Rückschritt für Frauen

Zum Artikel „Katja trägt jetzt Kopftuch“ vom 3. September:
Mit großem Befremden las ich Ihren umfangreichen Bericht über die konvertierte junge Frau Katja. Wie kommen Sie dazu, sie in großer Aufmachung als moderne Heldin darzustellen? Das stellt alle Errungenschaften und Kämpfe der europäischen Frauen in den vergangenen Jahrhunderten auf den Kopf! Vor 200 Jahren lebte in Meersburg am Bodensee die erste bedeutende deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Als sie im Jahr 1843 ihr Fürstenhäusle samt Weinberg ersteigern wollte, verließen alle anwesenden Männer empört den Saal. So kam sie doch noch zu ihrem Grundbesitz. Heute können wir Frauen nicht nur Häuser kaufen, wir können sie sogar als Architektinnen bauen. Auf keinen Fall wollen wir Frauen das Rad der Geschichte zurückdrehen! Und wir wollen weiterhin den Wind in unseren Haaren spüren! So beschreibt Annette von Droste-Hülshoff in dem Gedicht von 1844 (!) „Am Türme“ ihre Verzweiflung angesichts der damaligen gesellschaftlichen Zwänge: „Wär ich ein Jäger auf freier Flur, Ein Stück nur von einem Soldaten, Wär ich ein Mann doch mindestens nur, So würde der Himmel mir raten; Nun muss ich sitzen so fein und klar, Gleich einem artigen Kinde, Und darf nur heimlich lösen mein Haar Und lassen es flattern im Winde!“Margrit Baumann, Aalen
© Schwäbische Post 11.09.2015 15:53
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