Lesermeinung

Zu den KIrchenaustritten:

Dass 2019 mehr als eine halbe Million Getaufter aus einer der beiden Kirchen ausgetreten ist, hat mich alarmiert. Nicht erfüllte Erwartungen und Wünsche mögen manche zum Kirchenaustritt veranlasst haben. Den Hauptgrund sehe ich jedoch in der Verweltlichung, in der Fixierung auf das Diesseits. Eine Gemeinschaft wie die Kirche, die die Erfüllung der Hoffnung nicht von dieser Welt erwartet, ist da grundsätzlich gefährdet. Die Antwort der Kirche auf diese Herausforderung kann nur lauten: Unermüdliche Seelsorge.

Ergänzend zu dem, was sich bewährt hat, möchte ich auf Felder hinweisen, auf denen noch zusätzliche Früchte wachsen können. Als erstes nenne ich die Gemeindekatechese. Die außerschulische Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung müsste ergänzt werden. So wurde es von der Würzburger Synode (1971 bis 1975) bereits vorgesehen. Der Religionsunterricht muss seinen Charakter als Religionskunde beibehalten, wenn er ordentliches Lehrfach an einer öffentlichen Schule bleiben soll. Realistische Hoffnungen verbinde ich mit einer christlichen Pädagogik in kirchlichen Kindergärten.

Wichtig ist in einer offenen Gesellschaft das Erscheinungsbild der Kirche. Wenn sie kein klares Profil hat, wird sie bedeutungslos. Die Kirche ist nicht für sich selbst da. Sie ist Zeichen und Werkzeug. Trotz der „Eigentore“(Bischof Lehmann), die sie geschossen hat, ist sie für mich Heimat, in der jener Glaube bewahrt wird, dessen Zentrum der menschgewordene Gott ist, der Ursprung und das Ziel allen Seins.

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© Schwäbische Post 10.07.2020 20:37
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Kommentare

Frieder Kohler

"die die Erfüllung der Hoffnung nicht von dieser Welt erwartet", - und schon haben Sie sich selbst einen Leberhaken verpaßt, Herr Pfarrer.  Die Bergpredigt geht im Kampf um Macht und Reichtum, im Getöse der Ausbeutung von Mensch und Natur unter und die Institution "Kirche" spielt seit Jahrhunderten eine der Hauptrollen. Sie übernehmen den Begriff "Eigentore", statt von Verbrechen zu sprechen! Marx, wir brauchen Dich, mehr denn je!

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