Leserbeitrag von In my humble opinion

Wasserstoffbus als Klepperle? ( P-GT vom 04. Januar 2021 )

Da wäre ich doch beinahe vor Lachen vom Stuhl gefallen …

Da gibt es, mit der gewiss guten Absicht, dem Klima aufzuhelfen, die Idee, bereits stillgelegte Bahnstrecken wieder zu aktivieren. Das mag im Einzelfall sinnvoll sein, wenn die Trassen, die Brücken, die Schienen und die übrigen Einrichtungen noch intakt sind. Ob es wirtschaftlich und vor allem klimatechnisch immer sinnvoll ist, sei noch dahin gestellt. Im Fall der Klepperle-Trasse kommen nun viele Dinge zusammen. Der Verkehr wurde seinerzeit sicherlich deshalb eingestellt, weil man sich von den vielen Kunden überrannt fühlte und nicht mehr wusste, wie man den Gewinn nach Hause tragen sollte ;-)))). Dann wurden die Bahnübergänge geplättet, die Brücke über B29 und Rems abgerissen, die Gleise ab- und die Häuser/ die Nutzung quasi an die Trasse angebaut. Nur, weil das Wort „Zuschuss“ im Raum geistert, schwappt die Euphorie über, die Euro-Zeichen blitzen in der Pupille auf, man träumt von „Zukunft“, ohne zu klären, was die neue Einrichtung einer Bahntrasse kostet und welche Antriebe auf der Strecke genutzt werden sollen. Naja, ein bisschen Realität kommt zurück, indem man von der „schienenlosen Klepperletrasse“ träumt, na, aber dann bitte wenigstens gleich mit dem, was zur Zeit Hype ist, mit einem „Wasserstoff-“ oder wenigstens mit „Elektro“bussen. Niemand kann sagen, wann man denn „Wasserstoffbusse“ kaufen kann und wann Elektrobusse nicht aus China oder Polen, sondern aus Deutschland kommen, hier wird ja noch experimentiert, das Beste oder nichts – also nichts.

Gibt es denn wenigstens Analysen, wie viele Nutzer eine schnelle Busdirektverbindung Gmünd-Göppingen vor dem Pkw bevorzugen würden ( Lorch-Göppingen gibt es ja bereits!, da könnte man fragen ) und wie viel Gewinn eine Dieselbus-Strecke GD-GP denn einfahren würde – ich korrigiere mich, wie hoch die Verluste der Strecke wären?

© In my humble opinion 06.01.2021 17:49
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Kommentare

In my humble opinion

Philipp Scherer schrieb am 07.01.2021 um 08:59

... Die Strecke Schorndorf – Rudersberg hätte einst auch stillgelegt werden sollen und fährt heute im Stundentakt. ...

Da auf der Strecke meines Wissens Dampf- oder Diesel-Zugfahrzeuge unterwegs sind, stellt sich die Frage, wie viele kg CO2 pro transportierter Person ( einschließlich Aufwendungen für sonstigen Betrieb und Unterhaltung der Strecke ) gegenüber anderen Lösungen damit eingespart werden - und was damit dieses eingesparte kg CO2 in Euro (  inklusive Zuschüsse ) kostet.

Die nächste Frage wäre, ob man mit diesen Euros auf andere Weise und nicht so nostalgisch mehr CO2 einsparen könnte.

Häberle & Pfleiderer

Philipp Scherer schrieb am 07.01.2021 um 08:59

Da hast du sicherlich Recht. Andererseits – ohne das Milliardengrab Stuttgart 21 wären genügend Mittel für solche Projekte auf dem Land da. Würde man das "Boller Bähnle" in Göppingen zusammen mit einem neu gebauten etwa 10 km langen Lückenschluss nach Holzmaden gleich mit reaktivieren, könnte man Züge von Kirchheim/Teck bis Aalen Hbf durchbinden. Einer solchen direkten Querverbindung traue ich durchaus eine gewisse Nachfrage im Pendler- und Schülerverkehr zu. Wenn man bedenkt: Die Strecke Schorndorf – Rudersberg hätte einst auch stillgelegt werden sollen und fährt heute im Stundentakt. Und so eine Riesenmetropole ist Rudersberg nun auch nicht. 
Auch abgerissene Brücken sind kein Hinderungsgrund, im Gegenteil: die Originale wären jetzt sowieso altersschwach und müssten neu gebaut werden. Genau das wird momentan für die Hermann-Hesse-Bahn von Weil der Stadt nach Calw gemacht: Kompletter Neubau zweier einst abgebrochener Brücken. 

Und warum nicht gleich in die Luft gehen? Lasst uns Stelzen Bahnen bauen, dann kommen die Leute auch mal an die frische Luft und müssen nicht immer in den stickigen Bussen und Bahnen sitzen, und zudem auch ein neues Erlebnis, Grund und Boden wachsen nicht weiter nach ...

Philipp Scherer

Da hast du sicherlich Recht. Andererseits – ohne das Milliardengrab Stuttgart 21 wären genügend Mittel für solche Projekte auf dem Land da. Würde man das "Boller Bähnle" in Göppingen zusammen mit einem neu gebauten etwa 10 km langen Lückenschluss nach Holzmaden gleich mit reaktivieren, könnte man Züge von Kirchheim/Teck bis Aalen Hbf durchbinden. Einer solchen direkten Querverbindung traue ich durchaus eine gewisse Nachfrage im Pendler- und Schülerverkehr zu. Wenn man bedenkt: Die Strecke Schorndorf – Rudersberg hätte einst auch stillgelegt werden sollen und fährt heute im Stundentakt. Und so eine Riesenmetropole ist Rudersberg nun auch nicht. 
Auch abgerissene Brücken sind kein Hinderungsgrund, im Gegenteil: die Originale wären jetzt sowieso altersschwach und müssten neu gebaut werden. Genau das wird momentan für die Hermann-Hesse-Bahn von Weil der Stadt nach Calw gemacht: Kompletter Neubau zweier einst abgebrochener Brücken. 

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