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Bildung eine Chance geben

Zum Thema Bildung während der Corona-Pandemie:

Außergewöhnliche Zeiten benötigen außergewöhnliche Maßnahmen. Das gilt auch für den Bildungsbereich. Und in der Tat muss man sich angesichts der langen, aber gerechtfertigten Schul- und KiTa-Schließungen Sorgen um das Wohl und die Bildung unsere Kinder machen. Viel Unterrichtsstoff konnte nicht vermittelt werden, insbesondere schwächere Schüler wurden abgehängt. Die Lösung des Kultusministeriums: vierzehntägige Lernbrücken am Ende der Sommerferien. Ob die hier wirklich Abhilfe schaffen können, darf aus mehreren Gründen ernsthaft bezweifelt werden.

Herr Arnholdt scheint hier nur einen Grund für ein mögliches Scheitern zu sehen: „Der limitierende Faktor werden die Lehrkräfte sein, die sich für die Lernbrücken freiwillig melden müssen“. Herr Arnholdt vergisst leider, dass wir eh schon Lehrermangel haben, dass außerdem ca. 20 Prozent der Lehrkräfte gar nicht zur Verfügung stehen, zum Beispiel wegen Schwangerschaft oder ernster gesundheitlicher Einschränkung. Die zusätzlichen Belastungen für Lehrkräfte und Schulleitungen durch Home-Schooling, rollierenden Präsenzunterricht und Organisation des Ganzen in den vergangen Wochen und Monaten können sich sehen lassen. Sie werden sich auch im neuen Schuljahr fortsetzen. Bezüglich der angekündigten Vergütung in Geld oder Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Kultusministerium selbst Nachhilfe in Mathematik benötigt. Bei vollem Ableisten dieses Dienstes stünde den Kollegen eine Ermäßigung von einer Deputatsstunde zu. Es gibt aber nur eine halbe Deputatsstunde.

Im Konzept der Stadt Schwäbisch Gmünd „Bildungschancen 2030“ ist im Titel nur von Schülern die Rede. Bildung und Erziehung beginnen jedoch nicht erst in der Schule, sondern bereits in der KiTa. Ich weiß, dass Herrn Dr. Bläse die Bedeutung der frühkindlichen Bildung und des Spracherwerbs bewusst ist. Dennoch, auch im Bereich der KiTa herrscht Personalmangel, nicht zuletzt wegen der Belastungen in diesem Beruf und der schlechten Bezahlung. .

Im September beginnt nicht nur die Schule, sondern es beginnen auch die Verhandlungen zum neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Da geht es um die Bezahlung von Erzieherinnen und Sozialarbeitern, aber auch der Pflegekräfte in Altenheimen und Krankenhäusern - systemrelevante Berufe. Man darf auf das Angebot und das Entgegenkommen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) gespannt sein - und auf die Reaktionen der Öffentlichkeit, wenn die Beschäftigten möglicherweise zwangsläufig von ihrem Streikrecht Gebrauch machen müssen. Hoffentlich bekommen sie dann auch Beifall.

© Schwäbische Post 24.07.2020 18:51
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