Wenn Jugendliche die Welt erkunden wollen

Führerschein Viele Schüler freuen sich auf die erste mobile Unabhängigkeit und möchten mit 16 Jahren den kleinen Motorradführerschein für 125 Kubikzentimeter machen. Was Eltern hierbei beachten sollten.
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Gerade 16 Jahre alt und schon auf einem Motorrad durch die Gegend brausen? Für viele Eltern eine Horrorvorstellung. Experten raten zur Gelassenheit und zur richtigen Ausbildung.

Wenn Jugendliche in der Pubertät unbedingt einen Motorradführerschein machen wollen, haben viele Eltern ein ungutes Gefühl. Doch was tun sie, wenn der Nachwuchs die motorisierte Freiheit auf zwei Rädern erleben will? Ein Verbot ist keine Lösung. Denn dann machen die Jugendlichen den Motorradführerschein eben mit 18 Jahren und starten mit stärkeren Bikes – ganz ohne Erfahrung.

Gut informieren, lautet die Devise – und die Kinder begleiten. Mit der Fahrerlaubnis A1 dürfen Jugendliche ab 16 Jahren Zweiräder mit 125 Kubikzentimeter (ccm) Hubraum und bis zu 11 kW/15 PS fahren. Den Führerschein-Unterricht dürfen sie mit 15½ Jahren beginnen, das Dokument bekommen sie aber frühestens am 16. Geburtstag. Der sogenannte kleine Motorradführerschein kostet je nach Region und Zahl der Fahrstunden durchaus bis zu 2000 Euro. „Das klingt teuer“, sagt Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein. Aber es sei eine Komplettausbildung, die etwa auch Fahrten in Dunkelheit oder auf der Autobahn beinhaltet.

Ein Vorteil: Fängt man ein Jahr später an, den Autoführerschein (Klasse B) zu machen, hat man bereits Fahrpraxis – und benötigt in der Regel weniger Fahrstunden. Zudem kann dann bereits die Probezeit um sein, denn die wird auf den A1 angerechnet – auf kleinere Moped-Führerscheine für 50 ccm jedoch nicht.

Die beste Fahrschule finden

Die beste Fahrschule finden Schüler zum einen durch persönliche Empfehlungen von Freunden oder Bekannten. Zum anderen gibt es ein paar objektive Kriterien: „Von Vorteil ist es, wenn der Fahrlehrer in den ersten Fahrstunden seinen Schüler mit einem eigenen Motorrad begleitet und nicht im Auto hinterher fährt“, sagt Bartels. „Gut sind diejenigen Fahrschulen, die eine gewisse Affinität zu Motorrädern haben“, bestätigt auch Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Das bekommen Jugendliche aus seiner Erfahrung meist nur durch Berichte von anderen Fahrschülern mit. Eltern könnten im Freundes- oder Kollegenkreis nach Tipps für Fahrschulen fragen, die für ihre Kinder in Frage kommen. Im jugendlichen Alter entwickelt sich laut Bente das Gefahrenbewusstsein für den Straßenverkehr erst. „Junge Fahrer müssen deshalb intensiv geschult werden, damit sie immer mit der Dummheit aller anderen Verkehrsteilnehmer rechnen“, sagt der Experte. Das Thema Fahrsicherheit sollte im Unterricht also ganz besonders im Fokus stehen. Dazu zählt das Bewusstsein für defensives Fahren ebenso wie falsch eingeschätzte Geschwindigkeit – und Sturzgefahr. „In einem guten Unterricht wird dem Fahrschüler der Indianerblick beigebracht: alles sehen und Gefahren frühzeitig erkennen“, erklärt Bartels.

Schutzkleidung ist Pflicht

Bevor sich Schüler zum Unterricht anmelden, sollten sie sich das Fahrschulmotorrad zeigen lassen und Probe sitzen. „Die Sitzposition muss bequem sein und der Fahrer muss mit beiden Füßen vollständig den Boden berühren“, sagt Bartels. Das Fahrsicherheitssystem ABS für 125- ccm-Maschinen bietet einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor. Die Schutzkleidung sollte passen und in gutem Zustand sein. Dazu zählen Helm, Stiefel, Hose, Handschuhe und Jacke mit integriertem Rückenprotektor. Am besten sei es, wenn der Fahrer sie selbst schon hat und mitbringt, so Bartels. „Denn diese passt einwandfrei.“ Dafür muss man allerdings mehrere Hundert Euro einkalkulieren. Wer das Geld nicht hat, dem stellen die Fahrschulen die Ausrüstung.

Trotz sinkender Unfallzahlen leben Motorradfahrer gefährlich, das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im Jahr 2017 kamen 3180 Menschen auf deutschen Straßen ums Leben, davon 624 Motorradfahrer – obwohl sie nur einen kleinen Teil des Verkehrsaufkommens ausmachen. Vorläufige Zahlen zeigten bereits, dass 2018 noch einmal mehr Biker tödlich verunglückt sind. Eine gute Ausbildung für junge Motorradfahrer ist also zwingend notwendig. Bartels rät Eltern, bei den Anmeldegesprächen dabei zu sein. Manche Fahrlehrer bieten ihnen zudem an, sie bei Fahrstunden zu begleiten. „Sobald junge Menschen aufs Motorrad steigen, haben sie aber einen natürlichen Respekt“, berichtet Bartels. dpa

© Schwäbische Post 02.08.2019 15:58
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