Stachliger Freund der Tiere

Nahrung Die anspruchslosen Karden-Gewächse bieten im Winter wie im Sommer Futter für Tiere und zieren als lebende Skulpturen den naturnahen Garten.
  • Verblühte Karden ziehen den Stieglitz an. Zudem fliegen Insekten auf die nektarreichen Blüten der Wilden Karde.
    Fotos im Uhrzeigersinn: Pixabay, natur-blog.de, Agnes Pahler

Wir kennen Karden vom Straßen- und Wegrand, und weil diese Pflanzen wild wachsen, sind sie für viele schlicht Unkraut. Dabei geben Karden stattliche und überaus ornamentale Skulpturen ab. Gerade im Winter stehen sie unbeeindruckt von jeglichen Witterungseinflüssen und bewahren Haltung bis weit ins Frühjahr hinein. Sieht man sich die dürren, braun gewordenen Gewächse genauer an, offenbart sich ihre Schönheit in allen Details.

Stacheln überall

Denn Karden sind über und über bestachelt - an den Stängeln laufen Reihen von Stacheln herab, die Mittelrippe der Blätter ist an der Blattunterseite mit Stacheln besetzt, die spitzen Hochblätter des Blüten- und späteren Samenstandes haben stachelige Ränder, und spitz stechen die Spreublätter zwischen den vielen Einzelblüten hervor. Das alles zusammen ergibt eine nachgerade gotische Spitzenpracht. Das freut die Vögel.

Nahrungsspender für Vögel

Es lohnt sich daher, Karden zu dulden, sie vielleicht sogar anzusiedeln. Obendrein bieten sie wertvolle Nahrung für die Vögel, die in unserer zersiedelten Landschaft häufig nicht mehr genug Futter finden. Die Samenfresser unter den heimischen Vögeln jedenfalls nehmen die trockenen Samenstände der Karden bereitwillig an. Mit ziemlicher Sicherheit finden sich Stieglitze ein, die in unseren Gärten selten geworden sind. Normalerweise kommen sie nur in Siedlungsnähe, wenn die Futtersuche Erfolg verspricht. Wenn die Stieglitze aber erst einmal den Samenstand einer Karde entdeckt haben, lassen sich sie sich ganz in Ruhe beobachten. Körnchen für Körnchen picken sie heraus.

Anspruchsloser Standort

Um Karden anzusiedeln, kann man Pflanzen in Staudengärtnereien erwerben, man kann auch Saatgut kaufen, das man im Garten ausstreut. Ansprüche an den Standort stellen Karden fast nicht. In der Natur wachsen sie wild auf Ödland, meist auf Lehmböden an sonnigen Stellen, auch im Garten wollen sie einen besonnten oder halbschattigen Platz; sie vertragen Trockenheit, sogar wochenlange Dürre im Hochsommer, doch in leicht frischer Erde entwickeln sie sich besser. Oft gehen im Garten Samen auf, und man kann sich überlegen, ob die Pflanze an ihrem selbst gewählten Ort bleiben kann oder ob man sie umsetzen will. Das Umpflanzen gelingt aber nur mit jungen Pflanzen, später entwickeln Karden lange, zähe Pfahlwurzeln, die sich nur schwer verpflanzen lassen. Die Samen keimen gleich nach dem Ausfallen, und die dunkelgrüne Blattrosette bleibt den Winter über erhalten.

Bis zu zwei Meter hoch

Erst im zweiten Jahr entwickelt sich der kräftige Stängel, der eine Höhe von eineinhalb bis zwei Metern erreichen kann. An den Triebspitzen bilden sich die etwa 8 cm hohen, ovalen Blütenstände mit lila Blüten. Diese öffnen sich nach und nach, zuerst in der Mitte, dann gehen sie in Richtung oben und unten auf. Die kleinen Röhrenblüten enthalten Nektar und sind ständig von Hummeln und Faltern umschwirrt, denn nur diese können mit ihren langen Rüsseln tief genug in die Blüten eindringen und dabei die Bestäubung erledigen. Eine weitere Bedeutung für Tiere haben die Blätter, die unmittelbar, folglich stiellos, am Trieb abgehen. Die schmaleren Stängelblätter stehen paarweise, an den Ansatzstellen formen sie eine Falte, in der sich Regenwasser fängt. Diese Pfützchen dienen als Wasserspender für Vögel, die auf dem stabilen Gewächs problemlos Halt finden.

Reichlich Nachkommen

Einmal angesiedelt, sorgen die Karden selbst für ihre Ausbreitung. Die Einzelpflanze stirbt nach der Blüte ab, doch für eine reiche Nachkommenschaft sorgen die vielen Samen. Sie gehen überall auf, wo sie einen freien Platz finden, unmittelbar am Straßenrand, auf Böschungen, zwischen Beerensträuchern oder in der Staudenrabatte. Es kann reizvoll sein zu beobachten, wie das Gewächs sich Jahr für Jahr neue Plätze im Garten erobert. Reizvoll wirkt eine ganze Gruppe, die im Winter wehrhaft der kalten Witterung trotzt.

Trockene Samenstände als hübsche Winterdeko

Karden: Die trockenen, hellbraunen Samenstände eignen sich auch als hübsche Winterdekoration. Die zapfenartigen Samenstände schmücken für sich allein in einer Schale, oder man legt sie als kontrastreiche Ergänzung auf Töpfe mit blühenden Zwiebelblumen.

© Schwäbische Post 26.01.2018 09:35
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