Lesermeinung

Zum Artikel „Frührente beliebt und teuer“, SchwäPo vom 27. Februar:

Endlich gibt es wieder abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren. Dabei von einer Frührente zu schreiben, ist für mich mehr als ärgerlich. Wer nach 45 Jahren Arbeit in den wohlverdienten Ruhestand geht und das ohne Rentenminderung, geht doch nicht „früh“ in Rente. Abgesehen davon, dass die zukünftigen Rentner, wenn sie ohne Abschläge Rente beziehen wollen, immer später Rente beziehen. Jahrgang 1958 zum Beispiel erst mit 64 Jahren. Jeder Betrieb sieht ganz genau, wann wer das Rentenalter erreicht und kann sich dementsprechend darauf vorbereiten. Arbeitsmarktprobleme mit einem Verlängern der Lebensarbeitszeit bekämpfen zu wollen, ist der falsche Weg.

Ich bin jetzt seit 25 Jahren als ehrenamtlicher Versichertenberater für die Deutsche Rentenversicherung tätig und erlebte fast täglich, wie betroffen die Menschen waren, wenn sie trotz 45 und mehr Arbeitsjahren nur mit Rentenabschlag in Rente gehen konnten. Wenn ich ihnen dann auch noch sagen muss, dass diese Rente wahrscheinlich zum Teil noch versteuert werden muss, wird der Ärger auf die Politik nicht geringer.

Die Politik hat meiner Meinung nach die verdammte Pflicht und Schuldigkeit dafür zu sorgen, dass nach 45 Jahren Arbeit sich die Menschen nicht als Almosenempfänger fühlen müssen. Selbstverständlich kostet das Geld. Aber es ist keine Frage des Geldes, sondern des politischen Wollens. In einem so reichen Land wie Deutschland ist jedenfalls die momentane Rentenpolitik eine Schande.

Und was mich besonders dabei ärgert ist der Umstand, dass immer Menschen über die Rentenhöhe entscheiden oder darüber schreiben, die selbst bestens versorgt sind.

So wie der Schreiber des Artikels, Dieter Keller, der neben seiner sicher ordentlichen Rente auch noch vom Deutschen Pressewerk eine ordentliche Zusatzrente beziehen dürfte. Auch der im Artikel zitierte rentenpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth, muss sicher keine Angst vor drohender Altersarmut haben. Seine Aussage, bei der Rente für besonders langjährig Versicherte handle es sich um ein pauschales Aussteigermodell, disqualifiziert ihn als rentenpolitischen Sprecher seiner Partei. Seine Meinung, überspitzt formuliert, läuft darauf hinaus: Renteneintrittsalter anheben auf 80 Jahre, dann verliert die Rentenversicherung keine Beiträge und die Unternehmen haben keine Facharbeiterprobleme mehr.

© Schwäbische Post 01.03.2018 20:18
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Kommentare

hubert mezger

Vielen Dank Herr Weidmann 

sie haben mir und wahrscheinlich vielen Rentner und Rentenanwärter aus dem Herze geschrieben.