Liebe Freunde vom MSC Aalen,

am Sonntag (18.7.) macht sich ein Fahrradfahrer auf den Radweg von Aalen nach Essingen, hält sich an die Radwegschilder, bringt die Steigung im Industriegebiet hinter sich - und findet plötzlich 20 Meter vor der Radwegabzweigung nach Dauerwang die Straße gesperrt mit einem rot-weissen Band und einem Verkehrsschild „Umleitung“– dahinter Bierbänke, ein Zelt, Menschen, deren T-Shirts vermuten lassen, dass es sich um ein Straßenfest des MSC Aalen handelt, also eine Situation, wie sie in diesen Tagen in jedem Dorf anzutreffen ist.
Der Radfahrer entdeckt weder hier (noch vorher) einen Hinweis auf Sperrung des Radweges nach Essingen, geht wie andere Besucher der Veranstaltung durch die Sperre, fährt langsam an Besuchern und Offiziellen vorbei und biegt auf den Weg nach Dauerwang ab.
Soweit so harmlos – ich bin den Veranstaltern dankbar, dass sie mich zurückgerufen haben und auf eine bevorstehende Auto-Ralley mit Höchstgeschwindigkeiten im Gegenverkehr aufmerksam gemacht haben. Nur – warum das Geschrei, immerhin sei’s ja in der Zeitung gekommen, die wütende Belehrung, Verkehrsschilder gälten auch für Radfahrer – und, auf meine Bemerkung, die Sperrung für eine Auto-Ralley sei für mich nicht ersichtlich, die Wertung, das sei „dummes Geschwätz“? Solche Reaktionen sind vor allem dann kontraproduktiv, wenn sie erkennbar nicht Nachdenken auslösen, ob an der Beobachtung des Delinquenten was dran sein könnte.
Auf der Weiterfahrt kommt der Radfahrer an mindesten vier Straßen- und Feldwegeinmündungen vorbei, deren Sicherung aus einem gelben Band und sonst nichts besteht, von Sicherheitsposten – wie vorne – keine Spur. Von Essingen kommend noch einige Radfahrer, darunter erkennbar Weitfahrer mit Gepäck und eine Familie mit Kindern, die vermutlich ebenso arglos vor unbewachten farbigen Kunststoffbändern stehen werden.
Sind Sie sicher, alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben? Warum sperren Sie Straßen und Wege ab, ohne deutliche Hinweise auf den Grund der Absperrung? Wo waren die Sicherungsposten?
Ist die Streckenführung für eine Ralley, bei der „Geschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern und mehr gefahren werden“ (Ihre Worte) in einem so stadtnahen Gebiet zweckmäßig, durch das ausgeschilderte Rad- und Wanderwege führen? Und, falls wirklich ja: Warum gibt’s keine Hinweise an den Stellen, die eine alternative Route ermöglichen?
In der Tat: „Zeitungslesen lohnt sich“, aber genauso lohnt sich Nachdenken - und ebenso lohnt sich die Beachtung einschlägiger Regeln der Höflichkeit, das fördert gegenseitiges Verständnis. Freundlich grüßt und hofft auf Einsicht.

Bernhard Theiss,
Aalen
© Schwäbische Post 19.07.2010 21:11
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