Vielseitig, robust und farbenfroh

Augenweide Bergenien strecken das ganze Jahr über ihre Blätter aus dem Beet. Im Winter schätzt man das üppige Laub. Im Frühling die Farben der Blüte.
  • Früh im Jahr bringen die üppigen Blütenstände der Bergenien Farbe in den Garten.
    Fotos i. U. Agnes Pahler, pixabay

Zu den Pflanzen, die man als untergeordnete Begleiter im Staudenbeet betrachtet, zählen die Bergenien. Doch wie bei der Dienerschaft so üblich, sind sie unentbehrlich, und das an vielen Stellen im Garten. Bergenien nimmt man erst im Winter richtig wahr. Denn dann stechen die glänzend dunkelgrünen Blätter über blanker Erde oder vor dem Einheitsgrau auffällig hervor. Groß, rund und fleischig trotzen sie der kalt-nassen Witterung. Die grüne Färbung tritt im Februar zurück, dafür überzieht eine dunkelrote Färbung das Blatt. Im Sommer dagegen schimmert nur die Blattunterseite rot, so dass eine Gruppe von Pflanzen mit variabel gestellten Blättern unterschiedliche Farben zeigt.

Als Saum am Staudenbeet

Wie sehr so ein Band aus Bergenien schmückt, haben die britischen Gartengestalter seit langem erkannt. Traditionell säumen Bergenien die farblich fein abgestimmten Staudenbeete. In der Mitte stehen die hochwachsenden Hauptdarsteller, etwa Pfingstrosen, die nur für eine kurze Zeit prächtig blühen. Begleitet werden die Stars von zurückhaltenden, kleineren Gewächsen wie Gräsern oder Glockenblumen, die etliche Wochen lang deutlich in Erscheinung treten. Davor lagern weitgehend unbeachtet die Bergenien als Bodendecker. Sie schützen die Erde vor Austrocknung, und ihr Schatten verhindert das Aufkeimen von Unkraut. Zudem lehnen sich die breiten Blätter weit über den Beetrand hinaus. Ihre rundliche Form überdeckt die harten Kanten von Steinplatten oder befestigten Wegrändern, dadurch entsteht ein weicheres, natürlich anmutendes Bild. Glocken in allen Farbtönen.

Glocken in allen Farbtönen

Schöne Blüten bescheren uns die Bergenien außerdem: Die auffälligen Blütenstände an einem gestauchten Stängel tragen eine Vielzahl der weit aufspringenden Glocken in allen Farbtönen zwischen Weiß, zartem Rosa und sattem Rosarot. Sie öffnen sich bereits im Februar oder März und gehören damit zu den frühen Verkündern des bevorstehenden Frühlings. Oft blühen Bergenien auch schon im November, mitunter im Januar, je nachdem, wie mild die Winterwitterung ausfällt.

Die frühe Blüte im Jahr birgt allerdings immer auch das Risiko, dass die Blüten bei starkem Frost Schaden nehmen. Zwar erweist sich die einzelne Pflanze als äußerst robust, doch Blüten sind immer empfindlich, so dass sie sogar bei den Bergenien nach anhaltend sehr tiefen Frostgraden zerstört sind. Aus dem fröhlich leuchtenden Flor wird dann leider ein düsteres Schwarz, das dann in braune Fäulnis übergeht.

Bergenien wachsen überall

Ist das Malheur passiert, muss man den verlorenen Blütenstand ausbrechen, damit die Fäulnis nicht bis ins Herz der Pflanze übergeht. Man kann dann nur noch auf die Blüte im folgenden Jahr hoffen oder darauf, dass die Pflanze ihr Missgeschick ausgleichen möchte, indem sie Ende des Jahres einen erneuten Versuch zum Blühen startet.

Wer nun Bergenien pflanzen will, braucht sich keine Gedanken um die idealen Standortbedingungen machen. Denn diese krautigen Pflanzen wachsen so gut wie überall, im Schatten wie in der Sonne, auf frischem Boden und an so trockenen Stellen wie auf einer Mauerkrone.

An Teichen kaschieren sie gut

Entlang von Teichen und Wasserläufen kaschieren Bergenien ein großes Dilemma: Man hat den Rand einer Wasserfläche, die jedoch durch eine Folie von der Umgebung abgetrennt ist. Jenseits davon herrscht Trockenheit, mit der die üblichen Uferpflanzen nicht zurechtkommen. Hier entwickeln sich Bergenien hervorragend, ihr üppiges Laub passt hervorragend zum erwarteten Bild des Wasserrandes.

Sehr genügsame Pflanzen

Doch obwohl Bergenien so genügsam sind, entwickeln sie sich schöner und kräftiger, wenn die Erde nicht allzu trocken ist und wenn sie gelegentlich Nährstoffe erhalten. Zwei Liter Kompost pro Quadratmeter, im Frühjahr ausgebracht, genügen.

Die wüchsigen Bergenien legen sich in die Breite und beanspruchen dadurch viel Platz, ihre Blütenstände werden grob 40 cm hoch. Es gibt jedoch auch kompakte Sorten, die auch in den beschränkten Raum eines Pflanzgefäßes passen, etwa „Baby Doll“ mit zartrosa Blüten in gut 20 cm Höhe. Sie bildet im Kübel zum Beispiel eine immergrüne Krause unter einem im Winter blattlosen Zierapfel. Daraus könnten dann gegen Spätwinter kleine Narzissen hervorlugen, die man im Topf kaufen kann und dazwischen einsetzt. Jede gewöhnliche Kübelpflanzenerde eignet sich für so eine Kombination.

Jungpflanzen werden schnell groß und stark

Bergenien gehören zu den Gartengewächsen, die man leicht selbst vermehren kann. Am einfachsten ist es, im März oder April Horste aus der Erde zu nehmen und zu teilen. Man hebt den Wurzelstock mit einer Grabegabel hoch und erkennt dann schon die Seitentriebe, die selbst Wurzeln ausgebildet haben. Solche Tochterpflanzen kann man abbrechen und wieder neu einpflanzen. Die Jungpflanzen erstarken im Verlauf der Vegetationsperiode rasch. Man kann auch den Wurzelstock ausgraben und mit dem Messer Teilstücke abschneiden. Jedes Stück muss eine Knospe aufweisen. Die Stücke pflanzt man dann in eine Schale oder in einen Topf mit einem Gemisch aus Topferde und Sand. In dieser behüteten Umgebung pflegt man die Schnittlinge für mehrere Wochen an einem hellen, wärmeren Ort, vielleicht im Frühbeet oder im Kleingewächshaus. Haben sich kräftige Wurzeln gebildet und treiben die Pflänzchen offensichtlich aus, können sie ihren Platz im Garten einnehmen.

© Schwäbische Post 23.02.2018 16:22
845 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.