Lesermeinung

Zu den SchwäPo-Artikeln: „Kontaktzettel bisher nicht nachgefragt“ vom 3. November und „Klinikum: Infizierte arbeiten nicht“ vom 10. November:

Nach dem ersten Lockdown durften Gaststätten ab dem 18. Mai unter Einhaltung strenger Auflagen wieder öffnen. Eine Maßnahme war, dass alle Gäste ihre Kontaktdaten angeben mussten. Nun, fast ein halbes Jahr später, teilte das Gesundheitsamt mit, dass diese Daten nicht ein einziges Mal benötigt wurden. Warum nicht? Weil es in Gaststätten keine Kontaktpersonen ersten Grades gibt. Wenn ich mich in Gaststätten nicht mit Corona anstecke, warum sind diese dann jetzt wieder geschlossen? Sind wieder mal die falschen die Leidtragenden? Die Gaststätten haben Zeit und Geld in die Umsetzung der Maßnahmen gesteckt und müssen trotzdem schließen.

Gut, etwas müssen wir ändern, die Infektionszahlen steigen und steigen und die Gesundheitsämter sind völlig überlastet. Aber ist nicht hier unser Problem? Der erste Lockdown war Anfang März, und die Entscheidungsträger haben es in acht Monaten nicht geschafft, unsere Gesundheitsämter technisch und personell so aufzustellen, dass alle Corona-Fälle zeitnah nachverfolgt werden können. So gehen Schreiben zur Quarantäne-Anordnung erst Tage und Wochen zu spät raus. Dies ist kein Vorwurf an die Sachbearbeiter, sondern an Entscheidungsträger und Politik. Hätte Olaf Scholz die zehn Milliarden Soforthilfe für November besser in die Aufrüstung unserer Gesundheitsämter gesteckt, als mehr oder weniger gerecht an die Leidtragenden zu verteilen. (...)

Das Gesundheitsamt schickt Corona Positiv getestete und deren Kontaktpersonen in Quarantäne, und dies wird von den meisten Menschen auch so umgesetzt. Doch am Ostalb-Klinikum arbeiten positiv getestete Mitarbeiter nach zehn Tagen (...). Wie geht das? Stecken sich Patienten und Kollegen in einer Klinik nicht an? Haben wir unser Gesundheitssystem so zusammengespart, dass ein Betrieb ohne dem an Corona erkrankten Klinikpersonal nicht mehr möglich ist?

Vergessen wir nicht, Corona dauert mindestens noch ein Jahr. Bis dahin, bleiben Sie gesund und zuversichtlich.

© Schwäbische Post 11.11.2020 20:40
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Kommentare

Karin Hofmann

Sehr geehrter Herr Hochstatter,

ein Nachtrag noch, die neuesten Änderungen:

"Corona-Pandemie in Deutschland: Jens Spahn - Notfalls müssen infizierte Ärzte und Pfleger weiterarbeiten.
12. November, 19 Uhr: Polarisierende Corona-Prognose von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: In der grassierenden Covid-19-Pandemie müssten laut dem CDU-Politiker künftig notfalls auch positiv auf das Virus getestete Mitarbeiter von Kliniken oder Pflegeheimen und Ärzte arbeiten".

Karin Hofmann

Hallo Herr Hochstatter,

..."doch am Ostalbklinikum arbeiten positiv getestete Mitarbeiter nach zehn Tagen(...)"

In einem Artikel der Aalener Nachrichten von heute, Seite 13, unter "in den Kliniken nimmt die Zahl an Corona-Patienten zu" standen heute folgende Coronapatienten-Zahlen:

"Im Aalener Ostalb-Klinikum 9 Patienten isoliert auf einer Station, 2 Patienten auf intensiv. In der Ellwanger St. Anna-Virngrund-Klinik 6 Infizierte in Isolation, 1 Patient auf intensiv. Im Mutlanger Staufer-Klinikum 13 Patienten in Isolation, 4 Patienten auf intensiv".

Interessant, dort steht auch: "Mit Blick auf das Personal seien in den Kliniken Ostalb 24 Mitarbeiter positiv getestet worden. 85 Mitarbeiter würden sich als Kontaktpersonen 1. Grades in Isolation zuhause befinden".

Es fehlen also i.M. 109 Mitarbeiter in diesen 3 Kliniken. Bei dem Personalmangel, der wegen fehlender Neueinstellungen sowie schon herrschte, wird es eng die Patienten überhaupt zu versorgen. Es ist das eingetreten was zu vermuten war. Lösung: Dann müssen halt auch infizierte Pflegekräfte ran. Jetzt wird es eng, sehr eng und gefährlich.

Bleiben Sie gesund!

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