Sinnvoll oder Sammlerwahn: Warum sammeln Deutsche 2-Euro-Münzen?

Sie ist die größte Münze in den meisten europäischen Portemonnaies – und zugleich die Euro-Umlaufmünze mit dem höchsten Geldwert: die 2-Euro-Münze. Doch sie ist nicht nur die größte, sondern bringt mit 8,5g auch das meiste Gewicht auf die Waage. In einen silbern anmutenden Ring aus Kupfernickel ist ein gülden schimmernder Kern aus Nickel-Messing eingelassen, den eine große Zwei und eine Karte Europas zieren.

Was macht Euro-Münzen so besonders?

Als der Euro im Jahr 2002 eingeführt wurde, löste er die verschiedenen Währungen der einzelnen Länder ab. Ein Hauch des nationalen Charakters der Währung bleibt dennoch erhalten: alle Staaten, die zur Eurozone gehören, dürfen ihre Münzen mit eigenen Motiven versehen. Von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nutzen 19 Staaten den Euro: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern. Außerdem gehören Andorra, Monaco, San Marino und Vatikanstadt zur Eurozone, auch wenn Sie keine Mitglieder der Europäischen Union sind. Auch sie verfügen über Euromünzen mit eigenen Motiven. Insgesamt zieren die Euro-Münzen somit Motive aus 23 Ländern.

Der Anfang des Sammelfiebers nach der Einführung des Euro

Das Sammeln der Euro-Münzen war besonders zu Anfang der Einführung des Euro ein kleines Abenteuer – und das noch ganz ohne Sondermünzen. Denn zunächst wurden die Münzen mit den Ländermotiven auch genau in diesen Ländern ausgegeben. Erst mit der Zeit verbreiteten sich die Münzen immer mehr auch außerhalb der Ausgabeländer. Und so war es zunächst etwas sehr Besonderes, wenn man in Deutschland plötzlich eine irische 2-Euro-Münze in den Händen hielt. Oder wenn man aus dem Frankreichurlaub mit einem kompletten Satz französischer Euro-Münzen nach Hause kam.

Mittlerweile finden wir in unseren Portemonnaies ein wildes Durcheinander von Motiven aus verschiedenen Ländern. Was also eigentlich auf den nationalen Charakter der Länder verweist, offenbart sich in dieser Durchmischung nun als schönes Symbol für die europäische Einigung.

Natürlich weiß jeder von uns: Mit irischen Münzen kann ich selbstverständlich auch in Deutschland oder Slowenien bezahlen. Das Motiv auf den Münzen ändert weder etwas an dem Ort, an dem ich mit der Münze bezahlen kann, noch an der Zahlkraft. Und dennoch: einige Münzen sind auf Sammlerbörsen wesentlich mehr wert als andere. Besonders beliebt: Fehlprägungen und Sondermünzen.

Die 2-Euro-Umlaufmünzen: Welche Motive zeigen sie?

Als „Umlaufmünzen“ werden die Münzen mit den Standardmotiven bezeichnet. Damit sind jene Münzen gemeint, die gewöhnlich von der Europäischen Zentralbank ausgegeben werden und dabei keiner Sonderedition angehören. Manche Länder verwenden hier durchgehend das gleiche Motiv. So ziert der Bundesadler seit der Einführung des Euro die Rückseite aller deutschen 2-Euro-Münzen. Andere Länder hingegen haben das Motiv im Laufe der Zeit geändert. So zierte die vatikanische 2-Euro-Münze im Jahr 2002 das Abbild des Papstes Johannes Paul II. Ab 2006 wurden Münzen mit dem Konterfei Benedikt XVI. geprägt, seit 2014 erblicken wir Papst Franziskus auf der Rückseite der Münzen. Auch die niederländischen Münzen zeigten zunächst das Profil der Königin Beatrix, seit 2014 aber das Bild des neuen Königs Willem-Alexanders.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Motive der verschiedenen Länder voneinander: manche Länder verwenden die Profile berühmter Landeskinder oder Staatsoberhäupter, andere Symbole für ihre Identität, berühmte Bauwerke oder wie Estland gar einen Umriss des eigenen Landes.

2-Euro-Gedenkmünzen

Warum sammeln Deutsche 2-Euro-Münzen? Das Sammeln von 2-Euro-Münzen ist deshalb so interessant, weil seit 2004 haben alle teilnehmenden Euro-Staaten das Recht haben, Gedenkmünzen herauszugeben – und zwar in Form von 2-Euro-Münzen. Diese erscheinen jeweils in limitierter Auflage. Die Vorderseite dieser Gedenkmünzen ist mit herkömmlichen 2-Euro-Münzen identisch, die Rückseite aber ziert jeweils ein besonderes Motiv. So gab beispielsweise Spanien im Jahr 2005 eine Gedenkmünze zum 400. Jahrestag der Erstausgabe des Don Quixote heraus – mit einem Motiv des traurigen Ritters auf der Rückseite. Eine Übersicht über verschiedene 2-Euro-Gedenkmünzen finden Sie online.

Übrigens: Auch die Europäische Union selbst hat bereits Gedenkmünzen herausgegeben – so etwa im Jahr 2007 anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Römischen Verträge.

Sind Gedenkmünzen Sammlermünzen?

Nein. Zwar sammeln viele Sammler diese 2-Euro-Gedenkmünzen. Offiziell werden als Sammlermünzen aber Sonderprägungen bezeichnet. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Verwendung abweichender Motive, sondern unterscheiden sich auch hinsichtlich ihres Durchmessers, der Farbe und der Dicke von herkömmlichen Münzen. Sie lassen sich als offizielles Zahlungsmittel nur in dem Land verwenden, das sie herausgegeben hat. Tatsächlich finden sie aber kaum Eingang in den gewöhnlichen Geldumlauf, da ihr Sammlerwert (und oft auch ihr Materialwert) ihren Nennwert weit übersteigt. Diese Sammlermünzen verfügen häufig über einen besonders hohen, besonders niedrigen oder ungeraden Nennwert. So sind in Portugal Goldmünzen mit einem Nennwert von 25 Cent erhältlich, in Deutschland wiederum Goldmünzen mit einem Nennwert von 100 Euro. Belgien hat sogar Goldmünzen mit einem Nennwert von 12,5 Euro herausgegeben, Spanien wiederum eine zwölfeckige 300-Euro-Münze.

Für Deutsche besonders interessant: Die Bundesländer-Serie

In Deutschland werden seit 2006 2-Euro-Gedenkmünzen ausgegeben, die jedes Jahr ein Motiv aus einem anderen Bundesland zeigen. Abgebildet wird dabei jeweils das Land, das zu Beginn des Jahres den Bundesratspräsidenten stellt. Die Serie begann mit dem Holstentor in Lübeck und wird voraussichtlich 2022 mit der Wartburg in Thüringen enden. Gute Chancen also, hier noch einzusteigen!

Bildquelle: Pixabay user:ASSY

© Schwäbische Post 15.10.2018 09:33
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