Cannabis und die ewige Frage nach der Legalisierung

Es ist eine der großen Fragen, die die deutsche Regierung immer wieder beschäftigt. Die Legalisierung von Cannabis. Immer mehr Länder auf der Welt, machen den Schritt und machen die Droge legal erhältlich.

Beispielsweise in Nordamerika, also Kanada und vielen US-Bundesstaaten, macht die Legalisierung immer größere Schritte nach vorne. In Deutschland bekommt man das Mittel nur auf Rezept. 2017 ist medizinisches Marihuana vom Bundestag freigegeben worden. Seit Mitte Januar kann man sogar an der Börse mit dem ersten Cannabis ETF handeln. Immer mehr Länder auf der Welt legalisieren die Droge, was bedeutet, dass der Markt wohl in den kommenden Jahren ein immer stärker werdendes Wachstum erfahren wird. Ist es also nur noch eine Frage der Zeit bis Cannabis unabhängig von ärztlichen Bescheinigungen frei erhältlich ist?

Cannabis hat Tradition

Cannabis oder zu Deutsch „Hanf“ wird von den Menschen schon seit etwa 3.000 v. Chr. genutzt. Damals wurden Papier, Kleidung und auch Seile daraus hergestellt. Heute kennt man es eher aus der Produktion von Lebensmitteln und Kosmetik. Zusätzlich kennt man das Gewächs als Heilpflanze. Überall auf der Welt sollte Cannabis gegen Schmerzen, Rheuma, Fieber oder andere Beschwerden helfen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Cannabinoiden THC und CBD. Vor allem die weiblichen Pflanzen werden in der Medizin genutzt, da sie einen höheren Wirkstoffgehalt haben.

Laut dem Betäubungsmittelschutzgesetz zählen Cannabis und Cannabisprodukte zu verbotenen Suchtmitteln, außer wenn sie vom Arzt verschrieben sind. Üblicherweise wird die Droge als Haschisch oder Marihuana konsumiert. Mit speziellen Hilfsmitteln wird die Droge geraucht oder in anderen Formen eingenommen.

Medizinisches Cannabis

Im März 2017 ist das Gesetz „Cannabis als Medizin“ in Kraft getreten. Es soll regeln, wann eine Krankenkasse die Kosten für Cannabishaltige Medikamente übernimmt. Dabei kann die Pflanze in verschiedenen Formen zur Behandlung eingesetzt werden.

Einsatz findet das Medikament insbesondere bei bestimmten schwerwiegenden chronischen Erkrankungen oder auch bei Multipler Sklerose oder bei schwerer Appetitlosigkeit oder schwerer Übelkeit. Die Hauptbedingung ist jedoch, dass der Arzt der Meinung ist, dass die Mittel den Verlauf der Krankheit spürbar zum Positiven hin beeinflussen und die Symptome lindern können.

Zwar ist das Gesetzt nun seit fast drei Jahren gültig, jedoch scheint es noch immer mit der Umsetzung Probleme zu geben. Viele Ärzte sind offenbar nicht genügend informiert, was laut dem deutschen Hanfverband unter anderem an mangelhaften Weiterbildungsangeboten für die Mediziner liegt. Patienten streiten mit Krankenkassen um die Erstattung der Kosten ihrer Medizin.

Zumindest läuft der eigene Cannabis-Anbau der Bundesregierung so langsam an. Mit fertigen Arzneimitteln und Medizinprodukten made in Germany könne man laut dem verantwortlichen Bundesinstitut erst Ende des Jahres rechnen.

Eine völlige Legalisierung vorerst unwahrscheinlich

Zwar ist die Debatte um die Legalisierung des Betäubungsmittels nicht vom Tisch, sogar eher im Gegenteil, jedoch geht die amtierende Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig davon aus, dass Cannabis nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre in Deutschland frei erhältlich sein wird. Sie geht davon aus, dass auch im Jahr 2030 noch ähnliche Debatten wie heute geführt werden.

Zunächst sollte doch vorher eine einheitliche Regelung für den Cannabis-Besitz gefunden werden. Zum Beispiel unterscheiden sich die Bestimmungen bezüglich der Grenzwerte von Bundesland zu Bundesland. Die Werte schwanken hier zwischen 6 und 15 Gramm pro Person. Führt jemand eine Menge Cannabis mit sich, die geringer ist als der Grenzwert, kann die Staatsanwaltschaft von einer strafrechtlichen Verfolgung absehen, wenn die Schuld des Täters gering ist, kein öffentliches Interesse besteht oder die Droge nur für den Eigenbedarf bestimmt ist.

Wieder andere glauben und kämpfen dafür, dass die Legalisierung von Cannabis immer wahrscheinlicher wird. Ganz vorne mit dabei sind die Linke, die FDP und die Grünen, die in der Vergangenheit immer konkrete Vorschläge mit eingebracht haben, die jedoch immer zum Scheitern verurteilt waren. Vor allem führen sie an, dass einige Argumente für eine Illegalität nicht gerechtfertigt seien, da es verglichen mit Alkohol noch keine Todesfälle gegeben hat, die auch den Konsum der Droge zurückzuführen sind.

Alkohol schädlicher als Cannabis?

Im Gegensatz zu Cannabis, ist Alkohol ein Zellgift, das Zellen und Gewebe direkt schädigt. Die Folgen dabei sind, dass Organe und Gewebe bei übermäßigem Konsum verletzt werden können. Ein dauerhafter Genuss führt auf lange Sicht nicht nur zu einer Abhängigkeit, sondern auch zu Hirnschäden, die Gedächtnis- und Konzentrationsstörung zur Folge haben können oder sogar zu einer Minderung der Intelligenz führen. Die körperlichen Folgen von Cannabis sind die Erweiterung der Blutgefäße, Bluthochdruck oder einen erhöhten Puls. Beide Drogen haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf den Körper, sondern auch auf die Psyche.
Cannabis kann zu Wahnvorstellungen, Unruhe und Angst führen. Alkohol erhöht das Risiko für Gewalt und Missbrauch. Vor allem bei den körperlichen Schäden der Missbrauch von Alkohol die Nase vorn.

Vorteile der Legalisierung

Gewinne in Milliardenhöhe könnte die Bundesregierung einfahren, wenn der Verkauf von Cannabis legalisiert würde. Das hat eine Studie des Ökonoms Justus Haucap für den deutschen Handverband ergeben. Nach seinen Berechnungen könnten dadurch über 2,6 Milliarden Euro eingenommen werden. Unter anderem bei der Polizeiarbeit würden über eine Milliarde dadurch eingespart, die restliche Summe komme durch verschiedene Besteuerungen von Cannabisprodukten sowie der Produktion zustande. Zudem würden rund 20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Bild: unsplash.com, © Add Weed

© Schwäbische Post 30.01.2020 10:39
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