Alternative Antriebe und wie sie wirklich zur Energiewende beitragen

Unter den Top-5 der Treibhausgasproduzenten der Welt liegt der Verkehr auf Platz 3. Mehr CO2 wird nur noch durch die Energieerzeugung mit 39% des deutschen CO2-Ausstoßes und die Industrie mit 20% des deutschlandweiten CO2-Ausstoßes erzeugt.

Darauf folgen schon alle Verkehrsmittel und Fahrzeuge gemeinsam – die gesammelt 165 Millionen Tonnen CO2 in Deutschland ausstoßen. Und diese Zahl entsteht ohne die von Deutschland ausgehenden oder eingehenden Auslandsflüge. Wenn diese noch in die Statistik eingerechnet würden, würde der Verkehrssektor mehr Treibhausgase produzieren als die Industrie.

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema Alternative Antriebe und wie wir sie in verschiedenen Sektoren für uns nutzbar machen können.

Der Verkehr verursacht 194 Tonnen CO2 jährlich

Bei den täglichen Fahrten zur Arbeit, in den Urlaub, aber auch im durch den Güterverkehr kommen enorme Mengen an Treibhausgasen jährlich zusammen, wie die Zahlen des Umweltbundesamts zeigen. Alternative Antriebe sind daher ein wichtiges Mittel, um den Ausstoß von Treibhausgasen insgesamt zu reduzieren.

Aber welche Antriebsformen sind tatsächlich am umweltfreundlichsten? Und welche Antriebsformen sind tatsächlich praxistauglich? Denn LKW im Fernverkehr können kaum mit einer Batterie wirtschaftlich fahren, wenn die Batterie nur genug Energie für wenige hundert Kilometer speichern kann.

Am Beispiel LKW zeigt sich schon, dass das gegenwärtige Verkehrskonzept nicht in dieser Form mit einer klimafreundlichen Verkehrspolitik kompatibel ist. Der massenhafte LKW-Verkehr wird so nicht dauerhaft weiter betrieben werden können. Konzepte, um weiterhin möglichst viele Güter auf der Straße transportieren zu können, beispielsweise Oberleitungen auf Autobahnen wie bei Eisenbahnen, sind noch ferne Zukunftsmusik.

Besonders der Güterverkehr kann stark von einer Verkehrspolitik profitieren, die Anreize schafft, die Güter per Eisenbahn oder Binnenschifffahrt zu transportieren. Alternative Antriebe für LKW werden dann für die letzte Meile interessant werden – und hier sind auch Konzepte rund um Elektromobilität denkbar.

Alternative Antriebe für den individuellen Personenverkehr

Während im Güterverkehr der Treibhausgasausstoß durch eine umweltpolitisch motivierte Verkehrspolitik bereits mit den heutigen Möglichkeiten deutlich begrenzt werden könnte, sind ähnliche Einsparungen im Personenverkehr nur mit alternativen Antriebskonzepten zu erreichen.

Allen Prognosen zufolge, wird der Personenverkehr – wie der Güterverkehr auch – im nächsten Jahrzehnt deutlich ansteigen. Am größten wird der Anteil des Flugverkehrs am Personenverkehr ansteigen. Auch hier könnte ein verstärktes Umweltbewusstsein des Einzelnen dazu führen, dass mehr Personen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie die Eisenbahn umsteigen.

Aber der Anteil der PKW am CO2-Ausstoß steigt trotz besserer und sauberer Antriebe immer weiter. Das sich der Anteil des Individualverkehrs in den nächsten Jahren effektiv verringern lassen wird, ist eher unwahrscheinlich. Während im urbanen Raum die öffentlichen Verkehrsmittel schon jetzt teilweise an der Kapazitätsgrenze verkehren, gibt es im ländlichen Raum keine realistischen Alternativen zum Auto.

Immer mehr Menschen sind für die Anforderungen des Klimawandels sensibilisiert und sind bereit einen eigenen Anteil an der Bewältigung dieser Herausforderung zu tragen. Eine Umfrage der Deutschen Energie Agentur DENA zeigte, dass ein deutlich größerer Anteil der Deutschen bereit sind, beim nächsten Autokauf ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb zu erwerben, als noch vor wenigen Jahren (60% in 2018 verglichen mit 50% in 2017).

Aber welcher Antrieb ist tatsächlich aus ökologischer Perspektive am umweltfreundlichsten? Kein zweites Antriebskonzept ist gegenwärtig so präsent in der öffentlichen Debatte wie der Elektromotor. Tatsächlich bietet Strom die Möglichkeit, ein Auto komplett CO2 neutral zu betreiben – wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen worden ist. Eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach und eine Wallbox in der Garage bietet sogar die Chance, fast umsonst Auto zu fahren.

Aber das E-Auto ist durch seine energieaufwändige Herstellung erst nach einigen Jahren umweltfreundlicher als ein konventioneller Benziner oder Diesel. Wer also jetzt noch ein konventionelles Fahrzeug besitzt, der kann wesentlich mehr für das Klima tun, indem er das Fahrzeug nicht verschrotten, sondern umbauen lässt.

Der Umbau eines konventionellen Autos zu einem Gas-Auto ist vergleichsweise einfach und umweltfreundlich. Ein zum Betrieb mit Gas umgebautes Auto ist Berechnungen des Grazer Joanneum Reseach Instituts zufolge umweltfreundlicher als ein mit typisch deutschem Strommix betriebenes E-Auto.

Alternative Antriebe sind unzweifelhaft die Zukunft, sowohl für den Güter- wie den Personenverkehr. Welcher Antrieb für jeden persönlich am sinnvollsten ist, ist von vielen Faktoren abhängig. Wenn ein neues Fahrzeug angeschafft werden muss, dann ist ein E-Auto für viele Menschen am sinnvollsten.

Auch Wasserstoff ist ein Energieträger, der großes Potential für umweltfreundliche Mobilität hat. Wessen Auto noch in gutem Zustand ist, der verhält sich mit einem Umbau am umweltfreundlichsten, der anschließend das Auto mit Biogas betreibt.

(Die Zahlen stammen aus der Statistik des Umweltbundesamtes, Klimabilanz 2018)

Photo by Jacek Dylag on Unsplash

© Schwäbische Post 18.03.2020 13:29
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