Ratgeber Fahrzeug-Sicherheit: Irrtümer zur Bremsscheiben Verschleißgrenze

Eine solide Bremsanlage ist für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr unverzichtbar. Bei Scheibenbremsen wirken Bremsbeläge auf die Bremsscheibe und verzögern damit die Drehbewegung. Die eigentliche Bremsfläche befindet sich auf Bremsscheiben. Sie müssen enormen thermischen und mechanischen Belastungen standhalten. Wird der Verschleißzustand falsch eingeschätzt, kann das fatale Folgen haben. In diesem Zusammenhang ist die sogenannte Verschleißgrenze ausschlaggebend. Ein Blick auf die Fakten klärt auf.

Die Bremsscheibe als sicherheitsrelevantes Bauteil

Die Bremsscheibe ist wesentlicher Bestandteil der Bremsanlage. Sie ist von der Bremsfläche geprägt, auf welche die am Bremssattel befestigten Bremsbeläge einwirken. Mängel an der Bremsanlage sind leider keine Seltenheit und regelmäßig Ursache von Verkehrsunfällen. Nicht selten sind Schwerverletzte und immense Sachschäden die Folge. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt zu den Ergebnissen der Fahrzeuguntersuchungen 2018 bestätigt, wurden an über sieben Millionen Personenkraftwagen Mängel festgestellt. Dabei belegten Mängel an der Bremsanlage mit 19 Prozent den dritten Platz der Fehlerquellen. 4,4, Millionen Pkw wiesen erhebliche Mängel auf. Im November 2018 meldete der TÜV-Verband bereits einen Anstieg der Quote von Autos mit erheblichem Mangel auf 21,2, Prozent (wir berichteten).

Minderwertige Komponenten können ein Grund für technische Defekte sein. Viele Hobbyschrauber bestellen Bremsscheiben im Internet, um die Kosten zu minimieren. Das damit verbundene Risiko für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer wird oft unterschätzt. Teilweise schwächen bei Billigteilen Porosität und Mikrorisse das gesamte Materialgefüge und sorgen im Ernstfall für das Versagen der Bremsanlage. Hinzu kommt, dass bei unseriösen Angeboten spezifische Kennzeichnungen fehlen und im Schadenfall niemand für Defekte haftbar gemacht werden kann. Um vorzubeugen, ist der Kauf beim Fachhändler ein Muss. Auf das Sparpotenzial des Internets muss dabei nicht verzichtet werden, da hochwertige Produkte führender Marken auch in Onlineshops vertreten sind. Beim unabhängigen Autoteile-Preisvergleich DAPARTO lassen sich Ersatzteile von seriösen Händlern ermitteln und über einen einheitlichen Bestellprozess online kaufen. Die individuelle Such-Funktion erlaubt die anbieterübergreifende Recherche nach passenden Kfz-Teilen. Teil des Angebots sind Bremsscheiben für alle Fahrzeuge von Audi bis Volvo. Das passende Modell wird über den Fahrzeugkatalog oder die KBA-Nummer ermittelt. Unter der genannten Nummer, die in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 zu finden ist, sind Fahrzeugtypen beim Kraftfahrt-Bundesamt registriert. Die KBA-Nummer erlaubt somit die präzise Teileauswahl.

Bremsscheiben bei neuen Fahrzeugtypen müssen seit November 2016 der ECE-R90-Norm gerecht werden. Diese Vorschrift ist international einheitlich, soll die Verkehrssicherheit erhöhen und einen Mindest-Qualitätsstandard gewährleisten.

Die Lebensdauer von Bremsen - auch Bremsbeläge verschleißen

Ein weiterer Vorteil von Qualitätsbremsen ist ihre Lebensdauer. Bei minderwertigen Bremsschreiben ist teilweise bereits nach 30.000 Kilometern Schluss. Markenbremsscheiben sind deutlich strapazierfähiger und leisten bis zu 150.000 Kilometer treue Dienste. Wie die Bremsscheibe sind Bremsbeläge Verschleißteile. Sie müssen im Vergleich häufiger gewechselt werden, um eine ordentliche Bremswirkung zu gewährleisten. Etwa 30.000 bis 60.000 Kilometer gelten als Orientierung. 

Bei Trommelbremsbacken ist ein Wechsel bei spätestens einem Millimeter Restbelag erforderlich. Bremsklötze sollten bereits bei Unterschreiten der 2-Millimeter-Grenze ausgetauscht werden. Moderne Scheibenbremsen umfassen Beläge mit Verschleißanzeigen, welche entweder mechanisch oder elektrisch melden, wenn es Zeit für einen neuen Satz Bremsbeläge ist. Dies kann über ein Kratzen erfolgen, das den Fahrer akustisch auf die Fälligkeit hinweist oder via Leuchte im Cockpit. Bei schonender Fahrweise und geringer Beanspruchung behalten hochwertige Bremsbeläge über 100.000 Kilometer ihre Funktion.

Verschlissene Bremsscheiben erkennen

Als Erkennungsmerkmal einer verschlissenen Bremsscheibe wird gern ein sicht- sowie fühlbarer Grat auf der Oberfläche herangezogen. Dieser Grat kommt durch den Materialverschleiß zustande, den die Bremsbeläge durch Reibung verursachen. Weil die Beläge nicht die gesamte Bremsscheibe verdecken, kommt es nur teilweise zu Abrieb. Dies erklärt die entstehenden Unterschiede der Materialstärke von gebrauchten Bremsscheiben. Ob die Bremsschreibe ausgetauscht werden muss, lässt sich allerdings nur bedingt über diesen Grat bestimmen. Stattdessen handelt es sich lediglich um eine grobe Orientierung. Ausschlaggebend ist die sogenannte Verschleißgrenze. Mit diesem Wert begrenzen Hersteller die Lebensdauer der Bremsscheibe. Gemeint ist die Mindestdicke der Bremsscheibe. Wird dieser Wert erreicht, muss das Bauteil ersetzt werden. Kommt es zum Unterschreiten der Mindestdicke und es wird kein Austausch vorgenommen, kann die Bremsscheibe brechen oder gar reißen.

Allgemein gilt:

  • Mit der Angabe der Mindestdicke definieren Hersteller die Verschleißgrenze von Bremsscheiben.
  • Der Wert wird auf dem äußeren Rand beziehungsweise dem Scheibentopf in Millimeter eingestanzt.
  • Mindestdicke = Minimum Thickness, kurz MIN TH
  • Die beispielhafte Angabe von „MIN TH 20,5 mm“ steht für eine Mindestdicke von 2,05 Zentimeter.
  • MIN TH ist so kalkuliert, dass bei Erreichen noch ein Satz neuer Bremsbeläge montiert werden könnte. Voraussetzung ist eine normale Fahrweise und die Berücksichtigung vorausgegangener Bremsbelag-Wechselintervalle.
  • Ist die Mindestdicke unterschritten, dürfen keine neuen Bremsbeläge verbaut werden.
  • Tiefe Riefen beziehungsweise Rillen auf der Reibringfläche der Bremsscheibe würden bei neuen Bremsbelägen dafür sorgen, dass diese nicht gleichmäßig auf der Scheibe aufliegen und überdurchschnittlich schnell verschleißen.
Gut zu wissen: Sind Bremsbeläge fällig, die vom Hersteller angegebene Verschleißgrenze der Bremsscheibe aber noch nicht erreicht, muss Letztere abzüglich des Mindestmaßes noch mindestens so viel Materialstärke aufweisen wie bereits verschlissen ist.


Um die Dicke von Bremsscheiben zu prüfen, greifen Profis zu speziellen Messgeräten, die an mehreren Messpunkten auf dem Reibring angesetzt werden. Nach Vergleichen der Messergebnisse wird der niedrigste Wert mit der Mindestdicke verglichen. Beim Unterschreiten ist der Austausch der Bremsscheibe unumgänglich. Der TÜV Rheinland informiert online über die neuen technischen Anforderungen an Bremsenprüfständen zur Hauptuntersuchung. Die Übergangsfrist zur Umstellung auf die neuen Vorgaben endete am 1. Januar 2020. Seither unterliegen eingesetzte Mess- und Prüftechniken neuen Bestimmungen, die wiederum sicherstellen sollen, dass die Prüfverfahren den modernen Fahrzeugen entsprechen und beispielsweise elektronische Bremssysteme einbeziehen.

Defekte Bremsscheiben sind ein Fall für die Werkstatt

Neben dem gängigen Verschleiß der Bremsscheiben können Defekte vorliegen, die ein Fachmann begutachten muss, um über die korrekte Vorgehensweise zu entscheiden. Typische Anzeichen für Mängel sind Riefenbildung, blaue Verfärbungen, Druckstellen an der Kontaktfläche, ungleichmäßiger Verschleiß, Risse und Korrosion der Reibringfläche. Ungewöhnliche Bremsgeräusche, schlechte Bremswirkung, pulsierende Bremspedaleffekte oder am Lenkrad auftretende Schwingungen deuten als Auswirkungen auf potenziell beschädigte Bremsscheiben hin. 

Foto: pixel2013 / via Pixabay.com

© Schwäbische Post 18.03.2020 14:33
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