer mehr Verbraucher entscheiden sich dafür, Elektronikartikel per Finanzierung zu kaufen. Auch kostenintensive Geräte werden dadurch erschwinglich und können bei geringem Budget erworben werden. So haben Umfragen gezeigt, dass immer mehr typische Verbrauchsgüter nur aufgrund von Finanzierungslösungen angeschafft werden können. 2017 lag der Anteil bei 61 Prozent. Doch Verbraucherschützer warnen: Die vermeintliche Null-Prozent-Finanzierung, mit der viele Elektronikmärkte online und auf regionaler Ebene werben, ist oft teurer als erwartet. Zwar sind diese Finanzierungsangebote an sich zinslos, aber eben nicht gebührenfrei. Unter Berücksichtigung aller anfallenden Gebühren entwickeln sich die scheinbar so preiswerten Finanzierungen recht schnell zu einem teuren Unterfangen.

Auch eine Null-Prozent-Finanzierung ist ein Kredit
Viele Null-Prozent-Finanzierungen werden den Verbrauchern beim Kauf ohne Nachfragen gewährt. Welche Einnahmen in dem Haushalt tatsächlich vorhanden sind oder wie viele dieser Kredite der Verbraucher bereits hat, spielt hier meistens keine Rolle. “Für viele Verbraucher ist das fatal, denn wenn viele dieser Kredite abgeschlossen werden, ist die Schuldenfalle oft nicht weit. Verbraucher sollten immer bedenken, dass auch eine Null-Prozent-Finanzierung ein Kredit ist. Dieser Kredit beruht auf einem Vertrag, der mit einer kooperierenden Bank abgeschlossen wird. Diese Bank möchte natürlich an dem Vertrag Geld verdienen.”, betont Ida Becker von FITFORMONEY.

Sowohl Handel als auch Banken verdienen an dem Vertrag
Viele Verbraucher haben gerade beim Abschluss einer Null-Prozent-Finanzierung in der Regel ein sehr gutes Gefühl und denken an ein Schnäppchen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Händler diese Finanzierungslösung nur zeitweise anbieten. Tatsächlich sind die Finanzierungen beim Laptopkauf aber so kalkuliert, dass sowohl der Handel als auch die kooperierende Bank verdienen. Oft muss der Händler bei der Bank für den abgeschlossenen Vertrag eine vereinbarte Gebühr bezahlen. Diese zahlt er natürlich nicht von seiner Marge, sondern schlägt diese auf den Preis auf. Damit wird der Laptop bereits oftmals teurer verkauft als es ohne Finanzierungslösung der Fall wäre.

Die Bank verdient in zweifacher Hinsicht an jeder abgeschlossenen Finanzierung. Zum einen bekommt sie Gebühr vom Händler und zum anderen werden ihr Daten des Kunden zugespielt. Damit ist der erste Kontakt zwischen Verbraucher und Finanzunternehmen hergestellt. Der Kunde kann bei weiteren Werbeaktionen direkt angesprochen werden.

Jede Finanzierung ist ein Risiko
Die Preisunterschiede sind bei Notebooks hoch. Oft sind sich Verbraucher daher unsicher, ob sie einen eher teuren, dafür aber leistungsstarken Laptop per Finanzierungskauf oder ein preiswertes Modell, das vielleicht eine schwächere Ausstattung hat, per Barkauf erwerben sollen. Grundsätzlich ist gegen einen Finanzierungskauf nichts einzuwenden, wenn sich Käufer den oftmals höheren Gebühren und dem Schuldenrisiko bewusst sind. Wenn mehrere Finanzierungen abgeschlossen werden und kleine Zahlungen für lange Zeit umfassen, tappen Verbraucher schnell in die Schuldenfalle.

Darüber hinaus haben die Finanzierungen eine weitere Schwachstelle. Wirklich beraten können die Mitarbeiter im Handel die Verbraucher hierzu nicht. So werden oftmals noch Versicherungen in die Verträge eingeschlossen. über die der Verbraucher nicht informiert wird. Die damit verbundenen Gebühren machen den Kauf aber teurer. Abgezahlt werden die Versicherungsbeiträge an dieser Stelle oft gemeinsam mit den monatlichen Raten.

Bildquelle: pixabaykaboompics

© Schwäbische Post 23.09.2019 10:03
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