Robuste Alleskönnerin in Gelb

Sommerblumen Die schmucken Ringelblumen zählen zu den wichtigsten Heilgewächsen. Als Mischkulturpartner sorgen sie auch für gesunden Boden.
  • Allein schon der Anblick wirkt heilsam, zumindest aufs Gemüt
    Fotos: Helga Schneller (2); pixabay

Ein Bauerngarten ohne Ringelblumen war früher schlicht undenkbar. Jede Bäuerin wusste um die Vorzüge der Gartenpflanze mit den leuchtend orange-gelben Blüten: Ringelblumen (Calendula officinalis) wachsen völlig unkompliziert und blühen von Juni bis zum ersten Frost. Sie fördern die Bodengesundheit und sind daher ein idealer Beetpartner für alle Gemüsepflanzen. Und nicht zuletzt zählen Ringelblumen zu den bewährtesten alten Heilpflanzen, die zur Grundausstattung der Hausapotheke gehören.

Bereits Hildegard von Bingen empfahl die „Ringula“ im 12. Jahrhundert für die Behandlung von Ekzemen. Bei Verdauungsbeschwerden oder Frauenleiden wurde gerne ein Tee mit Ringelblumenblüten getrunken. Sogar als Geburtsbeschleuniger und Krebsmittel sollte die Pflanze alten Kräuterbüchern nach Wirkung zeigen. Am bekanntesten ist der Korbblütler aber bis heute als Heilkraut zur Wundbehandlung und Hautpflege. Ringelblumenblüten enthalten unter anderem ätherische Öle und besonders reichlich Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), wie zum Beispiel Carotin. Sie wirken entzündungshemmend, fördern die Wundheilung und beruhigen gereizte Haut. Umschläge mit Ringelblumentee oder -Tinktur können bei Wunden und Hautausschlägen helfen.

„Omas Handcreme“

Ringelblumensalbe mit Schweineschmalz ist als „Omas Handcreme“ altbekannt. Weniger deftig und nicht so fettig sind Salben-Rezepturen mit Bienenwachs und Kakaobutter, die leicht selbst hergestellt werden können. Auch in käuflichen Hautcremes, zum Beispiel für die Babypflege, steckt oft Ringelblumenextrakt. Calendula ist durch und durch eine Sonnenpflanze, die mit ihrer Strahlkraft auch das menschliche Gemüt berührt. Volkstümliche Namen bezeichnen die Sommerblume liebevoll als Sonnenwirbel, Mariengold, Glücksblümchen oder Morgenröte. Ursprünglich in Nordafrika beheimatet, kommt die Pflanze problemlos auch mit unserem europäischen Klima zurecht.

Im Juni und Juli, wenn die Sonne ihren Höchststand erreicht, steckt auch die Ringelblume randvoll mit Heilkraft. Wer die leuchtenden Blüten für Tee oder Salbe ernten möchte, sollte die Morgen- und Vormittagsstunden eines sonnigen Tages wählen, bevor in der Mittagshitze wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen.

Essbare Dekoration für Salate

Als Teezutat werden die Zungenblätter abgezupft und ausgebreitet auf einem Tablett getrocknet. Frische Blütenblätter sind auch eine hübsche essbare Dekoration für Salate oder Kräuterquark. Zur Salbenherstellung verwendet man die Blütenköpfe im Ganzen. Weil die Ringelblume ihre positiven Eigenschaften auch dem Gemüsegarten zugute kommen lässt, gilt sie praktisch als Symbolpflanze der Biogärtner. Calendula wirkt durch bestimmte Wurzelausscheidungen gesundend auf den Boden. Als Mischkulturpartner verträgt sie sich mit allen Gemüsearten und Kräutern, kann sich wegen ihrer Wüchsigkeit im Beet aber auch sehr breit machen.

Überzählige Ringelblumen lassen sich jedoch leicht herausreißen und klein geschnitten als Mulch fürs Gemüse verwenden.

Leicht klebrige Blüten

Am besten gedeiht die Zier- und Heilpflanze in nährstoffreichem, feuchtem Boden an einem vollsonnigen Platz. Ausgesät wird die einjährige Ringelblume im April/Mai gleich an Ort und Stelle. Ein Vorziehen ist bei ihrem rasanten Wachstum nicht nötig. Innerhalb weniger Wochen bilden sich bis zu 60 Zentimeter hohe Pflanzen mit stabilem, kantigem Stängel und kräftigen, behaarten Blättern. Die klassischen Ringelblumenblüten leuchten ungefüllt in Orange und Gelb und sind eine ausgezeichnete Weide für Honig- und Wildbienen. Dazu gesellen sich diverse Züchtungen mit gefüllten oder pastellfarbenen Blüten sowie besonders niedrigem Wuchs. Charakteristisch ist die leichte Klebrigkeit der Blüten und der krautig-aromatische Geruch der ganzen Pflanze.

Eingeringelte Würmchen

Blühen und Samenbildung laufen bei Calendula Hand in Hand. Ständig schiebt sie neue Knospen und Blätter, während in verwelkten Blütenständen die Samen heranreifen. Ihre Form verhalf der Ringelblume zum Namen, denn die gekrümmten Samen sitzen wie festgekrallt um den Blütenboden oder erinnern an eingeringelte Würmchen. Wird Verblühtes regelmäßig abgeschnitten, revanchiert sich die Ringelblume mit noch länger anhaltender Blütenpracht. Wo die reifen, braunen Samenkörner ausfallen, sorgt die Ringelblume für reichlich Pflanzennachwuchs, der oft noch im selben Jahr aufgeht. So überrascht Calendula oft noch im Novembergrau mit letzten Strahleblüten, bevor die ersten Fröste der Herrlichkeit ein Ende setzen.

Ringelblumensalbe selber machen

Frisch geerntete, ganze Blütenköpfe ungefüllter Sorten auf einem Küchentuch kopfüber ausschütteln (nicht waschen), um kleine Insekten zu entfernen. Olivenöl im Wasserbad erwärmen und Blüten einlegen, so dass sie von Öl bedeckt sind. 24 Stunden ausziehen lassen, dann abseihen. Öl wieder erwärmen, auf 100 ml Öl 10 g Bienenwachs-Plättchen abwiegen und im Öl schmelzen lassen. Noch pflegender wird die Salbe durch Hinzugabe von 15 g Kakaobutter-Plättchen (beides gibt es in der Apotheke oder per Internet-Versand). Flüssige Öl-Wachs-Mischung vorsichtig in Töpfchen füllen, erkalten lassen und verschließen. Sparsam verwenden.

© Schwäbische Post 24.08.2018 16:27
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