Wehret den Anfängen

Zum Artikel „Bundestag verabschiedet Corona-Gesetz“, SchwäPo vom 19. November:

Was sich bei den Beschlussfassungen des Bundestages zum Bevölkerungsschutzgesetz am 18. November rund um den Bundestag abspielte, ist skandalös und in höchstem Maße alarmierend.

Während draußen am Brandenburger Tor eine an Skurrilität kaum zu überbietende Mischung aus Coronaleugnern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremen und Demokratiegegnern unter Außerachtlassung jeglicher Corona-Bestimmungen mit absurdesten Theorien gegen die Politik demonstriert und dabei die Verschärfung der Infektionslage mit dramatischen möglichen Folgen für die Bevölkerungsmehrheit billigend in Kauf nimmt, spielt sich drinnen im Bundestag noch Beängstigenderes ab. Da bedrängen, bedrohen und beleidigen von der AfD-Fraktion mit Besucherstatus versehene „Querdenker“ und ähnlich wirre Gestalten die gewählten Volksvertreter.

Das Vorgehen der AfD hat das Ziel, die Demokratie zu beseitigen und ähnelt in nicht zu übersehender Deutlichkeit dem Gebaren der NSDAP am Ende der Weimarer Republik. Wohin das geführt hat, wissen die meisten von uns.
Die, die sich in Berlin zu Handlangern der AfD gemacht haben, wollen es nicht wissen oder können es nicht verstehen.

Es wird Zeit für eine schärfere Gangart gegen diese Strömungen, bevor es wieder zu spät ist.

© Schwäbische Post 22.11.2020 17:55
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Kommentare

Karin Hofmann

W Dan schrieb am 26.11.2020 um 18:25

Wie soll man das unter einen Hut bringen? Wir sind Gott sei Dank eine Demokratie und keine Diktatur in der die Regeln von Oben ohne Widerspruch durchgesetzt werden können.

Hallo W Dan,

Frankreich hat es uns vorgemacht wie es richtig geht: Macron hat ab Freitag, 30.10. einen harten Lockdown veranlasst: Sämtliche Geschäfte mit Publikumsverkehr wurden geschlossen, nicht nur Bars, Restaurants, Theater und Sportstätten. Alle Bürger dürfen ihre Wohnung nur verlassen, wenn das für die Arbeit unverzichtbar ist oder ein Arzttermin ansteht. Nach 4 Wochen sind die Zahlen dadurch stark zurückgegangen! Man wird nun stufenweise wieder lockern.

Ist Macron deshalb ein Diktator? NEIN! Manchmal brauchen Menschen im Notfall eine harte Vorgabe, strikte Regeln, sachlich vorgetragen mit dominanter, klarer Stimme (so war Macrons Rede). Da ist nix mit antiautoritären, liebevollen Erziehungsmassnahmen (die antiautoritäre Erziehung bei Kindern in den 70er-Jahren ist deshalb ja auch gescheitert). Da ist nix mit "Empfehlungen", die mit säuselnder, verstehender Totengräberstimme von Merkel vorgetragen werden. Macron macht es uns vor wie es geht. Für Widerspruch in Deutschland von Bürgern und gewissen Parteien ist jetzt kein Platz!

WIR brauchen endlich klare Regeln, wir brauchen Dominanz, klare Ansagen, wir brauchen konkretes, striktes Handeln, den hohen Infektionszahlen angepasst - im GANZEN Land. Deutschland und unsere Politiker sind dazu nicht fähig. Aus Angst "Diktatoren" genannt zu werden, damit sind wir in der ganzen Welt wegen unserer Vergangenheit erpressbar. Diese Goodwill-Smart-Lockdown-Entscheidung wird Menschenleben kosten. Hauptsache die Querdenker können Deutschlands Demokratie, entgegen aller Regeln, bei ihren Demonstrationen leben. Ein Armutszeugnis.

W Dan

Ist doch aber auch schwierig, jeder will es jedem Recht machen. Ein Teil der Bevölkerung will strenge und einheitliche Maßnahmen, dann kommen die anderen aber bei uns ist das doch nicht notwendig und wieder andere wollen Ausnahmen für bestimmte Bereiche und Gruppen...

Wie soll man das unter einen Hut bringen? Wir sind Gott sei Dank eine Demokratie und keine Diktatur in der die Regeln von Oben ohne Widerspruch durchgesetzt werden können.

Als problematisch finde ich dass alles nur für kurze Zeit bestimmt wird, viele denken wahrscheinlich dann ist die Pandemie vorbei, aber das ist ein Drugschluß.

Auch mit einem Impfstoff werden wir noch lange Zeit auf Einschränkungen nicht verzichten können aber das will keiner sagen deshalb gehts weiter mit kurzfristig und begrenzt was am Ende nichts bringt.

Da die Einschränkungen eigentlich nur die Überlastung der Krankenhäuser verhindern sollen und ein Impstoff den Virus ja nicht verschinden lasst, sollte man sich mal Gedanken machen wie lange es dauert bis 80 Mill Einwohner bei 20000 neu infizierten täglich mit einer Immunisierung durch sind, wenn es die überhaupt gibt.

Karin Hofmann

Hallo Herr Weber,

so spielen Frau Merkel und alle Ministerpräsidenten den Conoraleugnern wieder den Ball zu:

Die gestern veranlassten Entscheidungen zur Bekämpfung der hohen Coronazahlen sind eine Farce:

Die deutsche Politik scheut im Gegensatz zu anderen Ländern einen deutlich strikteren Lockdown. So werden die kraftlosen Maßnahmen für die Menschen in Deutschland zur endlosen Strapaze. Erinnern Sie sich noch an den 16. März? Damals verkündete Kanzlerin Angela Merkel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Maßnahmen, "die es so noch nicht gegeben hat". Shutdown, Geschäfte zu, Schulen zu. Sie sprach von der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Und wirklich jeder in diesem Land begriff damals sofort den Ernst der Lage. Es war ein historischer Moment. Damals. Wir hatten wieder niedrige Fallzahlen. Der Kontrast zur Gegenwart könnte nicht größer sein. Nie zuvor sind an einem Tag so viele Menschen mit oder an einer Corona-Infektion in Deutschland gestorben wie am Mittwoch, gestern. Die am selben Tag gefassten Beschlüsse von Bund und Ländern fallen trotzdem kraftlos und unentschlossen aus. Hier und dort eine Nuance strikter, viel ändert sich nicht, keiner weiss Bescheid.

Weitere, demokratisch genehmigte Conoraleugner-Demonstationen mit tausend Menschen inclusive.

Dank Smart-Lockdown und jetzt wieder Smart-Lockdown werden unsere Gaststätten, Theater, Kultur richtig kaputt gemacht. So werden wir wohl alle 4 Wochen einen erneuten "Smart-Lockdown" haben und dürfen vielleicht an Weihnachten zur "Wirtschaftsankurbelung" inclusiv Skiurlaub wieder ALLES tun um infiziert zu werden, dann kommt der harte Lockdown, dann wieder der smarte. Bis dahin ist unser Wirtschaftsleben kaputt. So geht es nicht. Ich bin enttäuscht und wütend.

w.reile

Sehr geehrter Herr Weber,

ich Stimme Ihren Zeilen voll inhaltlich zu. Mir geht es auch wie Ihnen. Wir Älteren wissen was Sie meinen und können den von Ihnen angemahnten Bedenken: "Wehret den Anfängen" nur zustimmen. So weit darf es nicht mehr kommen.

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