Rückkehr zum Free TV: Karl-Heinz Rummenigges Plädoyer

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Kinder der Neunziger kennen wohl die Werbungen, die ihre Eltern damals dazu bewegen sollten, ein Pay-TV-Abo für Anbieter wie ran und Co. abzuschließen. Denn mit einem Mal waren damals diverse Fußballspiele aus dem Free TV verschwunden. Nun musste der Zuschauer bezahlen, bevor er sich mit seinem Feierabendbier vor der Flimmerkiste niederlassen und bei den spannendsten Matches mitfiebern konnte. Diese Rechnung machten anscheinend auch Sky und DAZN, als sie sich 2017 das alleinige Übertragungsrecht bis 2021 sicherten. Doch sowohl der Pay-TV-Anbieter als auch der Streamingdienst verzeichnen seitdem geringere Zuschauerzahlen. Das ist auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nicht entgangen. Der Lippstädter plädiert deshalb dafür, die Champions League wieder im Free TV auszustrahlen. Dieser Artikel klärt auf.

ZDF muss Rechte abgeben

Da konnten die Öffentlich-Rechtlichen wohl nicht mit den Privatsendern mithalten: Vor zwei Jahren musste das ZDF seine Ausstrahlungsrechte an der Champions League abgeben, was Sky und DAZN zu den einzigen Anbietern auf deutschem Boden machte. Knapp 200 Millionen Euro kostete dieser Deal, der nun droht, sich als Flop herauszustellen. Denn in der letzten Saison gingen die Zuschauerzahlen um ganze 84 Prozent zurück – albtraumhafte Zahlen. Doch überraschend sind sie für Rummenigge nicht: Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München beruft sich in seiner Kritik auf die andere Zuschauerkultur, die in Deutschland im Gegensatz zu etwa England vorherrscht. Bei den britischen Nachbarn seien Bezahlsender Gang und Gäbe, während sie hierzulande immer noch eine Seltenheit darstellen. Knausrig sind deutsche Fußballfans im Grunde zwar nicht – Sie geben durchaus gerne Geld für Stadiontickets, Wettscheine oder Merchandise aus. Doch verständlicherweise finden sie es befremdlich, wenn sie auf einmal für etwas zur Kasse gebeten werden, was schon immer gratis verfügbar war. Vor allem, wenn sie ohnehin schon für das vermeintliche Free TV in Form von Rundfunkbeiträgen bezahlen.

Überzeugungsarbeit gefragt

Bis 2021 ist nun erst einmal nichts zu machen: Die Rechte sind einzig und allein bei Sky und DAZN und dort bleiben sie auch. Die beiden Anbieter werden auf andere Art und Weise dafür kämpfen müssen, Zuschauer für die nächsten Champions League Turniere zu gewinnen – Nicht auszudenken, was für einen Verlust das andernfalls für die Sender darstellen würde. Bereits die Umsatzzahlen der Bundesliga dürften die Betreiber vor Neid erblassen lassen. Denn dieses Turnier spielte im vergangenen Jahr knapp vier Milliarden Euro ein, was einen Anstieg von 13 Prozent bedeutet. Rummenigge zufolge muss also unbedingt vermieden werden, dass die UEFA 2021 für eine weitere Periode Sky und DAZN die alleinigen Rechte zuerkennt – Dafür ist Überzeugungsarbeit gefragt.

Gegenstimmen werden laut

Doch nicht jeder ist mit Rummenigge einer Meinung. So urteilte DFL-Chef Christian Seifert etwa, dass die Privatisierung der Champions-League-Rechte einen Präzedenzfall schaffen könne. Auch die Rechte der Bundesliga könnten nun für einen ansehnlichen Preis verkauft werden – Interessenten gibt es bereits. Denn auch wenn der Pay TV mit der Champions League einen holprigen Start hingelegt hat, hat zumindest DAZN schon ein Auge auf die Rechte der Bundesliga geworfen.
Ob den Fans das schmecken wird, wenn 2020 auch hierfür die Rechte an einen zahlungspflichtigen Streaming-Anbieter verkauft werden? Fraglich. Doch wenn sich die Zuschauerzahlen bis dahin erholen, stellt es zumindest möglicherweise ein gutes Geschäft für den Pay TV dar.

© Schwäbische Post 20.02.2019 14:38
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