Schafft es der VfB Stuttgart noch aus eigener Kraft?

Es gibt wohl Fußballjahre, die Fans und Verantwortliche gleichermaßen abschließen wollen, wenn es gerade erst losgegangen ist. Beim VfB Stuttgart startete die Saison schon mit Missgeschicken und Niederlagen. Eine Woche vor Bundesligastart flog der Club mit 2:0 aus dem DFB-Pokal und holte sich die erste Niederlage gegen einen Drittligisten ein. Die ersten fünf Spiele der Liga selbst, waren ausgeglichen, sofern man keine Siege erwartete. Drei Niederlagen, zwei Unentschieden und schon waren die Stuttgarter dort zu finden, wo sie auch jetzt noch sind: im Keller. Aber wie stehen die aktuellen Chancen so kurz vor Abpfiff?
  • Abbildung 1: Können die Stuttgarter sich in der Bundesliga halten? Aktuell ist dies nur noch über die Relegation möglich.
  • Abbildung 2: In der Relegation stehen zumindest die statistischen Chancen nicht schlecht für den VfB Stuttgart: Erstligisten gewinnen hier deutlich häufiger als die Zweitligisten.

Die Tabellensituation

Stuttgart hat in dieser Saison das Glück, dass jeweils zwei Teams noch miserabler spielen und sich auch die Konkurrenz auf den greifbaren Plätzen alles andere als erfolgreich hervortut. Die Situation:

  • Rettendes Ufer – Das rettende Ufer kann der VfB Stuttgart leider auch rechnerisch nicht mehr erreichen. Der FC Schalke 04 steht mit 31 Punkten 7 Punkte über Stuttgart. Da nur noch 6 Punkte in zwei Spielen zu verteilen sind, hat sich diese Hoffnung endgültig zerschlagen. Es gilt also, den Relegationsplatz zu halten und in der Relegation zu gewinnen.
  • Abstiegszone – auf den ersten echten Abstiegsrang 17 (1. FC Nürnberg) hat Stuttgart 5 Punkte bei einem schlechteren Torverhältnis. Hier wäre rechnerisch natürlich noch ein Abstieg drin, allerdings müsste dann schon sehr viel sehr schiefgehen. Auf Rang 18 (Hannover 96) sind es sechs Punkte, dafür ist das Torverhältnis mit -42 von Hannover noch katastrophaler.

Stuttgart selbst befindet sich somit auf dem Relegationsrang und hat es durchaus in der Hand, die Klasse über die Relegationsspiele zu halten. Und hier kommt dem Erstligisten, statistisch betrachtet, das Glück gelegen. In der Regel gewinnen die Erstligisten gegen Rang 3 der Zweiten Liga.

Restprogramm und Formkurve

Die wichtigste Aufgabe für Stuttgart ist, Platz 16 mindestens zu halten. Das Restprogramm:

  • Stuttgart – Am 33. Spieltag geht es zu Hause gegen Wolfsburg, die durchaus noch Hoffnungen auf einen europäischen Wettbewerb haben. Hier könnte Stuttgart Punkte lassen. Der letzte Spieltag findet für Stuttgart „Auf Schalke“ statt, wo nochmal spannender Fußball geboten werden könnte.
  • Nürnberg – es ist unwahrscheinlich, dass die Nürnberger noch großartig Punkte holen. Die Gladbacher kommen nach Nürnberg und zuletzt geht es nach Freiburg.
  • Hannover - Hannover tritt noch gegen Freiburg an und muss dann nach Düsseldorf fahren. Dass die Mannschaft beide spiele gewinnt, ist zumindest zweifelhaft.

Aus Stuttgarter Sicht sieht die Formkurve eher mau aus. Nur ein Sieg aus sechs Spielen, der auch noch sechs Spiele her ist. Vier der letzten fünf Partien wurden verloren. Der Auftritt in Berlin hat zudem nicht gerade Mut gemacht. Man darf gespannt sein, wie sich die Stuttgarter gegen Wolfsburg und Schalke präsentieren.

Was ist das wahrscheinlichste Szenario?

Es kann relativ sicher gemutmaßt werden, dass der VfB Stuttgart in die Relegation muss. Die Wettquoten stehen ebenfalls nicht so schlecht für Stuttgart, wie sich aus einer Übersicht über Wettanbieter entnehmen lässt.

Genau in der Statistik könnte es in diesem Jahr das Fiasko entgegen aller Statistiken geben. Denn gewannen sonst eher die Erstligisten und hielten sich somit in der Liga, ist es gut möglich, dass es sich bei dem Relegationsgegner um einen »Quasi-Erstligisten« handelt. Ein Überblick über die möglichen Gegner:

  • Union Berlin - aktuell haben sie den dritten Platz inne und würden die Relegation spielen. Für Stuttgart könnte dies ein Vorteil sein.
  • SC Paderborn - mit 54 Punkten steht der Club zwar nicht auf dem Relegationsplatz, aber er hat auch nur einen Punkt Puffer auf Union Berlin. Käme Paderborn in die Relegation, stünden sich Statistiken und scheinbare Gesetzmäßigkeiten gegenüber. Immerhin ist Paderborn der Club, der von Liga 4 einen Durchmarsch in die Bundesliga machte, den Weg sogleich in anderer Richtung beschritt - und jetzt wieder den direkten Weg nach oben wählen könnte.
  • HSV - man darf sich fragen, ob der HSV überhaupt einen Aufstieg oder den Weg über die Relegation verdient. Wer den Herbstmeistertitel so gekonnt verspielt und in den letzten fünf Spielen noch schlechter unterwegs war, als Stuttgart, der sollte in Liga 2 verbleiben. Aktuell ist der HSV punktgleich mit Rang drei, hat aber ein deutlich schlechteres Torverhältnis.

Auch Heidenheim und St. Pauli könnten die entfernteren Relegationsgegner sein, doch besteht auf diese Gegner nur noch eine rechnerische Chance. Wahrscheinlicher sind also Union Berlin, Paderborn und der HSV. Und was sagt die Statistik?

  • Stuttgart - HSV - die Clubs haben eine lange Geschichte. Jeweils 52 Mal trafen sie zu Hause und auswärts aufeinander. Die Punkte gingen jedoch 44 Mal komplett an den HSV, 22 Mal gab es ein Unentschieden. Werden jedoch alle Aufeinandertreffen gezählt, ist die Bilanz ausgeglichener: 45 Siege für die Hamburger, 45 Niederlagen.
  • Stuttgart - Union - die bisherigen Aufeinandertreffen sind recht rar gesät und gingen klar für Stuttgart aus.
  • Stuttgart - Paderborn - diese Teams haben sich ständig verpasst und trafen genau zwei Mal aufeinander. Das Hinspiel in Stuttgart ging 0:0 aus, das Rückspiel gewannen die Stuttgarter mit 2:1.

Aktuell hat Stuttgart also eine breite Auswahl an möglichen Relegationsgegnern. Es bleibt für sie zu hoffen, dass der Gegner nicht HSV heißt. Denn ist dies der Fall, ist der Abstieg durchaus realistisch.

Fazit – den richtigen Zweitligisten die Daumen drücken

Stuttgarter Fans sollten nicht allein dem eigenen Club die Daumen drücken, sondern auch den Fußballgott beschwören, dass wenigstens nicht der HSV in die Relegation kommt. Mit diesem Club wäre nämlich ein Verein der Gegner, der schon eher zu den Erstligisten gezählt werden kann. Leichter sind Union Berlin oder auch Paderborn. Auch für diese Clubs muss Stuttgart jedoch deutlich zulegen. Jede Statistik zeigt Ausschläge und mitunter könnte es der VfB sein, der den Ausschlag zugunsten des Zweitligisten offenbart.

Bildquellen:

Abbildung 1: @ karosieben (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Abbildung 2: @ simschmidt (CC0-Lizenz) / pixabay.com

© Schwäbische Post 07.05.2019 09:40
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