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Visionen – wozu Studien dienen

Spektakuläre Autostudien sind die Hingucker auf jeder Automesse.
  • Der elektrische Retrobus „VW ID Buzz“ soll 2022 in den Handel kommen. Foto: Volkswagen AG/dpa-mag

Sie lassen in die Zukunft der Mobilität blicken. Aber sind es nur Spielereien und Fingerübungen für Designer?

„Autos haben eine Entwicklungszeit zwischen drei und vier Jahren“, sagt Paolo Tumminelli, Designprofessor von der TH Köln. Ein knackiges Konzeptauto überbrückt die Wartezeit, baut Spannung auf und erzeugt Aufmerksamkeit.

Studien können dabei zeigen, „was technisch und optisch möglich ist“, ergänzt Prof. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Außerdem testen Hersteller die Reaktion des Publikums – um daraus Schlüsse für die Serie zu ziehen.

Studien haben sich über die Jahre verändert

Die Art der Studien hat sich über die Zeit geändert. In den 1970er Jahren lag der Schwerpunkt auf Sicherheit, in den 1980er Jahren auf Aerodynamik, in den 1990er auf Tradition. Seit einigen Jahren drehen sich Konzeptfahrzeuge oft um Elektromobilität und autonomes Fahren.

Wenn Studien zu spacig aussehen, Sitze und Rückhaltesysteme ebenso fehlen wie Türen, haben sie kaum Chance auf eine Serienproduktion. Dann sollen sie lediglich eine Vision wie beispielsweise Mobilität in der Stadt in der Zukunft sein. Zu solchen visionären Studien zählen etwa Audi AI:ME, Renault Trezor, Nissan Ariya Concept, Nissan IMQ Concept, Toyota ME.WE oder Toyota Mirai Concept.

Auch „Wow-Cars“ können auf die Serie abfärben

Diese Studien lehnen sich an spätere Serienfahrzeuge an und sollen Lust auf das neue Auto machen.

Gorden Wagner
Chefdesigner

Für Autobauer wie Mercedes sind Studien Appetitanreger und Botschafter. „Diese Studien lehnen sich an spätere Serienfahrzeuge an und sollen Lust auf das neue Auto machen“, sagt Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener. Studien können eine Vision zeigen, um eine neue Botschaft zu transportieren. Mit der vor kurzem vorgestellten Vision AVTR geht Mercedes in Richtung Nachhaltigkeit.

Ein Fahrzeug, das sich wie ein Organismus verhält, das sich mit allen Sinnen erfahren lässt, Technik und Nachhaltigkeit zusammenführen will und aus recycelbaren Materialien besteht. „Showcars sind für uns Wow-Cars, irrationale Fahrzeuge, die designorientiert sind und keinen direkten Serienbezug haben, dafür aber viel Aufsehen erregen“, sagt Wagener. „Außerdem erarbeiten wir Designer uns damit neue Inspirationen, denn wir blicken bis zu zehn Jahre in die Zukunft.“ Dadurch werde die Kreativität stärker gefördert – was dann auch auf Serienfahrzeuge abstrahlt.

Der konkrete Ansatz mit Ausblick auf die Serie

Ein Fahrzeugprojekt kostet viel Geld – je nach Modell zwischen einer halben und einer Milliarde Euro. Darin enthalten sind Entwicklungskosten, Konstruktion, Produktionsanpassung und das Design. „Der Designbereich ist zwar klein, aber immens wichtig“, sagt Volkswagen-Chefdesigner Klaus Bischoff. Bei VW arbeiteten etwa 400 Designer mit mehr als 10 000 Ingenieuren und müssten zunächst die Internen und später die Kunden von einem neuen Design überzeugen. „Wir nehmen die Reaktionen auf und entwickeln die Studien bis zur Serie weiter“, sagt Bischoff. Einzelne Themen können dabei der Serie vorweggenommen werden. Die vor fast einem Jahrzehnt erstmals gezeigten digitalen Außenspiegel mit Kameratechnik gibt es jetzt im neuen Audi E-Tron.

Die Arbeiten am Retro-Bulli ID Buzz sind für Bischoff die Fortsetzung einer fast 20 Jahre langen Entwicklung. „Gesetzliche Bestimmungen wie Fußgängerschutz ließen keine Serienfertigung zu. Jetzt, mit dem neuen Elektrobaukasten, gelingt es endlich.“ 2022 soll der VW ID Buzz dann zu den Händlern rollen und verkauft werden.dpa

© Schwäbische Post 20.03.2020 15:21
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