Lesermeinung

„Wohnungen im Park unterm Salvator?“, GT vom 30. Mai

In der Presse konnte man von Planungen lesen, den Salvatorpark mit einem Mehrgenerationenprojekt zu bebauen. Dazu möchte ich einige Gedanken beisteuern: 1. Ich bin ein Freund sozialer Mehrgenerationen-Wohnprojekte, dafür gibt es doch aber

absehbar in Gmünd genug Platz auch anderswo! 2. Frühere Investorenprojekte haben leider oft gezeigt, dass am Ende immer

wirtschaftliche Interessen über die langfristigen Interessen der Bürger die Oberhand hatten. Da macht es mich stutzig, wie sehr jetzt vorab betont wird, dass es diesmal ausgeprochen sozial, „ensemble-verträglich“ und ökologisch zugehen soll. Das riecht

ziemlich nach „Beruhigungspille“. Wäre ja nicht das erste mal, dass in Gmünd ein Bau dann doch ein wenig größer / höher / anders würde als es anfänglich verlautbart und genehmigt war.

3. Das gesamte Gebiet Salvator / Nepperberg ist gemäß „Lex Gamundia“ erhaltenswertes Stadtquartier. Da macht es doch wenig Sinn, die Bagger gerade an solchen Stellen oszulassen, deretwegen es sich noch lohnt nach Gmünd zu kommen. 4. Der Nepperberg und Salvator sind gemäß Klimagutachten etwas vom Wertvollsten, was wir Gmünder für unsere Versorgung mit kühler Frischluft haben. Für die zukünftige Lebensqualität in einer absehbar immer wärmer werdenden Stadt ist ein Antasten olcher Flächen im Grüngürtel der Stadt daher schlicht und einfach Frevel! 5. Warum denn die noch vorhandenen Grünflächen rund um den Salvator nicht wirklich als für die Bürger zugängliche Naherholungsoasen erhalten und gestalten? Z.B. mit kleinen Biotopen, Skulpturen und ein wenig Kultur ... .

Deshalb, liebe Entscheider in Stadtverwaltung und Gemeinderat, macht doch endlich eine

vorausschauende Stadtentwicklungsplanung und hört auf, unsere Stadt einfach nur Investoren

für deren wirtschaftliche Interessen zu überlassen. Andere Kommunen können es doch auch.

Vermutlich ist ja ohnehin schon wieder alles zu spät, aber ich bin eben einfach ein nverbesserlicher Optimist.

© Schwäbische Post 12.06.2020 20:04
1489 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben

Kommentare

Harald Seiz

Endlich erhebt jemand seine Stimme gegen die geplante Bebauung des Hangs unter St. Salvator. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass zuerst aus Kreisen der katholischen Kirchengemeinde Bedenken angemeldet würden. Aber vielleicht tut sich Münsterpfarrer Kloker in dieser causa ja deshalb ein bisschen schwer, weil er mit unserem bauwütigen OB Arnold enge freundschaftliche Bande pflegt.

Denn eines ist für mich klar. „Ensemble-verträglich“ kann der Hang unter dem St. Salvator gar nicht bebaut werden. Denn zum Salvator-Ensemble gehört auch der geamte Kreuzweg bis hinauf zur Felsenkapelle, dessen mystische Aura nicht nur gläubige Christen in ihren Bann zieht. Schon als Kind - damals noch katholisch - zog mich dieser steile Weg mit seinen Kapellen in seinen Bann. Wie unendlich weit fühlte ich mich damals doch dem geschäftigen Teiben der Stadt entrückt! Und noch heute empfinde ich den Nachhall dieser zauberhaften Abgehobenheit und Entrücktheit, wenn ich unter dem Blattwerk der stattlichen Bäume zu dieser uralten Kultstätte hinaufsteige. Nur an wenigen Stellen gaben Bäume, Strauchwerk und Büsche talseitig den Blick auf die Dächer der Stadt frei. Bei der Vorstellung, auf seelenlose, quadratisch praktische Zweckarchitektur schauen zu müssen, dreht sich mir der Magen um.

Nein, dieses Gmünder Kleinod darf nicht dem Gewinnstreben von Immobilienfirmen geopfert werden. Eine „ensemble-verträgliche" Bebauung, wie es uns die Protagonisten dieses Projektes vorgaukeln wollen, ist am St. Salvator nicht möglich.

Es war übrigens nicht der Tempel, aus dem Jesus die Händler vertrieben hat. Es war der Vorhof. Wie der Evangelist Matthäus berichtet, warf Jesus die Händler aus der Säulenhalle auf der Südseite des Tempels. Die Kommerzialisierung des Tempelkults empfand Jesus offensichtlich nicht als „Ensemble-verträglich“.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy